Lebenshilfe will Stammenhaus an der Neustraße in Dinslaken verkaufen

Was wird aus dem Glockenspiel? : Lebenshilfe will Stammen-Haus verkaufen

Die Nutzung des Ladenlokals bereitet Probleme. Bürger sorgen sich um das Glockenspiel.

Jeder Dinslakener kennt es – das Glockenspiel am alten Stammen-Haus an der Neustraße. Seit 1920 steht das Haus, blieb im Krieg vom Bombardement weitgehend verschont. Dort, wo in den vergangenen Jahren Restaurants versuchten, Kunden anzulocken, hatte einst über Jahrzehnte hinweg der Uhrmacher Hans Stammen sein Domizil. Als er starb, vermachte er der Lebenshilfe das Haus. Die will es nun verkaufen und genau das macht einige Dinslakener, darunter auch die ehemalige Kulturausschussvorsitzende Renate Seidel hellhörig.

„Was passiert bei Verkauf des Hauses mit dem Glockenspiel?“, fragt sie. Bereits als Kind habe sie dem Spiel der Glocken gelauscht, wie wohl viele der älteren Dinslakener berichten können. Und nicht nur sie sei besorgt, in der Vergangenheit sei schon zu vieles aus Dinslaken vernichtet worden, so Seidel. Das dürfe mit dem Glockenspiel nicht passieren. Denkmalgeschützt ist nämlich weder das Glockenspiel noch das Haus.

Noch aber ist gar nichts entschieden, sagt Meinhard Reichelt, Geschäftsführer der Lebenshilfe. „Wir haben Nutzungsprobleme im Geschäftsbereich“, erklärt Reichelt, „und müssen uns daher von dem Objekt trennen.“ Das Haus sei der Lebenshilfe vermacht worden, um mit den Mieterlösen etwas Gutes für die Menschen mit Behinderungen tun zu können. „Wir haben auch alles versucht, es erhalten zu können“, berichtet Reichelt, doch inzwischen sei das Haus für die Lebenshilfe ein Zuschussgeschäft. Natürlich wolle auch er das Glockenspiel erhalten, auch die Mieter der oberen Wohnungen sollten vom neuen Eigentümer übernommen werden.

Vor rund 15 bis 20 Jahren sei das Haus komplett renoviert worden, dabei sei das Glockenspiel abgenommen worden, zumindest die Glocken, schränkt Reichelt ein. Ob das Uhr- beziehungsweise Spielwerk auch so einfach heruntergenommen werden könne, wisse er nicht. Aber erst einmal sei daran auch nicht gedacht. Die Lebenshilfe sucht nach einem Investor, der das Haus mit dem traditionellen Spiel übernimmt. Einige Interessenten hätten sich zwar schon einmal umgehört, doch bislang seien noch keine Verkaufsgespräche geführt worden.

Das bestätigt auch Carsten Abels, dem die Lebenshilfe den Verkauf des Hauses übertragen hat. „Das Haus ist komplett renoviert mit einer Ladenlokalfläche von 147 Quadratmetern. Die fünf Wohnungen sind alle vermietet“, erzählt er. Die Wohnungen seien 36 und 45 Quadratmeter groß und sehr begehrt ob ihrer guten Lage und dem Aufzug im Haus. Auch er würde das Glockenspiel gerne erhalten wissen, „es ist immerhin ein Wahrzeichen der Stadt, jeder kennt das Haus nur wegen des Glockenspiels.“ Und immer noch stehen Leute andächtig davor und lauschen dem Spiel, das ohnehin nicht zu jeder Stunde sondern nur einmal täglich erklingt. Doch könnten weder er noch die Lebenshilfe verhindern, dass ein neuer Eigentümer, die Fassade anders gestalte und das Glockenspiel entsorge. „Von uns gewollt ist dies nicht“, so Immobilienmakler Carsten Abels.

Vielleicht findet sich ja ein Käufer, der es mit der Tradition hält, vielleicht auch nur ein guter Mieter fürs Ladenlokal mit einer langen Mietoption.

Für Renate Seidel aber sind das zu viele „wenn“ und „aber“. „Ich bin bereits des Öfteren darauf angesprochen worden. Die Bürger wollen ihr Glockenspiel erhalten – wo und wie auch immer.“ Sie wolle sich jetzt mit der Stadtverwaltung, dem Bürgermeister und der Kulturdezernentin in Verbindung setzten, damit das Glockenspiel erhalten bleibt, auch wenn es ein neuer Käufer nicht mehr an der Fassade seines Haus dulden wolle.

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