Integrationsarbeit in Voerde: Interesse an Stadtteilrunden nimmt ab

Integrationsarbeit in Voerde : Interesse an Stadtteilrunden nimmt ab

Seit 2005 engagiert sich die Initiative dafür, die Stadtteile wie auch Menschen aller Couleur zusammenzubringen. Doch nun bereitet Teilnehmerschwund Sorgen. Ein Fest musste bereits abgesagt werden.

Gravierende Probleme, wie man sie aus anderen Städten kennt, gab es in Voerde nie. Dennoch, so Iris Rutert von der Stadt Voerde, habe es nie ein wirkliches Zusammenleben der Nationen gegeben, eher ein Nebenher. Niemand kannte den anderen.

„Viele Menschen mit Migrationshintergrund sprachen auch nach Jahrzehnten kein Deutsch“, so Rutert. Und konnten daher von Hilfsangeboten nicht profitieren. So wurde von der Stadt bereits 2005 ein Integrationskonzept erarbeitet, 2006 schließlich der Arbeitskreis Runder Tisch gegründet mit vielen Akteuren aus der Integrationsarbeit. „Beim Prozess wurden die unterschiedlichen Charaktere der einzelnen Stadtteile deutlich“, erzählt Rutert. Und so gibt es nun regelmäßige Stadtteilrunden, die alle unter dem Titel „Runder Tisch Integration – Zusammenwachsen in Voerde“ laufen und bei der Stadt Voerde, namentlich bei Iris Rutert, Mia Malou Kobbert und Tom Blümer, angesiedelt sind. Es gibt sie für die Stadtteile Friedrichsfeld/Emmelsum/Spellen, für Voerde-Mitte/Rheindörfer und für Möllen. Hier tat sich allerdings schon vor dem Integrationskonzept einiges. „Der Runde Tisch Möllen lief schon vorher perfekt, er hat sich uns aber angegliedert“, so Rutert.

Vieles ist dank der Stadtteilrunden erreicht worden: Netzwerke sind entstanden, man arbeitete bei der Flüchtlingskrise eng zusammen, rief interkulturelle Stadtteilfeste ins Leben, die in diesem Jahr zum ersten Mal ausfallen müssen. „Bei der Planung und Umsetzung des Festes fehlten uns die Leute“, sagt Rutert.

Und genau dies sei inzwischen der Punkt, um den sich die drei Sozialpädagogen sorgen: Die Teilnehmerzahlen an den Stadtteilrunden haben abgenommen. Manchmal, so Blümer, säße man zu zweit in der Runde, zwei Monate später kämen zehn Leute. Dabei sei der Austausch wichtig. „Wir bieten in diesen Stadtteilrunden Informationen an, berichten über mögliche Fördergelder für Projekte, über Flüchtlinge, über Sprachkurse“, so Rutert.

Wobei, so sagt sie, die mangelnde Teilnahme an den Runden nicht gleich fehlende Teilnahme an Projekten bedeute. Die liefen immer noch gut. Aber vor allem in Voerde-Mitte bereite der Teilnehmerschwund Sorge. Nun seien mit dem SV 08/29 Friedrichsfeld und dem TV Voerde zwei Sportvereine im Boot, die ihrerseits das Integrationskonzept unterstützen und neue Quartierszentren aufbauen wollen. So könne man vielleicht auch die Stadtteilrunden neu aufrollen, denn über Sport seien viele Menschen zu erreichen. Erste Schritte hat der SV Friedrichsfeld schon unternommen und seine Übungsstunden fürs Sportabzeichen für alle geöffnet.

(big)
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