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In Hünxe-Drevenack wurde eine Gesprächsreihe zur Landwirtschaft begonnen

Diskussionsrunde in Drevenack : Kühe sind keine Klimakiller

In der Drevenacker Kirche starteten die Gespräche über die Landwirtschaft. Zum Auftakt ging es um Klimagas-Emissionen und die Frage, warum Milchvieh so oft als Sündenbock herahlten muss.

Die vierteilige Themenreihe „Landwirtschaft im Gespräch“ startete am Montagabend in der Drevenacker Dorfkirche. Als Veranstalter konnten die Evangelische Kirchengemeinde Drevenack, der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt und die Kirchenkreise Dinslaken und Wesel für die Auftaktveranstaltung Franz-Josef Stork gewinnen. Er ist Geschäftsführer der Kreisstelle Kleve/Wesel der Landwirtschaftskammer NRW in Kleve sowie der Leiter des angegliederten Versuchs- und Bildungszentrums „Haus Riswick“.

Zentrale Frage des Abends : „Sind Kühe Klimakiller? Stork stieg mit ein paar Zahlen in das Thema ein. „Die Milchviehhaltung trägt am Niederrhein wesentlich zum Einkommen der Landwirtschaft bei“, machte der Referent deutlich. 192.982 Rinder (14 Prozent) stehen in niederrheinischen Betrieben. Mit 18,2 Prozent ist der Anteil der 71.472 Milchkühe sogar noch höher. Und von den 104.361 Milchkühen im Regierungsbezirks Düsseldorf leben 81.199 in den beiden Kreisen Wesel und Kleve. Die 435 Milchkuh-Halter im Kreis Kleve machen pro Betrieb durchschnittlich 127 Milchkühe pro Halter aus. In den Ställen der 277 Halter des Kreises Wesel stehen durchschnittlich 94 Milchkühe.

 Kühe werden oftmals als Klimakiller dargestellt.
Kühe werden oftmals als Klimakiller dargestellt. Foto: Stephan Martens

Dass Kühe oftmals als Klimakiller dargestellt werden, ist bekannt. Das des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) besagen allerdings, dass die Landwirtschaft tatsächlich nur etwa zwei Prozent der Treibhausgase erzeuge, während allein die Energiewirtschaft für ein Treibhausaufkommen in Höhe von 53 Prozent aufkommt, die Industrie für 18 Prozent, Haushalte für 12 Prozent und der Verkehr für 11 Prozent.

Zwischen 2005 und 2016 ist der Grünlandanteil im Kreis Wesel wegen strenger Umwandlungsauflagen konstant geblieben, erklärte Josef Stork. Der Anteil des Ackerlandes wurde hingen um etwa vier Prozent weniger. Grund dafür sind der Siedlungsbau, Verkehrsflächen sowie Flächen für Industrie- und Gewerbebetriebe.

Dennoch werde intensiv geforscht, um den Ausstoß von Treibhausgasen in der Landwirtschaft weiter zu verringern. Am Haus Riswick etwa werde nicht nur der Einfluss einer proteinreduzierten Fütterung von Milchkühen beim Einsatz geschützter Aminosäuren auf die tierische Leistung untersucht, sondern auch der Ausstoß klima- und umweltrelevanter Gase. Derzeit werde außerdem ein Stallneubau konzipiert, bei dem das Tierwohl und Umweltfaktoren optimiert werden sollen.

Kritik übte ein Zuhörer an der Veränderung des Grünlandes. „Echte Weiden gibt es nicht mehr“, bedauerte er die Entwicklung des Grünlandes hin zu strohharten Grasbeständen, die bis zu fünfmal im Jahr gemäht würden, um die Grassilos zu füllen. „In diesem Gras entwickelt sich gar nichts mehr“, verwies der Zuhörer auf den drastischen Rückgang des Niederwildes.

Nach diesem einführenden Überblick über die Milchviehhaltung am Niederrhein geht es am 26. August ab 20 Uhr in der Drevenacker Dorfkirche um die Düngemittelverordnung und um das Wasserrecht im Kreis Wesel. Referent ist der Gahlener Michael Fastring, der Leiter des Fachdienstes Umwelt beim Kreis Wesel. Eine Podiumsdiskussion am 23. September und Betrachtungen zum Themenkomplex „Landwirtschaft und Naturschutz“ am 30. September runden die Themenreihe  ab.