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Kirchen in der Corona-Krise: Priester in Schutzkleidung zu Kranken

Harte Einschnitte in den Kirchengemeinden in der Corona-Krise : Priester in Schutzkleidung zu Kranken

Taufen absagen, Beerdigungen mit höchstens 20 Trauernden durchführen, Krankenbesuche in Schutzkleidung, Ostergottesdienste ohne Menschen: Geistliche müssen harte Einschnitte umsetzen. Eine nie dagewesene Lage.

Bei der Einkehr müssen Gläubige allein bleiben. Die Pfarrer feiern täglich die heilige Messe in verwaisten Kirchen, ohne Gläubige. Schon jetzt ist klar: Auch zu Ostern wird das so sein. Taufen und Trauungen sollen verschoben werden oder – wie auch Beerdigungen – nur noch mit maximal 20 Gästen stattfinden. Was aus den Terminen für Erstkommunion und Firmungen wird, weiß heute noch niemand. Und sollten Krankensalbung oder Kommunion einem Covid-19-Patienten gespendet werden, so ginge das nur im Krankenhaus, und der Geistliche wäre dabei in voller Schutzmontur. Das ist der Stand von Dienstag, weitere Einschränkungen sind denkbar.

Am Sonntag hat Pastor Thomas Berger von der katholischen St.-Vincentius-Gemeinde in Dinslaken noch in Eppinghoven die heilige Messe gefeiert. Am Ende sagte er den Gläubigen, dass es wohl das vorerst letzte Mal sein würde. „Und da haben einige Leute geweint“, sagt er. „Weil denen bewusst wurde, dass ihnen das Halt gibt.“

Die Einschränkungen, die die Gemeinde St. Vincentius gerade verkündet hat, beruhen auf Vorgaben des Bistums, und diese wiederum auf staatlichen Regelungen. Die Corona-Pandemie und die Maßnahmen zu ihrer Eindämmung stellen die kirchlichen Gemeinschaften vor ungekannte Herausforderungen. „Das überrennt uns im Moment alles“, sagt Pastor Berger.

Der leitende Pfarrer der Gemeinde, Barthel Kalscheur, hat in einem ausführlichen Schreiben dargelegt, was jetzt gilt. Alle öffentlichen Gottesdienste – also Eucharistiefeiern, Vespern, Andachten, Bußgottesdienste und so weiter – unterbleiben. „Die Erstkommunion- und Firmfeiern liegen planmäßig erst im Mai und Juni. Ob sie gefeiert werden können, kann jetzt noch niemand sagen“, führt er aus. „Pastor Thomas Berger und Mareike Schraut als Verantwortliche für die Firmvorbereitung und das Ehepaar Roth und Pastor Werner Laslop als Verantwortliche für die Kommunionvorbereitung werden sich direkt an die betroffenen Familien wenden, sobald es neue beziehungsweise gesicherte Erkenntnisse gibt.“

Die Priester feiern die Heilige Messe allein und praktisch „stellvertretend“ für die Gläubigen, ohne Ministranten. „Sie tun dies, weil die Feier der Eucharistie der unvertretbare Auftrag der Kirche ist“, heißt es in Kalscheurs Schreiben. „Die Priester bringen die Sorgen der Menschen, ihre Intentionen und Gebetsanliegen, vor Gott und sind ihnen auch in dieser Krise geistlich nahe.“

All das läuft dem zuwider, was die Kirche den Menschen eigentlich bietet. „Man sagt eigentlich, Not lehrt beten“, erklärt Pastor Thomas Berger. Wenn Menschen verunsichert sind, dann suchen sie Halt im Glauben, in seinen Institutionen und beieinander: „Dann werden die Kirchen voller.“ Und genau das muss die Kirche selbst jetzt unterbinden. „Wir dürfen keine Gemeinschaft herstellen“, sagt Thomas Berger. „Das ist unser großes Dilemma.“ Und vielen wird etwas genommen, was sie am meisten tröstet. „Man soll nicht verkennen, dass viele den Empfang der Kommunion als ganz essenziell für sich betrachten.“

Es darf aber jeder für sich in den Gotteshäusern beten. Die Kirchen St. Vincentius, St. Johannes und Heilig Geist sind als „Orte des persönlichen Gebetes“ tagsüber von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Für die Heilig-Geist-Kirche ist das eine Neuerung, sie wäre normalerweise geschlossen. Aber man will den Gläubigen offene Türen in Hiesfeld bieten. In den Kirchen werden Gebetstexte ausgelegt, die auf die Situation abzielen.

Die Seelsorger können alte und kranke Menschen außerdem weiterhin auf deren Wunsch zu Hause besuchen, gegebenenfalls mit der Heiligen Kommunion, aber nur, sofern keine Corona-Erkrankung vorliegt, betont die Gemeinde. In Krankenhäusern dürfen Priester „auf ausdrücklichen Wunsch und nach Absprache mit den Verantwortlichen im Haus einem am Coronavirus erkrankten Patienten die Kommunion in entsprechender Schutzkleidung reichen“.

Die Verantwortlichen in der Gemeinde St. Vincentius beraten jetzt laufend, wie sie mit der Situation umgehen können. Per Mail, Telefon oder Textmessenger, denn zusammenkommen dürfen auch sie nicht.

Auch die Voerder Gemeinde St. Peter und Paul muss mit den Einschränkungen zurechtkommen. Auch sie bringt den Gläubigen nahe, dass es keine Veranstaltungen mehr geben darf, „auch keine kleinen Treffen“, dass sie Taufen und Trauungen verschieben sollten, dass sie zum persönlichen Gebet in die Kirchen kommen können. „Die Seelsorgerinnen und Seelsorger bemühen sich, für seelsorgliche Gespräche gut erreichbar zu sein“, versichert die Gemeinde: „Sie können auch im Pfarrbüro um einen Rückruf bitten.“

Man versuche außerdem, über die Homepage der Pfarrei einige „geistliche Impulse“ bereitzustellen. Und man mache sich weiterhin Gedanken, „wie die Gemeinden und Gläubigen in dieser Ausnahmesituation begleitet werden können“. In den Pfarr- und Gemeindebüros wird gearbeitet. Doch die Gemeinde bittet die Menschen ausdrücklich darum, von persönlichen Besuchen abzusehen. „Fast alle Dinge können auch per Telefon beziehungsweise E-Mail geregelt werden.“