Kinderschutzbund und Awo bieten in Dinslaken Präventionsseminare an

Vertrauen ist wichtig : Wie Kinder stark und selbstbewusst werden

Prävention gegen Gewalt: Eltern müssen lernen, genau hinzusehen.

Es ist ein sensibles Thema: Gewalt und Übergriffe gegen Kinder. Sie können inner- und außerhalb der Familie vorkommen, von Erwachsenen, wie von Gleichaltrigen ausgehen. Umso wichtiger die Frage, wie man Kinder wirkungsvoll gegen Übergriffe jeglicher Art schützen kann.

„Ganz wichtig ist, Kinder ernstzunehmen, ihnen Glauben zu schenken. Eltern müssen das schon im Kleinen klar machen, ihren Kindern nichts aufzwingen“, sagt Benjamin Walch vom Awo-Kreisverband Wesel. „Kinder müssen von Anfang an ein Selbstbewusstsein entwickeln.“ Dafür müssen Eltern auch auf ihre Kinder hören: Sie sollten es erstnehmen, wenn ihren Kindern etwas nicht richtig erscheint, empfiehlt Walch. „Ich würde mir wünschen, dass Kinder generell ernster genommen werden.“ Es gelte, sie von klein auf stark zu machen, ihr Gruppengefühl zu stärken und ihnen mitzugeben, aufeinander zu achten. Kindern sollte bereits im Elternhaus vermittelt werden, „dass die eigenen Bedürfnisse zählen.“

So sieht es auch Volker Grans vom Kinderschutzbund Dinslaken, der Präventionsseminare für Eltern wie für Kinder anbietet. Denn für starke Kinder brauche es auch starke Eltern, „die wissen, wie sie Konflikte ohne Gewalt austragen können“, sagt Grans. Vertrauenspersonen an Schulen oder Schutzeinrichtungen sind dabei ein oft ein Schüssel, um überhaupt von Gewalt gegen Kinder zu erfahren und dagegen vorzugehen, weiß Rainer Latuske. Der Schulsozialarbeiter für den Kinderschutzbund Dinslaken betreut seit Jahren Fälle, in denen Kinder und Jugendliche von Gewalt im Elternhaus oder in der Schule betroffen sind. Zwar sei die Öffentlichkeit inzwischen sensibler für Themen wie Misshandlung und Missbrauch von Kindern, sagt Benjamin Walch. Doch der Umgang damit sei von Betreuungseinrichtung zu Betreuungseinrichtung unterschiedlich.

„Oft kommt das Thema erst richtig auf, wenn schon etwas vorgefallen ist.“ Es müsse mehr im Vorfeld getan werden. Dazu gehöre auch, Kindern den Unterschied zwischen „guten und schlechten Geheimnissen“ zu vermitteln. Und, dass sie sich jederzeit Vertrauenspersonen mitteilen können. Das sei gerade beim Thema sexueller Missbrauch essenziell. Auch für die Enttabuisierung der kindlichen Sexualität, die nichts mit der erwachsenen zu tun habe, spricht sich Walch aus. Sonst wüssten Kinder auch nicht, was Richtig und was Falsch ist.

Um ihre Kinder vor Übergriffen zu schützen, können Eltern auch Tipps für konkrete Gefahrensituationen vermitteln, sagt Walch: „Kinder und Jugendliche sollten sich nicht von Fremden ansprechen lassen, sich im Ernstfall laut und selbstbewusst wehren, etwa schreien und wegrennen. Und klar sagen, wenn sie etwas nicht wollen.“

Genauso notwendig, um Kinder zu schützen: Dass Erwachsene genau hinsehen. Bei Verdacht auf Misshandlung oder Missbrauch dürften Eltern, Angehörige, Nachbarn oder Freunde nicht wegsehen, sondern müssen die entsprechenden Stellen alarmieren, etwa an das Jugendamt oder die Polizei.

Denn, daran erinnern Kinderschutzbund wie Arbeiterwohlfahrt: „Kinder haben per Gesetz das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung.“

(mh)
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