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Voerde: Lehrer-Gewerkschaft lehnt eine Gesamtschule der Caritas ab

Voerde : Lehrer-Gewerkschaft lehnt eine Gesamtschule der Caritas ab

Der Rat der Stadt Voerde hat die Verwaltung beauftragt, fünf Optionen für die Weiterentwicklung der Schullandschaft im Sekundarbereich zu prüfen. Eine der Optionen ist eine Gesamtschule in freier Trägerschaft.

Der Caritasverband Dinslaken hat angeboten, eine solche dreizügige Schule zu gründen. Dies ist aus Sicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Kreisvereinigung Wesel, "kurzsichtig und fahrlässig in Bezug auf eine langfristige Schulentwicklung in Voerde", schreibt der GEW-Vorsitzende für die Region Wesel, Heinz-Dieter Hamm, in einer Pressemittelung.

Dieses Modell entwickelt nach seiner Ansicht für Teile der Voerder Kommunalpolitik eine zunehmende Attraktivität, denn es ermögliche, berechtigten, aus Sicht der Politik jedoch nervenden Fragen nach der Zukunft der Schullandschaft mit einer vermeintlichen Lösungsperspektive zu begegnen: "Es kann mit dem Modell ,kleine, aber feine Caritas-Gesamtschule' der Öffentlichkeit — zumindest bis zu den Kommunalwahlen Ende Mai — vorgegaukelt werden, dass in Voerde trotz demografisch bedingtem Schülerzahlenrückgang drei weiterführende Schulen überlebensfähig sein können, und somit die Realschule auch in ihrer jetzigen Ausprägung bestehen bleiben könne."

Sicherlich hätte eine private Gesamtschule in kirchlicher Trägerschaft eine hohe Attraktivität. Die GEW geht von Anmeldezahlen aus, die weit über drei Züge hinausgehen. Mit der Perspektive "Abitur nach neun Jahren" könnte diese Schule sogar für bisherige Gymnasiasten eine attraktive Alternative darstellen.

Gravierender sind jedoch aus Sicht der GEW die Auswirkungen auf die bestehende Realschule in Voerde: Eine nahe gelegene Gesamtschule würde mit Macht eher leistungsorientierte und unproblematische Schüler aus bildungsnahen Elternhäusern aus der Realschule abziehen und die schon in den vergangenen Jahren deutlich veränderte Zusammensetzung der Schülerschaft der Realschule noch einmal dramatisch zuspitzen. Nach Ansicht der GEW wäre sogar der Bestand der Realschule gefährdet.

Aus gewerkschaftlicher Sicht spricht aber nicht zuletzt gegen eine Gesamtschule in kirchlicher Trägerschaft, dass sie kirchlichem und nicht öffentlichem Arbeitsrecht unterliegt und nicht wie öffentliche Schulen über eine gesetzliche Personalvertretung nach dem Landespersonalvertretungsgesetz verfügt. Nachhaltige Schulentwicklung in Voerde sehe, so die GEW, anders aus: Voerde sollte langfristig zwei weiterführende Schulen führen, ein Gymnasium und eine Gesamtschule mit Oberstufe, Abitur nach neun Jahren. Die bestehende Realschule mit dem bestehenden Kollegium könnte am jetzigen Standort in die Schulform "Gesamtschule" hinüberwachsen. Es könnten die hervorragenden räumlichen Bedingungen im Schulzentrum Süd weiter genutzt werden, und Voerde hätte eine zukunftssichere Schule in zentraler Lage, so GEW-Vorsitzender Heinz-Dieter Hamm.

(RP)