Klassik in der Tiefgarage der Stadtbibliothek Dinslaken

Zwei ausverkaufte Konzerte : Musik, die bewegt und beflügelt

Bernhard Bücker (Flügel) und Annemieke Schwarzenegger (Violoncello) traten bei der Klassik in der Tiefgarage mit Verstärkung auf. Johannes Pieper (Klarinette) begleitete sie.

Klassik in der Tiefgarage – alle Jahre wieder? Nicht ganz galt dies an diesem Wochenende. Zwar parkte der Flügel wie in jedem Jahr in der Parknische zwischen den Stützpfeilern unter der Stadtbibliothek, und die Kerzen verbreiteten zwischen den Betonwänden und Rohrsystemen Behaglichkeit. Zwar waren beide Konzerte wieder im Vorfeld ausverkauft. Und natürlich traten Bernhard Bücker (Flügel) und Annemieke Schwarzenegger (Violoncello) auf.

Aber dieses Mal agierten sie – bis auf das ergreifende „Prayer“ aus dem „Jewish Diary“ von Ernest Bloch – in einer Triobesetzung. Und zusammen mit Johannes Pieper (Klarinette) boten sie dem Publikum sogar noch eine Erstaufführung: Adolf Müntens Bearbeitung von Guiseppe Verdis „Macht des Schicksals“.

Der Düsseldorfer Klarinettist, bei dem Johannes Pieper als Jungstudent lernte, war anwesend und erklärte, was es mit der Bearbeitung des Opernstoffs auf sich hat: „Das Klarinettensolo im dritten Akt begleitetet die Klarinettisten während ihres ganzen Studiums – aber dann können sie es meist nur noch alleine zu Hause spielen, da die Oper kaum aufgeführt wird.“

So entstand die Idee für ein Kammermusikstück, in dem die Ouvertüre die Grundlage für den ersten Satz bildet, das Klarinettensolo und die anschließende Tenorarie – in der Tiefgarage gespielt von Annemieke Schwarzenegger – den zweiten Satz, und die Arie der Leonore „Pace, pace“. Natürlich wird steht die Klarinette im Mittelpunkt und Johannes Pieper hatte alle Gelegenheit, sein Können unter Beweis zu stellen.

Nuanciert im Ton und perfekt aufeinander eingespielt präsentierte sich das Trio bereits im ersten Teil des Programms. Die vier einsätzigen Sonaten von Carl Philipp Emanuel Bach, dem wichtigsten Vertreter des „empfindsamen“, sprich eleganten, aber erstmals mit Stimmungswechseln innerhalb eines Satzes spielenden Stils der Vorklassik, waren so angeordnet, dass sie eine viersätzige Symphonie samt langsamem Satz und Scherzo bildeten.

Seiner Zeit voraus war auch der junge Ludwig van Beethoven. Als „einfach himmlisch“ beschrieb Bernhard Bücker den zweiten Satz des Trios B-Dur,op. 11.

Das einschmeichelnde Thema hätte in späteren Zeiten die Melodie eines langsamen Walzers werden können. Beethoven umspielt es so kunstvoll wie das Thema des folgenden Variationssatzes, der dem Werk seinen Beinamen gab: „Gassenhauer-Trio“. Die populäre Arie von Joseph Weigl kann man pfeifen. Doch dann variiert Beethoven das gewählte Thema und schickt sein Publikum durch ein wahres Wechselbad der Gefühle. Heiter und traurig, leidenschaftlich, kämpferisch und humoristisch bis zur Parodie: Beethoven macht Spaß, und das auf dem höchsten Niveau.

Lang anhaltender Applaus am Ende eines anregenden Klassikabends, den das Trio mit der Wiederholung des langsamen Beethoven-Satzes ausklingen ließ.

(bes)
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