Madrigalchor führt biblisches Oratorium in Dinslaken auf

Dinslaken : Mendelssohns „Elias“ in Sankt Vincentius

Der Madrigalchor führt am Sonntag, 18. November, um 18 Uhr das Oratorium auf. Harald Martini singt den Part des Propheten, der erst lernen muss, Gottes Barmherzigkeit zu erkennen.

„Attraktiver geht’s nicht“, verspricht Christoph Scholz. Wenn ein Komponist nicht nur die ganze Palette der Emotionen von Aggression bis Depression, Weihe bis Barmherzigkeit in Musik gießen kann, sondern auch noch flammende Bilder in Klängen malen darf, kommt sein Publikum auf seine Kosten. Selbst wenn es sich dabei um ein biblisches Oratorium handelt. Am Sonntag, 18. November, führt der Madrigalchor Dinslaken unter der Leitung von Christoph Scholz um 18 Uhr den „Elias“ von Felix Mendelssohn in der Sankt Vincentius-Kirche am Dinslakener Altmarkt auf. Ein gut zweistündiges Mammutwerk, „das aber absolut kurzweilig ist“, so Scholz: „Mendelssohn hat keine Oper geschrieben: Der ‘Elias’ ist seine Oper.“

Und eine Oper braucht einen Protagonisten, der ein Auf und Ab durchlebt, der eine Entwicklung macht. Der Prophet Elias ist eine solche Figur. So sperrig, dass es sogar schon Diskussionen im Chor gab, wie Sänger und Pressewart Friedhelm Krupp erklärt. Als „stark, eifrig, auch wohl bös und finster“ bezeichnete ihn Mendelssohn selbst, Scholz nennt ihn eine „zwiespältige Person“.

Denn der junge Elias ist ein religiöser Eiferer, der diejenigen, die seine Überzeugung nicht teilen, gnadenlos verflucht und töten lässt. Ein Fanatiker, dem man kaum noch heute in einem zweistündigen Oratorium die Stimme erheben ließ, wenn nicht genau dieser Elias erfahren würde, dass Gott eben nicht in den Flammen der Zerstörung zu finden ist, sondern als leises Säuseln des Windes in der Wüste – in der Stille. „Was den Inhalt des Oratoriums sympathisch macht, ist, dass die Barmherzigkeit Gottes ebenso Thema ist wie die Entwicklung Elias’“, so Friedhelm Krupp.

Friedhelm Krupp und Chorleiter Christoph Scholz (rechts). Foto: FFS FUNKE Foto Services/Gerd Hermann

Das Libretto zum alttestamentarischen Werk schrieb der Dessauer Pfarrer Julius Schubring, von dem bereits der Text zum „Paulus“, dem anderen großen Oratorium von Mendelssohn stammte. Und was den Stoff musikalisch so interessant macht, ist eben ein Protagonist, der „bös und finster“ ist. Harald Martini singt den „Elias“ am 18. November.

Der junge Bariton ist nicht nur häufig in der Essener und Kölner Philharmonie zu Gast, er widmet sich auch dem romantischen Kunstlied, beispielsweise der „Winterreise“ von Schubert. Im „Elias“ wird er ungefähr dreimal so viel zu singen haben wie seine Kollegen Ariane Ganser (Sopran), Dorothee Wohlgemuth (Alt) und Bohyeon Mun (Tenor), seine großen Antagonisten sind das Volk, sind die Baalspriester – sprich, der Madrigalchor, dessen rund 65 Aktiven bei der Aufführung von etwa 20 weiteren Sängerinnen und Sängern aus dem Krefelder Chor von Christoph Scholz Verstärkung erhalten.

Mendelssohn hatte bei der Uraufführung des „Elias“ 1846 in Birmingham 200 Stimmen, die unter der Last des Fluches des Propheten in Tritonus-Schritten ächzen. Der Tritonus, das „Fluch-Motiv“, hat in der Musikgeschichte übrigens einen Beinamen: „Diabolus in musica“ – „der Teufel in der Musik“. Deutlicher konnte Mendelssohn es nicht ausdrücken, dass das Eifern gegen Andersgläubige nicht zur Seligkeit führt, sondern ein höllischer Fehler ist.

„Höllisch“ aufpassen muss ein modernes Orchester, wenn es ein Oratorium wie den Elias begleitet. Denn im 19. Jahrhundert standen die zu der Zeit überaus populären Massenchöre Orchesterinstrumenten gegenüber, die längst nicht das Volumen der heutigen hatten. „Größer, lauter, kräftiger“ war die allgemeine musikalische Entwicklung, die erst in jenen Jahrzehnten von den Instrumentenbauern umgesetzt wurde. „Das Kammerorchester Köln kann gut mit Chor“, weiß Christoph Scholz.

Mit einem Chor, dem Mendelssohn nicht einmal Zeit lässt, sich zu setzen. „Volk, Erzähler, Kommentatoren – wir sind alles“, sagt Friedhelm Krupp. Und so steht der „großen Oper“ in der Kirche am Altmarkt am 18. November nichts entgegen. „Zwei Stunden, aber es wird nicht langweilig“, verspricht Christoph Scholz.

(bes)
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