Dinslaken-Lohberg: Lohberg: Dschihadisten sind eine Minderheit

Dinslaken-Lohberg : Lohberg: Dschihadisten sind eine Minderheit

Jugendquartiersmanager Önay Duranoez und die Moscheegemeinden engagieren sich gegen den Extremismus im Dinslakener Stadtteil.

Dschidhad-Kämpfer? Terroranhänger? Auf dem Lohberger Wochenmarkt gibt's von ihnen keine Spur. Eher im Gegenteil: Türkische und deutsche Händler bieten hier ihre Ware an und ebenso bunt gemischt ist auch die Kundschaft auf dem Marktplatz. Nichts erinnert an die grauenhaften Bilder, die den hier aufgewachsene Dschihadisten Mustafa K. in Syrien zeigen. Auf ihnen posiert der selbst ernannte Gotteskrieger mit einem abgetrennten Kopf in der Hand und einem Lächeln im Gesicht. Ein Bild roher Gewalt, dass in Lohberg viele Menschen schockiert.

Foto: Fotos: RP, Facebook / Montage: RP

"Hätten wir von der Entwicklung bei diesem jungen Menschen gewusst, hätten wir darauf reagiert", erklärt Özkan Yildiz. Er ist nicht nur stellvertretender Vorsitzender des Integrationsrates der Stadt Dinslaken, sondern als Sekretär der Vereins Diyanet Dinslaken auch ein engagiertes Mitglied der Moscheegemeinde im Stadtteil. Diese veröffentlichte, als Reaktion auf die Medienberichte der vergangenen Tage, ein Erklärung zum Thema. "Wir als größte islamische Gemeinde in Dinslaken haben seit Anbeginn in unseren Arbeiten und Dienstleistungen stets den Gläubigen, die Gemeinschaft und Gesellschaft im Blick", heißt es dort. "Wer die freiheitlich-demokratische Grundordnung gefährdet, hat keinen Platz in unseren Reihen, in unserer Stadt", ist in der Erklärung zu lesen.

Önay Duranoez arbeitet als Jugendquartiersmanager des Kinderschutzbundes eng mit jungen Menschen im Stadtteil zusammen und hat festgestellt, dass der Dschihadismus in Lohberg unter Jugendlichen gerade in Mode ist. "Es gibt Jugendliche, die es cool finden, islamistische Flaggen zu verwenden oder auf Facebook Fotos der bekannten Dschihadisten zu kommentieren", sagt er. Die meisten hätten allerdings keine Ahnung, was wirklich dahinter steckt. "Das ist eher jugendlicher Leichtsinn und Unwissenheit", erklärt Önay Duranoez. In seiner täglichen Arbeit spielt das Thema nicht erst in den vergangenen Wochen eine Rolle. "Wir beschäftigen uns schon seit über einem Jahr damit", erklärt er. Die entsprechenden Jugendlichen seien allerdings eine sehr kleine Minderheit. "Ich finde es nicht gerechtfertigt, dass dieses Thema so hochgekocht wird", sagt er. Die überwiegende Mehrheit der jungen Menschen, mit denen er zu tun hat, verurteilt die extremen Ansichten der Dschihadisten. "In unserer Arbeit diskutieren wir mit den Jugendlichen über ihre Ansichten", erklärt der Jugendquartiersmanager von Lohberg.

"Das was da geschieht, ist verdammt traurig", sagt der SPD-Ratsherr Eyüp Yildiz, der in Lohberg wohnt. Für ihn ist der Islamismus ein Thema, dass man weder unter- noch überschätzen sollte. "Ich glaube nicht, dass es etwas mit der Religion zu tun hat. Es geht eher um Hilflosigkeit. Wenn Menschen keine Hoffnung haben, werden sie anfällig für diese Geschichten", sagt er.

(RP)