Voerde: Kreis: Unsachgemäßer Umgang mit Asbest

Voerde : Kreis: Unsachgemäßer Umgang mit Asbest

Behörde fand auf der Baustelle der ehemaligen Pestalozzischule nicht gesicherte Bruchstücke schadstoffhaltiger Eternitplatten und problematisches Dämmmaterial.

Der Kreis Wesel hat sich auf erneute Nachfrage zu der bis vor wenigen Tagen noch durch Schilder am Bauzaun erfolgten Warnung vor Asbestfasern auf der Baustelle der früheren Pestalozzischule geäußert. Man sei Ende Februar auf Ersuchen der Bezirksregierung Düsseldorf, zuständige Behörde für Arbeitssicherheit, tätig geworden, bei der zuvor ein Hinweis auf "unsachgemäße Abbrucharbeiten" eingegangen war, erklärte Heidi Simanowitz, beim Kreis Wesel Koordinatorin für den Bereich Abfallwirtschaft. Der Verdacht sollte sich bestätigen.

Noch am gleichen Tag, als die Meldung beim Kreis Wesel eingegangen war, am 28. Februar, sei ein Mitarbeiter zur Baustelle gefahren und habe auf der Fläche mehrere, überwiegend offene Säcke mit Dämmmaterial gefunden, das, wie sich nachher herausstellte, darin zu vermutende "künstliche Mineralfasern" enthielt. Darüber hinaus hätten in 200 bis 300 Kubikmeter Bauschutt sowie auf dem Grundstück verteilt "Bruchstücke" von Eternitplatten gelegen, die Asbest enthielten, wie sich ebenfalls später bestätigt habe, sagte Heidi Simanowitz. So wurden ihr zufolge an verschiedenen Stellen insgesamt fünf Materialproben entnommen, von denen vier positiv gewesen seien. Die Laborergebnisse lagen etwa zwölf Tage nach der Begehung vor. Die Verwendung von Asbest wurde 1993 verboten, weil der Stoff krebserregend ist. Bis 2000 produzierte künstliche Mineralfasern können die gleiche Eigenschaft haben.

Der Umgang mit den vorgefundenen "gefährlichen Abfällen" im Fall der Baustelle Pestalozzischule sei nicht sachgemäß erfolgt, erklärt Simanowitz. Bei dem Vorgang, "kein Einzelfall", handele es sich um einen "Straftatbestand", der an die Kriminalpolizei weitergeleitet worden sei. Die Baustelle sei noch am gleichen Tag, als der Mitarbeiter des Kreises dort war, also am 28. Februar, stillgelegt worden. Auch hatte die Behörde angeordnet, am Bauzaun Schilder mit Warnhinweisen auf Asbestfasern auf dem alten Schulgelände anzubringen, um so das Betreten der Baustelle durch Unbefugte zu verhindern.

Der Investor, der das Grundstück von der Stadt gekauft hat, um selbiges, wie geplant, zu einem neuen Wohnquartier weiterzuentwickeln, hatte die Feststellungen des Kreises am Freitag auf Nachfrage so nicht erwähnt und lediglich erklärt, dass die mit Asbestfasern versehenen Eternitplatten vorschriftsmäßig auf der Baustelle demontiert und "luftdicht" in Säcke verpackt worden seien, um in verschlossenen Containern zur Entsorgung auf eine Sondermülldeponie verbracht zu werden. Zu den aktuellen Ausführungen des Kreises wollte der Geschäftsführer der Störmann Bauträger GmbH, Klaus Störmann, bis Montag keine Stellungnahme abgeben.

Wilfried Limke, technischer Beigeordneter der Stadt, meldete sich bei der Redaktion telefonisch aus dem Urlaub und erklärte, dass er, nachdem der Kreis Wesel die Stadt über den Sachverhalt in Kenntnis gesetzt habe, den Investor telefonisch kontaktiert und darauf hingewiesen habe, dass die Sicherheit unverzüglich herzustellen sei - was dieser auch zugesichert habe. Die Schadstoffe seien entsorgt worden. Die unterschiedlichen Kontaminationen in dem gesamten Gebäudekomplex seien im Entsorgungskonzept festgehalten. Die erteilte Abbruchgenehmigung beinhalte die "sachgerechte Entsorgung von Schadstoffen jedweder Art", betonte Limke. Er äußerte sich irritiert darüber, dass die in dem Fall erfolgten Anordnungen des Kreises "nicht verschriftlicht" seien, die Stadt habe nichts Schriftliches bekommen. In der vergangenen Woche habe er sich bei der Behörde telefonisch erkundigt und dort von "autorisierter Stelle" die Auskunft erhalten, dass die Baustelle wieder freigegeben werden könne, woraufhin die Stadt diese auf die Sicherheit hin kontrolliert habe. Die Frage, ob noch auf Untersuchungsberichte gewartet werde, ob da noch etwas zu verfolgen sei, sei bei dem Telefonat mit dem Kreis eindeutig mit Nein beantwortet worden, betonte Limke. Für den Kreis, der die Zuständigkeit für die Überwachung der Baustelle in erster Linie bei der Stadt sieht, ist die Sache abgeschlossen.

(P.K.)
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