Kräuterweihe in Dinslaken: Ein Segen für Hagebutte und Löwenzahn

Kräuterweihe in Dinslaken : Ein Segen für Hagebutte und Löwenzahn

Bei der traditionellen Kräuterweihe in der Herz-Jesu-Kirche in Oberlohberg konnten die Gottesdienstbesucher ihre heimischen Heilkräuter mitbringen und segnen lassen. Der Brauch wird zum Fest Mariä Himmelfahrt gepflegt.

Einige große Körbe angefüllt mit Kräutern stehen im Altarraum der Herz-Jesu-Kirche in Oberlohberg. „Gott hat uns die Kräuter geschenkt und Menschen ihre Heilkraft erkennen lassen“, sagt Pfarrer Werner Laslop. Im Gottesdienst stehen die Heilkräuter im Mittelpunkt. Regine Brook und Birgit Sommer haben die Kräuter mit in die Kirche gebracht und stellen sie für die Gottesdienstbesucher vor. Von Hagebutte über Thymian bis zum Löwenzahn ist allerhand mit dabei. „Thymian kann dazu beitragen, im Alter geistig fit zu bleiben“, verrät Brook zu dem Kraut, das die meisten wohl weniger als Tee, sondern eher zum Würzen von Gerichten in der Küche verwenden würden. Ähnliche Informationen gibt es auch zu den anderen Kräutern. „Die heilsamen Stoffe in den Kräutern werden in Tees gut ausgelöst. Deswegen haben wir uns gedacht, wir brühen sie für Sie auf“, sagt Brook.

Den besonderen Tee können die Gottesdienstbesucher nach der Messe probieren. Aber erstmal geht es an die Kräutersegnung. Wer selbst ein Bündel mit besonderen Gewächsen mitgebracht hat, kann dieses vor den Altar bringen. Dann schreitet Pfarrer Laslop zur Tat. Mit einem Gebet und einem Spritzer Weihwasser segnet der Seelsorger die Kräuter im Altarraum. „Die Kräutersegnung hat hier in Oberlohberg Tradition“, erklärt der Seelsorger nach dem Gottesdienst. In der Kräutersegnung kämen Glauben und Tradition zusammen.

„Es gibt eine Legende, nach der das Grab von Maria geöffnet wurde, weil einer der Jünger zu spät zu ihrer Beerdigung kam. Maria war nicht mehr im Grab, stattdessen war es voller blühender Kräuter und Blumen“, erzählt Pfarrer Laslop. Zudem sieht er in der Vollendung des Lebens von Maria einen Bezug zur Ernte. Für den Seelsorger ist die Kräutersegnung auch eine Gelegenheit, sich wieder etwas auf die Natur zu besinnen. „Gerade im städtischen Raum würden viele die Kräuter kaum erkennen“, sagt er.

Auch das Ehepaar Elisabeth und Johannes Kochanek ließ ihren mitgebrachten Holunder von Pfarrer Laslop (l.) segnen. Foto: Martin Büttner

Auch Johannes und Elisabeth Kochanek sind zur Kräutersegnung gekommen. Sie haben Holunder mitgebracht. „Aus den Blüten des Holunders kann man Tee machen oder etwas leckeres Backen. Und aus die Beeren lässt sich ein Sud machen, den man für Marmelade verwenden kann“, erklärt Elisabeth Kochanek. Ihr Ehemann erinnert sich noch an sein Elternhaus, in dem die Nutzung von Holunder aus dem heimischen Garten mit zum Alltag gehörte. „Wir kannten eigentlich keinen anderen Tee“, erzählt der 88-Jährige. Und seine Frau ergänzt: „Wir haben zwar nicht so viel Holunder, aber wir versuchen, ihn zwischendurch zu verwenden.“ Jedoch ist das Paar nicht nur wegen der Kräuterweihe in die Kirche gekommen. „Wir sind eigentlich jeden Sonntag hier“, sagen die Eheleute.

Nach der Messe haben die Gottesdienstbesucher neben dem Eingang der Kirche ausgiebig Möglichkeit, verschiedene Kräutertees zu probieren. Gut ein Dutzend mit Tee gefüllte Wärmekannen stehen hier zur Verfügung. Löwenzahntee oder doch lieber Thymian? Dazu gibt es etwas Passendes zu essen. Auf bereitgestellten Brotscheiben findet sich nicht nur Käse mit Tomaten und Basilikum und Kräuterfrischkäse, sondern auch selbst hergestellte Marmelade mit Weinbergpfirsich und Thymian. Und einige Gottesdienstbesucher nehmen sich hier die Zeit, noch mal etwas zu probieren, das sie bisher noch nicht so getestet haben.

Erkenntnisse aus der Kräutersegnung haben aber auch die Helferinnen Brook und Sommer mitgenommen – schon aus ihrer Vorbereitung. „Dass Löwenzahn so gesund ist, war mir vorher nicht so bekannt“, sagt Brook. „Ich werde in Zukunft mal öfter Löwenzahntee trinken.“ Und wenn der ein oder andere Kräutertee ein wenig bitter schmeckt? „Mit etwas Honig geht das schon“, sagt Brook.

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