Voerde: Joachim Gauck liest in Voerde

Voerde : Joachim Gauck liest in Voerde

Am 30. Juni wird ein neuer Bundespräsident gewählt. Gauck ist der Kandidat von SPD und Grünen. Am 12. Juli wird der Bürgerrechtler seine Memoiren in einer Festhalle vorstellen. Auch als Präsident will er den Termin einhalten.

Es war auf einer Tagung über Schiller und die Freiheit, vor fünf Jahren, als Ulrike Haibach-Daniel mit dem Bürgerrechtler Joachim Gauck beim Frühstück ins Gespräch kam. Die Voerder Buchhändlerin erinnert sich: "Ich sagte ihm, er müsse unbedingt seine Autobiografie schreiben und dann zu uns kommen zu einer Lesung. Er sagte, er habe vor, ein Buch zu schreiben." Nun kommt Gauck, inzwischen Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten, tatsächlich nach Voerde, um dort am 12. Juli seine Erinnerungen mit dem Titel "Winter im Sommer – Frühling im Herbst" vorzustellen.

Ein Vorbild

Über den Menschen Gauck sagt Ulrike Haibach-Daniel: "Er ist ein Beispiel dafür, dass man auch vorankommt, wenn man gerade durchs Leben geht. In Deutschland gibt es nicht so viele Leute, die wie er als Vorbild taugen." Über den Autor: "Ihm ist ein gleichermaßen politisches wie emotional berührendes Buch gelungen, in dem er in klaren Bildern die traumatisierende Erfahrung der Unfreiheit und das beglückende Erlebnis der Freiheit nachzeichnet und den schwierigen Übergang von erzwungener Ohnmacht zu einem selbstbestimmten Leben beschreibt."

Joachim Gauck wurde am 24. Januar 1940 in Rostock geboren und verlebte seine Kindheit in einem Dorf an der Ostseeküste. Später studierte er Theologie in Rostock und fand seinen Weg in die evangelische Kirche in Mecklenburg. Er war führendes Mitglied des Neuen Forums in Rostock zur Zeit der friedlichen Revolution in der DDR. Schließlich wurde er zu einer Symbolfigur im Umbruch von 1989. Nach dem Mauerfall zog Gauck als Abgeordneter in das erste freie Parlament der DDR ein. Von 1990 bis 2000 wurde er zum ersten Bundesbeauftragten für die Unterlagen der Staatssicherheit. Der Kampf gegen das Vergessen und Verdrängen blieb als Redner und Kommentator sein großes Thema.

Erinnerungen an die DDR

Zu seinem 70. Geburtstag hat Joachim Gauck seine Erinnerungen aufgeschrieben: an die Kindheit und Jugend in Mecklenburg und an der Ostsee; an die Angst um den Vater, der 1951 als angeblicher Spion nach Sibirien deportiert wird; an Studium, Familiengründung, den politisch statischen Zustand der DDR; an den Umbruch und die Arbeit der "Gauck-Behörde".

Falls Joachim Gauck am 30. Juni zum Bundespräsidenten gewählt wird, will er den Termin in Voerde nach Möglichkeit einhalten; nur außerordentliche Umstände in Verbindung mit dem höchsten Staatsamt könnten ihn davon abhalten. Das hat er der Buchhändlerin Ulrike Haibach-Daniel zugesagt. Sie hat als Veranstaltungsort die Festhalle an der Ullrichstraße in Friedrichsfeld vorgesehen und rechnet mit 500 Besuchern.

(RP)
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