Kohle adé: In Lohberg haben sich die Kumpel dran gewöhnt

Die letzte Zeche schließt : Die Kohle-Ära geht zu Ende

Mit Prosper-Haniel in Bottrop schließt heute das letzte Steinkohlebergwerk. Für Lohberg kam das Aus schon 2005. Die ehemaligen Bergleute haben sich allmählich daran gewöhnt. Ein bisschen Wehmut bleibt.

Mit dem 21. Dezember und der offiziellen Schließung der Zeche Prosper Haniel in Bottrop endet eine Ära im deutschen Steinkohlebergbau. Vor Wochen schon waren die Kumpel ein letztes Mal eingefahren, es wurde ausgeräumt, „rauben“ so nennen es die Kumpel auf Prosper Haniel. Die Dinslakener Bergleute haben das Ende schon 2005 erlebt, als ihr Bergwerk seine Pforten für immer schloss – nach 100 Jahren. Die alten, denkmalgeschützten Zechengebäude und ein Förderturm erinnern noch heute an die Zeit, als noch Kohle gefördert wurde und der Region Arbeit und Brot brachte. Neues Leben entsteht derzeit auf dem Gelände.

Peter Psiuk war 33 Jahre im Bergbau tätig, 29 Jahre davon auf Lohberg, die letzten vier Jahre auf Lippe. Zuerst unter Tage, nach einem schweren Unfall, der sich allerdings nicht auf der Zeche zutrug, war er nicht mehr „grubentauglich“, fand Arbeit über Tage. „Ich habe viel gelernt, viele nette Menschen kennengelernt und bin heute noch dankbar, dass ich trotz meines Unfalls die Stelle weiterbehalten konnte. Das gibt mir heute Sicherheit bei meiner Rente“, erzählt er. Psiuk ist allerdings Grüner und als solcher zwiegespalten was den Bergbau betrifft. Natürlich sei es schon ein komisches Gefühl, dass ein ganzer Industriezweig wegbreche, aber die Zeit der Kohle sei halt vorbei. Und dennoch: „ Ich finde es heute noch absolut verrückt, komplett aus der Steinkohle auszusteigen. Der Braunkohleabbau hingegen hätte viel eher enden müssen.“

Auch Inge Litschke, in den 50er Jahren die einzige Frau auf Lohberg, stimmt es traurig, dass eine Ära zu Ende geht. „Das setzt mir schon sehr zu“, gesteht sie. Bereits ihr Großvater habe in Schlesien beim Bergbau gearbeitet, zog dann mit seiner Familie zuerst nach Moers und schließlich nach Lohberg. Auch der Vater arbeitete auf Lohberg und schließlich von 1950 bis 1956 Inge Litschke selber – als Sekretärin des damaligen Bergwerksdirektors Hoffmann.

Bis 1960 habe sie noch Urlaubsvertretungen gemacht, studierte schließlich und setzte mit dem Buch „Im Schatten der Fördertürme“ dem Bergbau ein Denkmal. Nach dem Zweiten Weltkrieg, erzählt sie, sei die Kohleförderung der Motor für den Wiederaufbau gewesen, die Eisen- und Stahlindustrie wäre ohne die Kohle nicht groß geworden. Doch die wirtschaftlichen und die Umweltbedingungen machten einen Ausstieg notwendig.

Das sieht Gerd Hardacker, langjähriger Kumpel auf Lohberg, ähnlich. „Ich fühle mit den Kumpeln, doch weh tut es nicht mehr so. Ich bin seit 20 Jahren in Rente und die Zeit des Steinkohlenendes war absehbar.“ Als Lohberg schloss habe er allerdings geweint. „Jeder hat eben halt seine Lieblingszeche und die war Lohberg. Meine Kumpels habe ich öfters gesehen als meine Frau, das verbindet.“

Roland Ernst ist erst seit sechs Jahren raus aus dem Bergbau. Der 61-Jährige hat unter anderem auch auf Prosper-Haniel gearbeitet, über Tage allerdings.

„Es tut schon weh“, sagt er, „es fehlt irgendetwas. Ich bin froh, dass ich noch meinen Kindern die Arbeit unter Tage zeigen konnte. Die Enkel werden das nicht mehr erleben. Aber die Umwelt ändert sich, die Zeit für einen Ausstieg ist jetzt gekommen. Das muss man akzeptieren.“

(big)
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