Dinslaken Inhaber mussten überzeugt werden

Dinslaken · Mit dem CentrO in der Nachbarstadt verschärfte sich in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch einmal die Situation für den heimatlichen Einzelhandel. Zumindest optisch wollte man daher von Seiten der Stadt die Einkaufsstraße ein wenig aufpeppen.

 Seit den 1990er Jahren sieht so die Pflasterung der Neustraße aus. Nicht allen gefällt die Mischung aus grauen und roten Steinen.

Seit den 1990er Jahren sieht so die Pflasterung der Neustraße aus. Nicht allen gefällt die Mischung aus grauen und roten Steinen.

Foto: Lars Fröhlich

Als eine der ersten Fußgängerstraßen der Region 1966 erstellt, ist die Neustraße bis heute eine reine Einkaufsstraße geblieben. Wie in vielen anderen Städten auch, hat sich allerdings die Geschäftswelt gewandelt, Filialisten verdrängten die familiengeführten Traditionshäuser, Ein-Euro-Läden eroberten die Städte, Uniformität machte sich breit. Davon blieb auch die Neustraße nicht verschont.

Doch da spielten die Hauseigentümer, die vielfach gar nicht in Dinslaken leben, nicht wirklich mit, erzählt der frühere Apotheker Dieter Reise und langjährige Vorsitzende der Werbegemeinschaft Dinslaken. Erst nach 30 Jahren durften Hausbesitzer für eine neue Pflasterung wieder zur Kasse gebeten werden - und diese Zeit war damals noch nicht um.

Reise war jedoch klar, es musste etwas geschehen und zwar bevor das CentrO seine Pforten öffnete. Klaus Haverkämper, damaliger Baudezernent, schlug ihm, in geselliger Runde, einen Handel vor: "Sie besorgen mir die Zustimmung der Hauseigentümer und ich pflastere Ihnen die Straße neu." Das ließ sich Dieter Reise nicht zweimal sagen. Sechs Wochen Zeit hatte ihm Haverkämper gegeben und die nutzte Reise, klingelte an jeder Tür, scharte Gleichgesinnte hinter sich, wie Karl-Heinz Dölken, die mit ihm durch Dinslaken tingelten. Sechs Wochen später konnten die Mitglieder der Werbegemeinschaft der Stadt eine Liste mit Einverständniserklärungen vorlegen. "Ein paar Hauseigentümer jedoch blieben übrig, die sich nicht beteiligen wollten", erinnert sich Dieter Reise. 60.000 Mark standen noch offen, die sollten als Sicherheit eingebracht werden, bevor Baudezernent Klaus Haverkämper sein Okay zu den Bauarbeiten geben konnte.

"Wir besprachen das im Vorstand der Werbegemeinschaft und suchten nun Bürgen, darunter die Volksbank und die Sparkasse", erzählt Reise weiter. Auch er selbst bürgte, wie weitere Geschäftsleute in Dinslaken, darunter auch die Metzgereien Lehmkuhl und Oberfohren sowie der Architekt Husmann.

"Wir haben die Bürgschaft nie zahlen müssen", sagt Reise. Es klappte auch so. Und ruckzuck war die Straße fertig, die neue Pflasterung 1997 - vor der Eröffnung des CentrO - verlegt. Die allerdings fiel anders aus als ursprünglich geplant. "Die eigentliche Pflasterung, für die wir uns alle entschieden hatten, war so schnell nicht zu bekommen", gesteht der frühere Vorsitzende der Werbegemeinschaft. Also begnügte man sich mit der Pflasterung, die auch heute noch liegt und bereits nach kurzer Zeit für Aufregung sorgte.

Oder wie Gerhard George es etwas deftiger ausdrückt: "Die Pflasterung von 1997 ist einfach eine Katastrophe. Weder die roten Steine noch das Kopfsteinpflaster sind fußgängerfreundlich. Die Planung seitens der Stadt war einfach katastrophal."

(big)