Interview mit Max von Elverfeldt

Umwelt am Niederrhein : Beim Wolf regulierend eingreifen

Der Weezer ist zum neuen Vorsitzenden des Verbandes „Familienbetriebe Forst und Land“ gewählt worden.

Wie kann man jemandem, der den Verband „Familienbetriebe Forst und Land“ nicht kennt, erklären, was sich denn konkret dahinter verbirgt?

MAX VON ELVERFELDT Unser Verband vertritt die Interessen unserer Mitgliedsbetriebe, die in der Land- und Forstwirtschaft tätig sind, gegenüber Politik und Gesellschaft. Dabei setzen wir uns insbesondere ein für die Stärkung des ländlichen Raums, den Schutz des Eigentums an Grund und Boden, auf dem wir arbeiten, sowie ein nachhaltiges und generationsübergreifendes Wirtschaften.

Sie haben betont, dass die Betriebe seit Generationen nachhaltig wirtschaften. Wie wird das umgesetzt?

VON ELVERFELDT Am einfachsten lässt sich dies in der Forstwirtschaft erläutern. Wir ernten heute Bäume, die unsere Groß- oder gar Urgroßeltern gepflanzt haben. Auf der anderen Seite pflanzen wir heute Bäume, die erst unsere Enkel oder gar Urenkel ernten werden. In der Landwirtschaft bedeutet dies, mit dem Ackerboden so nachhaltig umzugehen, dass auch unsere Kinder bzw. Nachkommen noch auf diesen erfolgreich säen und ernten können.

Es heißt, Ihnen sei es ein besonderes Anliegen, dass Politik und Gesellschaft den Vertretern des ländlichen Raums vertrauen und keine Feindbilder aufgebaut werden. Wo lagen da in der Vergangenheit die Schwierigkeiten, und wie kann man sich näher kommen?

VON ELVERFELDT Wir haben in der heutigen Zeit immer weniger direkten Bezug zur Land- und Forstwirtschaft. Durch diesen mangelnden Kontakt entstehen Vorurteile. Um mehr Verständnis für unsere Arbeit zu bekommen, müssen wir den Menschen erklären, was wir auf unseren Feldern, in unseren Ställen oder im Wald machen. So versuchen wir im Kalbecker Wald beispielsweise über die Presse im Vorfeld zu erläutern, warum wir einen größeren Einschlag von Bäumen machen, oder haben vor kurzem erst Informationsschilder im Wald aufgestellt.

Wenn Ihr Verband die Interessen des ländlichen Raums vertritt, wie ist das Verhältnis zu den Bauern?

VON ELVERFELDT Auf Bundesebene ist der Bauernverband der Vertreter der Bauern in Deutschland. Mit dem Bauernverband haben wir ein sehr gutes Verhältnis. So sind unsere beiden Verbände beispielsweise Mitglied im Aktionsbündnis Forum Natur, welches in Berlin zusammen mit anderen Verbänden die Interessen von über sechs Millionen Menschen im ländlichen Raum vertritt.

Der heiße Sommer und der Borkenkäfer haben vielen Waldbeständen zugesetzt. Wie ist die Situation in der Region?

VON ELVERFELDT Die Trockenheit im letzten Jahr hat auch den Bäumen in unserer Region stark zugesetzt. Wer mit offenen Augen durch die Natur geht, sieht gerade jetzt viele Bäume, die nicht mehr ausgeschlagen haben. Sie sind entweder krank oder schon tot. Der Borkenkäfer hat vor allem die Fichte angegriffen und vermehrt sich sehr schnell. Wir gehen davon aus, dass die Fichte komplett in unserer Region ausfallen wird. Gottlob ist der Fichtenanteil in unserer Region gering. In anderen Regionen mit hohem Fichtenanteil ist die Situation viel schlimmer. Die Fichte ist der wichtigste Baum in der Holzwirtschaft. Viele Betriebe werden auf Jahrzehnte hin keine Bäume mehr ernten können. Hier ist ein gewaltiger Schaden entstanden.

Fordern Sie als Verband hier Unterstützung von der öffentlichen Hand, so wie es die Landwirte nach dem Dürresommer getan haben?

VON ELVERFELDT Der Wald dient der Erholung, der Artenvielfalt und dem Klima. Der Wald dient also uns allen. Wenn der Wald jetzt durch den Dürresommer immensen Schaden genommen hat, dann müssen wir als Gesellschaft den betroffenen Waldbauern und dem Wald helfen. Die Waldbauern müssen die geschädigten Bäume jetzt für einen geringen Preis verkaufen und die kahlen Flächen anschließend wieder neu bepflanzen. Das Geld dafür haben die Waldbauern oft nicht. Entsprechend fordert der Waldbauernverband in Nordrhein-Westfalen und auf Bundesebene jetzt finanzielle Hilfe für den Wald.

Ein aktuell heiß diskutiertes Thema ist auch der Wolf. Wie sollte man mit dem Tier umgehen? Muss es auch hier mehr Hilfe vom Land geben?

VON ELVERFELDT Wir finden es alle faszinierend, dass der Wolf nach über 150 Jahren wieder in Deutschland ein Zuhause gefunden hat. Betroffene Weidetierhalter müssen jedoch voll und ganz und vor allem unkompliziert finanziell entschädigt werden. Hierfür fordern wir vom Land, ausreichend Mittel zur Verfügung zu stellen. In Deutschland leben bereits 1300 Wölfe. Sie haben jedes Jahr eine Zuwachsrate von 30 Prozent. Man erkennt schnell, dass hier regulierend eingegriffen werden muss, bevor die Stimmung aufgrund zunehmender Schadensfälle in Deutschland umkippt. Aus diesem Grund fordern wir ein aktives Wolfsmanagement mit der Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht.