Karpatendeutsche treffen sich in Voerde

Traditionelle Tänze und Traubenreißen : Krickerhauer feiern Weinlese mit Tanz und Musik

Zum Weinlesefest der Krickerhauer in Voerde, das gleichzeitig auch das Landestreffen der Karpatendeutschen in Nordrhein-Westfalen war, kamen zahlreiche Besucher ins Gasthaus Möllen

Der Saal im Gasthaus Möllen ist gut gefüllt. Fast 200 Gäste sind nach Voerde angereist, um am Landestreffen der Karpatendeutschen Landsmannschaft und dem Weinlesefest der Voerder Krickerhauer teilzunehmen. „Hier kommen alle Karpatendeutschen aus dem ganzen Land Nordrhein-Westfalen zusammen“, erklärt Walter Wagner, Vorsitzender der Landsmannschaft. Die meisten Gäste kommen allerdings aus der Region, denn die drei Kreisverbände des Landesverbandes bestehen in Oberhausen, Walsum und Voerde. „Schon in der alten Heimat haben viele der Menschen im Bergbau gearbeitet und haben sich hier an Orten angesiedelt, wo es auch Bergbau gab“, erklärt Walter Wagner weiter. Allerdings sind nicht nur Gäste aus der Umgebung vertreten. Einige sind auch aus Bayern, Thüringen oder von noch weiter her angereist. „Wir haben sogar einige Gäste aus Griechenland hier, die sich dort angesiedelt haben“, erklärt Andreas Grolmuss vom Kreisverband Voerde der Karpatendeutschen Landsmannschaft, der sich um die Organisation des Festes kümmert.

Dabei hat das Weinlesefest der Krickerhauer in Voerde Tradition. Bereits 1949, kurz nachdem die ersten Krickerhauer in Voerde ankamen, fand das erste Weinlesefest statt und ist seither Anziehungspunkt – auch über die Grenzen Voerdes hinaus. „Bis in die 1980er gab es einen großen Umzug zum Weinlesefest in Voerde“, erzählt Alexander Grolmuss. Angeführt von einer Kutsche zog man von der Alexanderschule mit verschiedenen Tanz- und Musikgruppen zum Festzelt, in dem das eigentliche Weinlesefest stattfand. Den Umzug gibt es mittlerweile nicht mehr. Stattdessen einen feierlichen Einzug in Trachtenkleidung in den Festsaal des Gasthauses. Auf der Bühne tanzt die Krickerhauer Tanzgruppe zu Melodien von Liedern aus der alten Heimat, deren Texte die Gäste im Saal teilweise lautstark mitsingen und den Takt mitklatschen.

Die Krickerhauer Tanzgruppe unterhielt die Gäste im Saal. Foto: Foto: Johann Ridder / FUNKE Foto Services/Johann_Ridder

Geblieben ist auch an neuer Stelle das „Traubenreißen“. „Das ist eine Tradition, die man in Krickerhau zu den Weinlesefesten eingeführt hat“, erklärt Alexander Grolmuss. Vor der Bühne des Saales hängen verschieden Früchte und Gemüse an Schnüren herab. „Sobald der Tanz eröffnet wird, dürfen die Gäste versuchen, die abzureißen“, erklärt Alexander Grolmuss. „Wenn sie dabei allerdings erwischt werden, werden sie bestraft“, erzählt er weiter. Meistens ist das eine Geldstrafe, die der Vereinskasse zu Gute kommt. „Das ist alles eine einzige Gaudi“, erklärt Grolmuss. Und dafür sind die Gäste zum Fest in Voerde gekommen: Um Spaß zu haben, andere Menschen wiederzutreffen und die Tradition zu pflegen.

(fla)
Mehr von RP ONLINE