1. NRW
  2. Städte
  3. Dinslaken

Dinslaken: Löschzug Oberlohberg feiert 100-Jähriges

Dinslaken : Löschzug Oberlohberg feiert 100-Jähriges

Die Feuerwehr-Einheit wurde 1918 gegründet, in den letzten Monaten des Ersten Weltkrieges. Zum jetzigen Jubiläum ist eine umfangreiche Chronik erstellt worden. Gefeiert wird am nächsten Wochenende.

Ein großes Fest wirft seine Schatten voraus - am 5. und 6. Mai wird der Löschzug Oberlohberg der Freiwilligen Feuerwehr Dinslaken sein hundertjähriges Bestehen feiern. Bereits im Vorfeld übergaben Mark Rittmann, Löschzugführer Oberlohberg, und sein Stellvertreter Jens Maltusch sowie Chronist Willi Becks und Udo Walbrodt, Leiter der Feuerwehr Dinslaken, die aufwendig gestaltete Chronik sowie alle noch vorhandenen Dokumente aus 100 Jahren Feuerwehrgeschichte dem Stadtarchiv Dinslaken. "Dahin gehören sie", waren sich die vier Feuerwehrleute einig. Zwei Jahre hatte Becks an der Chronik gearbeitet, hatte Dokumente studiert, Bilder durchforstet, sich Hilfe geholt und Stunde um Stunde recherchiert und geschrieben. Herausgekommen ist ein einzigartiges Stück Feuerwehr- und Zeitgeschichte.

So sahen in den Anfangsjahren bei der Feuerwehr die Uniformen aus. Auch dazu gibt es viele Schwarz-Weiß-Fotos im Stadtarchiv. Foto: Lars Fröhlich

In den letzten Monaten des Ersten Weltkrieges wurde der Löschzug 4 der Freiwilligen Feuerwehr Dinslaken ins Leben gerufen. Kurz zuvor hatte sich die Stadt bereits Gedanken über eine Feuerwehreinheit in Oberlohberg gemacht, da es in dem Bereich immer wieder zu großen Wald- und Flächenbränden gekommen war. Eine Pflichtfeuerwehr war nicht mehr nötig, die Oberlohberger brachten genügend engagierte Bürger zusammen, deren Nachkommen noch heute bei der Freiwilligen Feuerwehr ihren Dienst leisten, manche in der dritten oder vierten Generation. Es waren Ernst, Gerhard und Wilhelm Becks, Gerhard Bollwerk, Heinrich Bruckmann, Heinrich und Wilhelm Fengels, Friedrich Grafen, Hermann Hollenberg, Heinrich Hülsemann, Karl Koch, Albert Krämer, Heinrich Liesen, Bernhard Oppenberg, Johann Rommel, Wilhelm Sanders, Heinrich Terfeld, Bernhard Schepers, Wilhelm Stahl, Friedrich Stemmer, Dietrich und Gerhard Stöfken, Dietrich Süsselbeck, Heinrich Terfeld und Dietrich Tittgen, die am 1. April 1918 die Freiwillige Feuerwehr Oberlohberg gründeten. Die Liste mit ihren Namen hat die Zeit überdauert, auch die Namen der Brandmeister und Löschzugführer aus 100 Jahren sind noch bekannt.

Archivarin Gisela Marzin bekommt im Beisein von Bürgermeister Michael Heidinger und Vertretern der Feuerwehr Dokumente überreicht. Foto: Lars Fröhlich

Die ersten beiden Brandmeister, Heinrich Liesen und Gerhard Bollwerk, wurden noch von der Stadt eingesetzt. Der Einsatzwille war da, doch es fehlte an allem, vor allem an Material. Dafür aber verstärkten nach Kriegsende die heimkehrenden Soldaten den 4. Zug, und so wurde aus der Freiwilligen Feuerwehr Oberlohberg eine schlagfähige Einsatztruppe von 40 Mann. Als neue Löschzugführer dienten nun Johann Friedrich und Johann Sander, beides Oberlohberger, die mit den Gegebenheiten des Ortsteils vertraut waren.

Und was an Ausrüstung fehlte, bauten sich die Wehrleute selbst zusammen, bis sie nach 1925 endlich zwei Handdruckspritzen, eine Spritzpumpe für die Wasserentnahme am offenen Gewässer bekamen - für ihre Bedienung benötigte man acht bis zehn Mann, für eine weitere Spritze ebenfalls acht Leute. Diese als Pferdegespann angelegten Geräte wurden vom Landwirt Willi Sander mit seinen Pferden bespannt und gefahren, schreibt Karl-Bernd Schürmann in der Chronik zum 75. Bestehen des Löschzuges. Wenn das Brandhorn ertönte, schreibt er weiter, kamen die Pferde oft allein von der Weide nach Hause, um angespannt zu werden.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurden die Feuerwehren besser ausgestattet. Man weiß inzwischen warum, denn statt Waldbränden musste die Wehr in den Jahren des Zweiten Weltkrieges brennende Häuser löschen, Verschüttete bergen, abgestürzte Flugzeuge löschen und auch hier die Toten bergen.

Mit 15 Mann war der Löschzug beispielsweise beim Absturz einer Maschine der britischen Luftwaffe 1942 dabei. Die war auf dem Rückweg ihres Fluges von Köln (Operation Millennium oder die Nacht der 1000 Bomber). Vermutlich von einer Flak getroffen, stürzte das Flugzeug im Waldgebiet an der Keilerstraße ab und krachte anschließend in den Waldboden. Die sterblichen Überreste der fünf Besatzungsmitglieder wurden vom Löschzug Oberlohberg geborgen.

Gottlob geht jeder Krieg einmal zu Ende und bereits im Herbst 1945 gab es wieder einen 4. Löschzug. 1948 bekam die Feuerwehr in Dinslaken neue Strukturen, ein Kreisverband wurde gegründet. Langsam setzte sich nach den Hungerjahren das Wirtschaftswunder durch und der 4. Löschzug bekam 1955 sein erstes modernes Löschfahrzeug - ein Opel der Baureihe "Blitz" -, das bis 1984 eingesetzt wurde.

Noch immer bestimmten in der Regel Waldbrände die Einsätze, doch auch Scheunen- und Hausbrände mussten von der Oberlohberger Wehr gelöscht werden. 1968, im Jubiläumsjahr zum 50. Bestehen, übernahm Karl-Bernd Schürmann den 4. Löschzug. Ab den 1970-er Jahren wurde die Ausrüstung der Feuerwehr stark erweitert und modernisiert, die Übungen und Ausbildungen den sich wandelnden Bedürfnissen angepasst.

Aber all die Übungen und der Einsatzwille konnten es 1974 nicht verhindern, dass das Sägewerk des Löschzugführers Karl-Bernd Schürmann abbrannte, obwohl der Weg vom Feuerwehrhaus zur Einsatzstelle nicht einmal 20 Meter betrug. Wald- oder Hausbrände, technische Hilfeleistungen, Pkw-Brände auf der Autobahn, Großbrände in Gewerbebetrieben, ein brennendes Flugzeug und die Folgen des ersten Pipelineunfalles waren in den 1970-er Jahren zu bekämpfen. 1985 beendete Karl-Bernd Schürmann seinen aktiven Dienst nach 45 Jahren. Er wechselte als Ehrenoberbrandmeister in die Altersabteilung. 1991 stand der 4. Zug im Rampenlicht der Nachrichtensendungen aller Fernsehanstalten. Grund dafür war der Bruch einer Pipeline von rund 50 Zentimetern Durchmesser. Über 300. 000 Liter Benzin flossen aus, ins Erdreich und in den Rotbach. Ein nicht ungefährlicher Einsatz für die Feuerwehr in Oberlohberg.

Viele weitere Einsätze folgten im Laufe der Jahre: ein Großbrand an der Franzosenstraße 2003 und feuerwehrtechnisch gesehen der Höhepunkt des Jahres 2005 - der Einsatz am Ziegeleiweg. Dort brannten in einem Werk 35. 000 Kubikmeter Altreifen. Nicht nur die Oberlohberger waren hier im Einsatz, sondern die Wehren aus ganz Dinslaken und den Nachbarkommunen Hünxe und Voerde. 65 .000 Liter Schaummittel kamen zum Einsatz. Ein Jahr später folgte ein Großbrand an der Dickerstraße, 2007 machte das Sturmtief Kyrill den Feuerwehrleuten zu schaffen.

(big)