Dinslaken: Kammermusik mit virtuosem Pianisten

Dinslaken : Kammermusik mit virtuosem Pianisten

Beim Sinfoniekonzert des Dinslakener Kammerorchesters begeisterte der junge Solist Aris Alexander Blettenberg.

Als der Solist die Bühne der Kathrin-Türks-Halle betritt, wird im Publikum leise getuschelt. Jung sieht er aus, der Pianist, der am Flügel vor den Musikern des Dinslakener Kammerorchester Platz nimmt. Kein Wunder. Denn das Geburtsjahr von Aris Alexander Blettenberg ist 1994. Sollte die Jugend des Solisten bei einigen Zuschauern für Skepsis gesorgt haben, dürfte diese spätestens nach den ersten Tönen verschwunden sein, die der junge Pianist auf seinem Instrument erklingen lässt.

Beethovens "Klavierkonzert Nr.1 in C-Dur" gibt dem jungen Musiker die nötige Freiheit, um sein Talent unter Beweis zu stellen. An einigen Stellen fliegen seine Finger förmlich über die Tasten des Instruments. Dazu kommen perfekt gedoppelte Melodielinien, aber auch die einfühlsame Bearbeitung seines Instruments. Die Zuschauer: begeistert. Lange spenden sie dem jungen Pianisten Applaus, fordern nach einer Zugabe. "Wenn sie unbedingt wollen, spiele ich noch ein kleines Stück", sagt Aris Alexander Blettenberg und setzt sich noch einmal an sein Instrument. Als Zugabe spielt der Jungpianist die Arie aus Bachs "Goldberg-Variationen". Eine gefühlvolle Interpretation des Stückes, die mit Applaus belohnt wird.

Doch auch ohne den jungen Solisten am Flügel macht das Dinslakener Kammerorchester bei seinem Auftritt in der Kathrin-Türks-Halle eine gute Figur. "Wiener Klassik" lautet der Programmtitel und dementsprechend gibt es neben dem Klavierkonzert auch noch die "Ouvertüre zum Trauerspiel Coriolan" aus Beethovens Feder zu hören. Relativ düstere Klänge und abrupte Pausen sorgen für eine besondere Stimmung in der Kathrin-Türks-Halle. Orchesterleiter Sebastian Rakow dirigiert seine Musiker mit ganzem Körpereinsatz erst durch die finsteren Tonpassagen und dann durch träumerische Töne.

Mit der "Sinfonie Nr. 103 in Es Dur" haben die Musiker des Kammerorchesters dann noch ein weiteres Musikstück im Gepäck. Nach Auftakt mit einem Paukenwirbel, dem die Sinfonie ihren Beinamen verdankt, gefolgt von einem düsteren Adagio, gehen die Orchestermusiker bei diesem Stück in die Vollen. Die beiden Allegro-Sätze am Anfang und Ende des Stückes bieten alles, was man sich als Zuhörer von einem Orchester wünschen kann: Tempo, Dynamik und einen tollen Klang.

"Wer uns kennt, der weiß, wir sind nicht ganz unvorbereitet auf Zugabeforderungen", sagt Orchesterleiter Sebastian Rakow, als er nach dem langanhaltenden Applaus des Publikums noch einmal das Wort ergreift. "Wir spielen jetzt etwas, das sie vermutlich kennen, auch wenn sie nicht wissen, wer es komponiert hat", kündigt er an. Es folgt das Menuett aus dem Quintett Opus 11 Nr. 5 des italienischen Komponisten Luigi Boccherini. Eine Melodie, die das Publikum tatsächlich zum Großteil sofort erkennt.

(fla)
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