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Dinslaken: Kunst aus dem Wüstensand sieben

Dinslaken : Kunst aus dem Wüstensand sieben

Sabine Hulvershorn kreiert aus Erde, Lehm und Farbe Landschaften, die dem Betrachter Wege in drei Kontinente weisen. Eine Ausstellung im Café Lueg zeigt, dass die Ursprünge von Kunst und Musik in Arad liegen.

Die Bilder werden von intensiver Ockerfarbe und Schwarz-Weiß-Kontrasten dominiert, doch die Farbe des Hintergrunds ist ein dreifaches Blau. Seit Sonntag stellt Sabine Hulvershorn als Mitglied des Kulturkreises Dinslaken im Café Lueg aus. "Lehm-Erden + Farbe" betitelt sie die Schau ihrer Bilder, die die Landschaften und Farbtöne dreier Orte auf drei Kontinenten zum Thema haben. Schwarzweiß sind die menschenleeren, leicht hügeligen Weiten, für die der ehemalige Zechenstandort Lohberg mit seiner Kohleförderung Inspiration war.

Die Künstlerin Sabine Hulvershorn, ihre Kollegin Ulrike Int-Veen, die am Sonntagmorgen auf der Vernissage die Einführung hielt und die Sängerin und Komponistin Samirah Al-Amrie, die mit ihrem Trio de Rosa den musikalischen Teil zu einem stürmisch gefeierten Erlebnis machte, gehören zu den Mietern der ersten Stunde des Kreativ.Quartiers. Afrika liegt in den Niederlanden gleich hinter der Grenze bei Kleve. Diese Erfahrung, gepaart mit einem Farbrausch, erlebte Sabine Hulvershorn im Afrika-Museum bei Nijmegen. Den strahlenden Ockerton der Lehmfassaden in ihren Architekturfotos intensivierte sie durch Übermalung. In den erdfarbenen Bilder der Landschaft bei Arad schließlich verarbeitete Sabine Hulvershorn israelischen Wüstensand. Und hier dringt man auf den "blauen" Hintergrund der Ausstellung und des Vernissage-Programms vor.

Sabine Hulvershorn gehörte zu der Künstlergruppe aus der Partnerstädte Dinslaken, Agen und Arad, die 2010 das Twins-Projekt "Blau-bleu-blue" auf die Beine stellte. Im Rahmen dieser Aktion sammelte die Künstlerin den Wüstensand vor Ort. Und Samirah Al-Amrie freundete sich mit der israelischen Künstlerfamilie an, über die sie nun Ronnie Waldmann und Dekel Terry kennenlernte. Als Trio de Rosa gaben sie Sonntag einen ersten Vorgeschmack auf ihre Konzert am Donnerstag in den Essener Theaterkatakomben und im Doppelkonzert der Jazz Initiative am Freitag, 19. September, um 20 Uhr im Ledigenheim mit Daniel Messina.

Worldmusic zwischen arabischem Gesang, brasilianischen Rhythmen, Fado und dem Klang der auf eine Schweizer Erfindung zurückgehenden Handpan. Die grenzüberschreitende, alles ineinander verschmelzende Musikalität des Trio de Rosa elektrisiert. Was das Projekt von Samirah Al-Amrie und den beiden in Arad lebenden Ronnie Waldmann und Dekel Terry zu einem künstlerischen Gesamterlebnis macht, ist der Flamenco. Ronnie Waldmann braucht gerade eine Fläche von der Größe einer Tischplatte, um mit der inneren Spannung ihrer Arme, Hände und Fingern, mit ihrer ganzen Haltung einen ihr eigenen Raum zu schaffen, in dem sie die ganze Magie des Flamenco entlädt.

Das Café hallt wieder von den Zapateados, den Rhythmen, die sie mit den Spitzen und Absätzen ihrer Schuhe auf den Tanzboden hämmert, dann wieder zeichnet sie mit ausholenden Arm - und Beinbewegungen Kreise in die Luft: Tanz wie Kalligraphie, die Tänzerin als Schöpferin von Form und Linie für den Augenblick. Die Gäste der Vernissage sind fasziniert.

(RP)