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Jecke Weiber stürmen das Rathaus in Dinslaken

Alle Gegenwehr war zwecklos : Die Möhnen haben die Stadt im Griff

Der Bürgermeister kapitulierte

Bürgermeister Michael Heidinger hatte sich am Burgtor verschanzt und sah es mit Grausen: Am unteren Ende des Weges hoch zur Burg, getrennt von ihm nur durch  die Distanz und etwas Flatterband, das seine Mitarbeiter aufgespannt hatten, brachten sich die Möhnen in Stellung.

Angeführt von Stadtprinzessin Sandra I. von der KG „We sind wer dor“ Eppinghoven, Lieblichkeit Karo I. von der KG Rot-Gold und Kinderprinzessin Sarah I. vom DKV Blau-Weiss, sammelten sich bunt gekleidete „zivile“ Närrinnen und Volk zum Rathaussturm. Karo I. rief zur Schlacht: „Wir werden den Bürgermeister besiegen! Wir kommen ins Rathaus!“

Kinderprinzessin Sarah I., hier neben Pagin Sarah, Stadtprinzessin Sandra I. und Lieblichkeit Karo I. (v.l.) führen den Rathaussturm an. . Foto: Zehrfeld

Dazu hatten die Möhnen allerdings Prüfungen zu bestehen. Sie transportierten Konfetti auf langstieligen Löffelchen, brachten Ballons  zum Platzen - ha! Prinzessinnen sind bewaffnet mit Haarnadeln – und überrannten so Spiel-Station für Station. Chef-Burgverteidiger Holger Mrosek ächzte protestierend  an den Bürgermeister gerichtet ins Funkgerät: „Wir stellen fest, schon wieder sind die Dinslakener Mädels relativ raffiniert. Ob das klug ist, weiterhin in Bildung zu investieren? Chef, wir müssen reden.“

Dieser wiederum hatte versucht, mit psychologischen Tricks die Kampfmoral seiner Truppen zu heben. Er habe dem Fachdienst Hochbau gedroht. „Wenn sie diese Burg nicht halten, müssen sie nachher alles wieder aufbauen.“ Und er habe alle angewiesen, ihre schönsten Krawatten anzuziehen, damit sie motiviert seien, diese zu retten, erklärte er.

Derart aufgestachelt griffen die Behördenmitarbeiter zur Verteidigung zu ihren allergemeinsten Tricks: Papierkram. Die Prinzessinnen hatten einen „Antrag auf Genehmigung zur Erstürmung der Burg“ auszufüllen. „Das ist eigentlich die furchtbarste Waffe, die wir haben“, sagte Heidinger. „Ja, wir schrecken vor gar nichts zurück, und mit Blick auf diesen drohenden Ansturm ist das auch in der Sache gerechtfertigt.“

Es half aber nichts, selbst einen Wendler-Song schmetterten die Möhnen. Und auch, wenn es sich als überraschend kompliziert erweisen sollte, aus großen Papp-Buchstaben die Parole zum Einlass richtig zu buchstabieren – sie lautete „Dinslaken“ – klappte letztendlich auch das.

Und damit war’s um die Burg geschehen. Vor dem Rambock, gebastelt aus einem vorn mit einer rosafarbenen Decke umwickelten Balken – wie ein überdimensioniertes Wattestäbchen sah das aus – öffneten sich die Torflügel, und die Möhnen hatten die Regentschaft übernommen: Kapitulation, Schlüssel-Übergabe, Freibier, Party im Burginnenhof.

Die Prinzessinnen ließen wissen, was sie mit der Stadt vorhaben. „Wir schaffen die Stuern ab und die Kita-Beiträge“, verkündeten sie. So wurde mit den kostümierten Rathausangestellten Frieden geschlossen, und die Karnevalisten des DKV Blau-Weiß witzelten: „Die Burg werden wir jetzt mal so lange besetzen, bis die Stadthalle fertig ist.“

Im Anschluss wurde auf dem Altmarkt den ganzen Tag über fröhlich gefeiert. Am Nachmittag hatte Mickie Krause die Menge von der Bühne aus voll im Griff, ließ die Menschen singen und tanzen.

Auch die Rathäuser in Voerde und Hünxe wurden am Donnerstag von den Möhnen gestürmt und von den Bürgermeistern verloren gegeben.