Kirchen in Spellen und Friedrichsfeld laden Bedürftige zum Essen ein

Bis zu 60 Besucher : Den Tisch decken für Bedürftige

Einmal im Monat laden die katholischen und evangelischen Kirchengemeinden in Spellen und Friedrichsfeld Besucher zum Essen ins Maximilian-Kolbe-Haus ein.

Wenn man einen Blick in den Saal des Maximilian-Kolbe-Hauses wirft, könnte man meinen, hier wäre gerade das Treffen irgendeiner größeren Gruppe der Kirchengemeinde im Gange. An den Tischen sitzen Menschen, oft lebhaft in Gespräche vertieft: Man sieht junge Männer, Mütter mit ihren Kindern, hier und da junge Familien und dazwischen etwas ältere Menschen, die zusammensitzen, etwas essen und sich unterhalten. Sie haben alle etwas gemeinsam: Sie sind Besucher des Gedeckten Tischs der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden in Spellen und Friedrichsfeld, der seit elf Jahren bedürftige Menschen vor Ort mit gespendeten Lebensmitteln versorgt.

„Der Grundgedanke war, den Menschen eine warme Mahlzeit zu bieten und Gelegenheit zu Gesprächen“, erzählt Renate Beier, eine der gut 30 Helferinnen und Helfer, die sich beim gedeckten Tisch engagieren. Einmal im Monat laden sie bedürftige Menschen zu einer warmen Mahlzeit ein. Im Anschluss daran dürfen sich die Besucher Lebensmittel mit nach Hause nehmen. „Wir versuchen, die Waren gleichmäßig in Tüten aufzuteilen“, erklärt Heidi Bosserhoff, eine der ehrenamtlichen Helferinnen. „Dabei geben wir nur Sachen raus, die wir auch noch selbst essen würden.“ Hier und da werden auch mal gespendete Lebensmittel aussortiert.

Als die Tafel startete, kamen ein halbes Dutzend Menschen, um das Angebot zu nutzen. „Das hat sich mit der Zeit immer weiter gesteigert und irgendwann hatten wir mehr als 100 Besucher hier“, erzählt Renate Beier. Die Menschen kamen aus den Nachbarstädten, teilweise aus dem Ruhrgebiet nach Friedrichsfeld. Man reagierte, indem man den Wohnort der Gäste kontrollierte. Seitdem ist das Angebot nur noch für Menschen aus Voerde frei. Doch noch immer kommen jeden Monat zwischen 50 und 60 Frauen und Männer zum Gedeckten Tisch. „Wir haben einige Stammgäste, die auch schon von Anfang an kommen“, erzählt Renate Beier. Mittlerweile seien es aber auch vermehrt junge Menschen, die das Angebot wahrnehmen.

Es finden sich an den Tischen im Maximilian-Kolbe-Haus Witwen, die nur eine geringe Rente bekommen, alleinerziehende Mütter, die versuchen ihre Kinder zu ernähren, Flüchtlinge, die nach Deutschland gekommen sind, um hier ein besseres Leben zu finden. Hinter jedem Besucher steht ein Schicksal. Trotzdem wirken die Menschen zufrieden – zumindest für den Augenblick. Und sie freuen sich, selbst über vermeintlich kleine Dinge wie den besonderen Nachtisch, der in den Saal gefahren wird.

Die ehrenamtlichen Helfer verteilen Teller mit Tortenstücken und Gebäck. „Das sind Torten von der Abschlussprüfung der Bäckereifachverkäuferinnen“, erzählt Helferin Erika Kellner.

Die Besucher werden nach dem Essen jeweils zu zweit zur Ausgabe der Lebensmittel gerufen. Sie bekommen jeweils eine Tüte mit gespendeten Lebensmitteln für sich oder ihre Familie und dürfen sich zusätzlich Dinge aussuchen. „Auch wenn wir genug Lebensmittel haben, sind wir dankbar für jede Spende, die wir bekommen“, sagt Heidi Bosserhoff.