Internetphänomen Greta Silver zu Gast in Dinslaken

Dinslaken : Greta Silver – zu jung fürs Alter

YouTube-Phänomen, Model und Autorin: Was andere in ihrer Jugend anstreben, hat die 70-Jährige im Rentenalter realisiert. Im Dachstudio liest sie am Mittwoch aus ihrem Buch „Wie Brausepulver auf der Zunge“.

Es war 1977, als Udo Jürgens, damals gerade jenseits der 40, den Titel „Mit 66 Jahren“ veröffentlichte. Den Inhalt des Liedes, könnte man meinen, hat sich Greta Silver zu Herzen genommen. Mit 66 startete sie im Internet auf der Videoplattform YouTube mit ihrem eigenen Kanal „zu jung fürs Alter“ durch. „Eine jüngere Freundin hatte mir gesagt, ich müsse der Welt erzählen, wie toll es ist, alt zu sein“, erzählt Greta Silver, mittlerweile 70 Jahre alt. Sie überlegte sich, wie sie das wohl machen könnte und kam auf die Idee, es mal mit YouTube zu probieren. „Ich hatte damals nicht mal Facebook-Erfahrung“, berichtet sie. Über Tutorials und Onlineforen erarbeitete sie sich den Umgang mit der Videoplattform.

„Es war kein Problem, einen Channel zu eröffnen und Videos hochzuladen, aber die Menschen zu erreichen, hat mich viel Zeit gekostet“, erzählt sie. Bis zu zehn Stunden am Tag verbrachte sie in dieser Zeit am Rechner. „Wenn ich wüsste, wie viel Zeit ich investieren muss, hätte ich es vielleicht nicht gemacht“, sagt sie. „Dieses Nichtwissen macht es mir oft leichter, mich auf Dinge einzulassen, von denen ich keine Ahnung habe. Ich habe keine Grenzen im Kopf“, sagt die 70-Jährige und sieht das als positiv. Im Rentenalter immer nur in eingetretenen Bahnen kreisen, ist für Greta Silver nichts. „Die Zeit zwischen 60 und der durchschnittlichen Lebenserwartung von 87 ist genau so lang wie die zwischen 33 und 60 Jahren“, sagt sie. „Jetzt muss man sich mal überlegen, was alles passiert in der Zeit zwischen 33 und 60. Das kann man doch nicht ausgleichen, indem man etwas reist und Golf spielt“, sagt die 70-Jährige. Das Alter sei für sie so etwas wie ein Start-Up-Unternehmen: „Mit der gleichen Vorfreude, aber ohne den ganzen Stress“, sagt Greta Silver.

Ihr Buch „Wie Brausepulver auf der Zunge“ dreht sich auch um das Thema des Alters und Alterns. „Es ist eine Liebeserklärung an das Alter, aber auch ein bisschen Biografie“, erklärt Greta Silver. Man erfährt einiges aus ihrem Leben und das ist nicht nur für Menschen jenseits der 60 interessant, weil man aus den Erfahrungen der Autorin schöpfen kann. „Ich habe früher andere Menschen für mein Glück und Unglück mitverantwortlich gemacht. Bis ich irgendwann begriffen habe, dass nur ich selbst für mein Glück verantwortlich bin. Das war eine unheimliche Befreiung“, sagt die 70-Jährige.

Auch mit gewissen Ängsten hat sie umzugehen gelernt. „Ich habe irgendwann festgestellt, dass ich mir zu 95 Prozent um Dinge Sorgen gemacht habe, die nie eingetreten sind“, sagt sie. Was sie mit ihrem Buch und ihren YouTube-Videos erreichen möchte, ist die Bilder zu verändern, die viele Menschen im Kopf haben, wenn es um das Thema Leben im Alter geht. Die wären nämlich bei vielen Menschen negativ und würden immer weiter nach hinten geschoben, wenn diese feststellen, dass das Leben mit 30, 50 oder 70 Jahren gar nicht so schlimm ist, wie sie sich das vorher immer ausgemalt haben. Ihr Buch sei, so sagt die Autorin, „ein Werkzeugkasten um kleinere Änderungen der Gedanken vorzunehmen.“ Die können aber einen großen Effekt haben: Nämlich den, dass man sich aufs Alter freut, anstatt sich davor zu fürchten.

Wer diesen Effekt selbst erleben oder sich einfach nur von Greta Silvers Lebensfreunde anstecken lassen möchte, der kann das am 12. September ab 17.30 Uhr (Einlass 17 Uhr) im Dinslakener Dachstudio machen. Karten gibt es für 5 Euro im Vorverkauf bei der Stadtinformation.

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