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Dinslaken: Lepra - noch immer viele Neuerkrankungen

Dinslaken : Lepra - noch immer viele Neuerkrankungen

Am 30. September findet wieder der Lepramarsch statt. Das Thema ist nach wie vor aktuell. Laut Romana Drabik gibt es 220.000 entdeckte Neuerkrankungen. Die Dunkelziffer ist viel höher.

Seit nunmehr 37 Jahren findet Jahr für Jahr im September der Lepramarsch statt, unterstützt und organisiert von den katholischen Gemeinden der Stadt. "Seit drei Jahren schon ist die evangelische Kirche mit im Boot", freut sich Romana Drabik. "Der Lepramarsch ist nach wie vor wichtig, um die Menschen auf die Lage der Leprakranken aufmerksam zu machen", mahnt sie, denn die Zahl der Lepra-Neuerkrankungen ist mit 220.000 entdeckten Fällen immer noch zu hoch. Die Dunkelziffer, das heißt die noch nicht diagnostizierten Fälle, schätzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf noch einmal so viel. Kein Grund also, sich beruhigt zurückzulehnen, sagt die 81-Jährige.

Ein strammes Programm absolvierte die Ärztin, wie schon seit Jahrzehnten, auch in diesem Jahr. Alle zwei, drei Monate ist sie an einem anderen Ort in der Welt, kümmert sich dort um die Lepra- oder Tuberkulosekranken, fährt zu Kongressen und Tagungen, schult Ärzte, spricht mit der WHO und sammelt - wieder daheim - Spenden für ihre Arbeit.

"Wir sind die einzige Gruppe in der Leprahilfe, die das gesammelte Geld nicht an eine Zentralstelle überweisen muss, sondern die selbstständig gegen die Krankheit und ihre Folgen kämpft", sagt sie stolz. So sind von Dinslaken aus die Fälle in der ehemaligen Sowjetunion erhoben worden - für die WHO war das Gebiet ein weißer Fleck auf der Landkarte. "Nach 27 Jahren intensiver Arbeit für die ehemaligen Sowjetländer können wir heute einen großen Teil der Arbeit abschließen", erzählt die Lepraärztin. "Einige Projekte schließen wir ganz ab, übergeben sie den dortigen Helfern, andere werden in geänderter Form weitergeführt." Denn alle Patienten in diesen Ländern seien heute ausgeheilt und zählen somit für die WHO nicht mehr.

Was in den 16 Ländern bleibt, ist die Weitergabe der aktuellen WHO-Informationen in Form von Kongressen, Konferenzen und Schulungen des medizinischen Personals. Vor allem an den Universitäten sollen alle angehenden Mediziner unterrichtet werden, egal für welches Fachgebiet sie sich einmal entschließen. "Aufgeklärte Ärzte finden Leprakranke sofort heraus", so Romana Drabik.

Sorgen bereiten der Ärztin vor allem die Gebiete in Indien, allen voran in Mumbai (Bombay). "Das bleibt ein Schwerpunkt unserer Arbeit", sagt sie. Denn dort gebe es, weltweit gesehen, die höchste Zahl der alljährlich neu entdeckten Leprakranken. "Die medizinische und soziale Situation in der 16-Millionen-Metropole ist weiter katastrophal", sagt sie.

Ferner kümmert sie sich um Nalgonda in Südindien. Dort wurde bereits vor 15 Jahren sehr intensiv ein Projekt aus Dinslaken betreut. Als Dank gibt es nun dort die "Dinslaken Street" und eine "Bernhard-Ambulanz", benannt nach Pastor Bernhard Kösters. "Die Arbeit dort wird inzwischen selbstständig geführt, doch man bat uns, ob wir nicht Patenschaften für die von der Lepra ausgeheilten Kinder übernehmen könnten, um ihnen einen Start ins Leben zu ermöglichen."

Und auch die afrikanischen Staaten kämpfen immer noch mit der Krankheit. In der zentralafrikanischen Republik laufen die ersten Gespräche mit der dortigen Kirche. "Im nächsten Jahr wollen wir dort Leprahilfe leisten. Wo, wird uns allerdings die WHO mitteilen", so Romana Drabik. Nun, sie muss eben immer etwas zu tun haben.

So bittet sie auch, den 37. Lepramarsch am Samstag, 30. September, großzügig zu unterstützen.

(big)