Dinslaken: "Keine rosige Zukunft" für Sekundarschule

Dinslaken : "Keine rosige Zukunft" für Sekundarschule

Bezirksregierung spricht von Warnschuss, Verwaltung will beobachten.

Das am Donnerstag öffentlich gewordene Schreiben der Bezirksregierung Düsseldorf zur Schulentwicklungsplanung (die RPberichtete), sorgt für Wirbel. Hintergrund des Briefes ist, dass zum kommenden Schuljahr an der Friedrich-Althoff-Schule (FAS) aktuell 42 Schüler angemeldet worden sind. 60 müssten es jedoch sein, damit die geforderte Dreizügigkeit erreicht wird. Eine Ausnahmegenehmigung, so die Bezirksregierung in dem Schreiben, werde nicht erteilt. Zudem erwarte die Behörde bis Ende November dieses Jahres einen Vorschlag zur Gestaltung der Schullandschaft.

"Ich bin schon seit Bekanntgabe der Anmeldezahlen für das kommende Schuljahr in Sorge", sagt Sekundarschulleiter Silvio Husung. Auch die Rückkehr zum Gymnasialabschluss nach neun Jahren ab dem Schuljahr 2019/20 werde das Problem weiter verschärfen, da dann wieder mehr Eltern ihre Kinder am Gymnasium anmelden würden, schätzt er. Für die Sekundarschule in Dinslaken sieht Husung keine rosige Zukunft: "Ich denke nach momentanem Stand nicht, dass die Friedrich-Althoff-Schule zum nächsten Jahr noch am Anmeldeverfahren teilnimmt." Der Schulleiter erwartet - wie auch die Bezirksregierung - eine Entscheidung bis November. "Das Stillhalten der Politik ist mehr als ärgerlich, irgendwas muss gemacht und entschieden werden, aber eine dauerhafte Lösung ist über Jahre keiner angegangen."

"Wir Eltern haben ein Stück weit resigniert - es tut sich ja nichts", sagt Isabell Hochstrat, Erste Vorsitzende des Fördervereins der FAS. "Wir glauben nach wie vor, dass Dinslaken die Sekundarschule braucht: Wohin sollen die ganzen Kinder denn sonst?" Hochstrat wünscht sich eine gesamtschulpolitische Lösung, die ein ausgeglicheneres Verhältnis zwischen den Schulen mit und ohne Erprobungsstufe enthält.

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"Wir werden die Gesamtsituation sorgfältig beobachten. Die Dinslakener Schulpolitik haben wir informiert. Wir fordern außerdem vom Land rasche Klarheit beim Schulgesetz und in der Schulpolitik", sagt Stadtsprecher Marcel Sturm.

"Das Schreiben war ein Warnschuss, ebenso wie die Frist bis Ende November", sagt Jessica Eisenmann, Pressesprecherin der Bezirksregierung Düsseldorf. "Wir sehen dringenden Handlungsbedarf bezüglich der Schullandschaft in Dinslaken."

Die Bezirksregierung fordere von der Stadt einen konkreten Vorschlag. Dieser solle darstellen, wie die Stadt Dinslaken sich die zukünftige Schullandschaft vorstelle, erklärt Eisenmann. Sie weist darauf hin, dass die Bezirksregierung offen für jeden Vorschlag sei: "Wir zwingen dem Schulträger keine Lösung auf."Eine der vier Varianten, die ein von der Stadt beauftragter Gutachter vorgeschlagen hatte, sei ebenso möglich wie andere Varianten.

Die Linke fordert Verwaltung und Politik auf, zu handeln statt nur zu beobachten. "Die Eltern und Schüler der Sekundarschule werden seit Jahren weiter hingehalten und verunsichert, weil die Stadtverwaltung und die beiden großen Fraktionen nicht willens und bereit sind, den Fehler zur Errichtung einer Sekundarschule einzugestehen. Sie starren wie das Kaninchen auf die Schlange und werden bei der angedrohten Schließung dann den schwarzen Peter der Bezirksregierung zuschieben", schreibt Fraktionsgeschäftsführer Detlef Fugh.

Malte Kemmerling von der Bewegung für Nachhaltige Politik (BNP) spricht von einem "abgrundtiefen schulpolitischen Versagen von SPD und CDU". Und das, so schätzt er, "wohl in erster Linie aus Angst vor den Hiesfelder Wählerinnen und Wählern". Deshalb freue er sich nun, "dass die Bezirksregierung Politik und Verwaltung die Quittung für ihr Verhalten schwarz auf weiß unter die Nase gerieben hat. Es werde nun also doch noch in diesem Jahr eine schulpolitische Entscheidung zur Entwicklung der Schullandschaft geben müssen."

(akw)
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