In Dinslaken Loch in Fenster "geschossen" - vielleicht mit Zwille

Vielleicht mit Luftgewehr oder Zwille : Loch in Fenster „geschossen“

Vermutlich vom benachbarten Spielplatz aus ist das Wohnzimmerfenster von Georg Linster beschädigt worden. Der Vorfall gibt Rätsel auf.

Georg Linster wollte seinen Augen kaum trauen, als er an einem späten Sonntagmorgen zum Blumengießen auf die Terrasse ging. Sein Blick wanderte über das große Wohnzimmerfenster und blieb an einer Beschädigung hängen. Da war ein kleines, kreisrundes Loch in der äußeren Scheibe der dickwandigen Doppelverglasung, das sich zu einer kegelförmigen Austrittsöffnung verbreiterte.

„Ich bin erst auf die Idee gekommen dass das ein Luftgewehr war. Ein Diabolo“, sagt Georg Linster: „Das würde passen.“ So ein kleines Metallprojektil hätte genau die passende Größe. Die Polizei, die er nach seiner Entdeckung verständigte, hatte noch eine andere Theorie: „Die Polizei meint, es wäre eine Zwille.“ Was auch immer es war – ein echtes Geschoss oder ein Steinchen aus einer Fletsche: Es kam offenbar vom benachbarten Spielplatz an der Sedanstraße geflogen. Und es schlug mit großer Wucht ins Fenster.

„Laufen Sie da vorbei, dann haben Sie ein Loch im Kopf“, sagt Georg Linster. „Ich weiß nicht, ob das aus Spaß passiert ist. Oder ob einer einen treffen wollte“, spekuliert er. „Ich überlege seit Wochen, was die Person getrieben hat.“ Auch lässt es ihn nicht los,  dass der Vorfall – sei sein Fenster nun ein Zufallstreffer oder nicht – ja vielleicht nicht der einzige dieser Art war oder bleibt.  Eine gruselige Vorstellung: Jemand könnte mit irgendeinem wirklich gefährlichen Gerät auf einem Spielplatz „herumschießen“, womöglich noch, wenn Kinder da sind.

Dass so etwas in der Gegend häufiger passiert sein sollte, ist bei der Polizei aber zumindest bisher noch nicht auffällig geworden. Es gibt zwar keine Statistik, denn solche Fälle gehen schlicht als „Sachbeschädigung“ in die Akten ein, aber: „So was würde sich in einem Wachbereich rumsprechen“, sagt Polizeisprecher Timm Wandel. Allerdings nur dann, wenn derartige Vorkommnisse auch wirklich gemeldet werden. Wandel appelliert deshalb: „Immer die Polizei rufen, wenn man ein Einschussloch oder eine Beschädigung feststellt.“ Nur so könne man darauf kommen, ob solche Attacken sich häufen, könne Zeugen suchen, Warnungen verbreiten oder gegebenenfalls, falls es „gefährdete“ Bereiche geben sollte, häufiger Streifen fahren.

Auf die leichte Schulter nehmen sollte man die Angelegenheit nicht. Schon simple Fletschen, die sich Kinder selbst basteln, könnten Schäden anrichten, erklärt Timm Wandel. „Es gibt aber auch richtige Profi-Geräte, die im Prinzip lebensgefährlich sind, wenn Sie da einen falschen Körperteil treffen.“ Auf gar keinen Fall gehöre so etwas in Kinderhände.

Wer immer das „Geschoss“ auf Georg Linsters Fenster abgefeuert hat, dürfte dabei übrigens kaum gesehen haben, wo er oder sie gerade hinzielte. Der Garten ist umgeben von einer dichten, gut zwei Meter hohen Hecke. Dahinter ist noch ein Zaun, und vom angrenzenden Spielplatz aus gesehen wächst vor diesem Zaun ein breiter Streifen Gebüsch. Es gibt dort einen Trampelpfad ins Gehölz. Aber auch, wer sich direkt darin aufstellte, hätte weder Bewegungsfreiheit noch ein freies Blickfeld. Es könnte also gut sein, dass Steinchen, Kugel oder Projektil unkoordiniert geflogen kam, und das gegebenenfalls über eine ziemlich weite Distanz.

Der Anwohner Linster hat den Verdacht, dass nicht Kinder, sondern Jugendliche dahinter stecken. Der Spielplatz an der Sedanstraße sei nämlich ein Treffpunkt von Cliquen Heranwachsender, die dort nachmittags und in den Abendstunden feierten, was für ihn als Nachbarn ohnehin schon ziemlich störend sei. Im vergangenen Jahr habe das Ordnungsamt häufiger kontrolliert und Platzverweise ausgesprochen, aber nichts helfe langfristig. „Im Grunde müsste Sie da alle Viertelstunde kontrollieren“, sagt Georg Linster.

Mehr von RP ONLINE