Karina Hubrich ist gestorben - Künstlerin aus Dinslaken starb mit 55 Jahren

Künstlerin aus Dinslaken : Karina Hubrich ist tot

Sie war eine Meisterin der dunklen Töne und liebte das Licht. Jetzt ist Karina Hubrich im Alter von 55 Jahren gestorben. Dinslaken hat eine große Künstlerin verloren.

Sie badete in Schwarz, explodierte in Rot, bis dem Betrachter von flammender Leinwand pure Energie entgegenschlug und goss Weiß aus, bis die Schatten leuchteten. Mit Pinsel und Tuschefeder, Messer, Spachtel und Beitel hauchte sie ihren Figuren Leben ein, entlockte geschlossenen Mündern stumme Schreie und trübte die starren, der Wirklichkeit entrückten Blicke ihrer Geschöpfe mit jenem matten Glanz von Traurigkeit, der sie für den Betrachter so unnahbar machte.

Karina Hubrich brach Sehgewohnheiten auf. Leidenschaftlich, unnachgiebig, mit expressivem Strich und wilden, gestischen Hieben bearbeitete sie ihre Bilder. Sie zeigte den Menschen als leidendes Wesen mit blutender Seele, eingesperrt in seinen eigenen Gedankenkäfig. Interpretieren war nie Sache der 1963 im polnischen Chorzow geborenen Künstlerin, die behauptete, aus dem Bauch zu malen, weil ihr sonst der Kopf platze. Sie ließ die Menschen gern mit ihrer Kunst allein, erwartete aber zugleich, dass der oft ratlos vor diesen kraftstrotzenden Ecce-Homo-Bildern verharrende Betrachter in ihre Kunst hineinhorchte und genau hinschaute, um zu erkennen, worum es hier eigentlich ging.

In den 80er Jahren besuchte Karina Hubrich die Kunstakademie in Krakau, später die Kunstakademie Düsseldorf. Markus Lüpertz, damaliger Leiter, ernannte sie 1991 auf Vorschlag von Professor Eggenschwiller zur Meisterschülerin. Ihre Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet und waren rund um den Globus zu sehen. In Einzel- und Gruppenausstellungen unter anderem in Paris, Venedig, Kairo, dem Vatikan, auf Mauritius, in Malaysia, China, Kanada, Schweden, Portugal und Belgien. Ihre Bilder hängen in öffentlichen Museen in Deutschland, Frankreich, Ägypten und China.

Ihre 100. Ausstellung zeigte Karina Hubrich 2003 in Dinslaken. Die Kunstschau im Museum Voswinckelshof trug den Titel „Schattenleuchten“ und vereinte 47 Bilder auf Leinwand, Holz und Papier, großformatige Leinwände ebenso wie meisterliche Miniaturen. Die damalige Bürgermeisterin Sabine Weiss bezeichnete Hubrich als große Bereicherung für das kulturelle Leben in dieser Stadt. Dass sich die Künstlerin für ihre Jubiläumsausstellung Dinslaken ausgesucht habe, deutete Weiss als Ausdruck von Wertschätzung und Verbundenheit mit ihrer Wahlheimat. Matthias Höyng, der die Eröffnungsrede hielt, sprach der Künstlerin gar Bärenkräfte zu. Und drückte unverhohlene Bewunderung für die „große kleine Karina“ aus, die so kraftvolle, einzigartige Kunst schaffte.

Karina Hubrich freute sich über die Anerkennung. Auf Dauer aber genügte ihr das nicht. Sie wollte mehr. Sie malte Altarbilder, schlug mit dem Beitel Akte aus Holz, zeichnete feingliedrige Körper auf Edelstahl, schuf Skulpturen aus Bronze und Holz, stieß neue Türen auf und lotete immer neue Räume aus. International feierte sie Erfolge. Dass die Stadt, in der sie lebte und arbeitete, sie über all die Jahre kaum beachtete und die Wertschätzung versagte, die einer Künstlerin ihres Formats zugestanden hätte, enttäuschte sie. Wenn Ehemann Ralf Küster und Tochter Maika nun darüber nachdenken, ihre Kunst im Rahmen einer großen Werkschau in Dinslaken und den beiden Partnerstädten Agen und Arad auszustellen, ist dies nur konsequent.

Karina Hubrich hätte es gefallen, ihre Bilder in der Wüste Israels und am Ufer der Garonne und des Rotbachs leuchten zu sehen. „Gute Idee, machen wir“, hätte sie gesagt, ein Glas Weißwein getrunken, eine Zigarette geraucht und einen Song von Leonard Cohen aufgelegt, dessen Musik sie so liebte. Und dann wäre sie in ihr Atelier gegangen, um zu arbeiten.

Karina Hubrich brannte für die Kunst. Im November 2012 ist diese Flamme erloschen. Die Künstlerin fiel ins Wachkoma. Vor einer Woche, am 20. August, ist sie in Dinslaken gestorben. Durch ihre Bilder wird sie weiter zu uns sprechen.

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