Dinslaken: In China winken beste Geschäfte

Dinslaken: In China winken beste Geschäfte

China ist ein Riesenland und der Markt der Zukunft. Von dem großen Kuchen, der dort zu verteilen ist, wollen auch die Dinslakener Stadtwerke ein Stück abbekommen. Ihren Fuß haben sie jetzt schon einmal in die Tür gestellt.

Auf dem 19. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas im Oktober hat Staatschef Xi Jipeng in einer dreieinhalbstündigen Grundsatzrede beschrieben, wie er sich die Zukunft der Volksrepublik vorstellt. Eine seiner zentralen Aussagen: Bis 2035 soll China eines der innovativsten Länder der Welt werden, das seine Umweltprobleme grundlegend gelöst hat. Die sind gigantisch. Um sie zu lösen, wird das Land Hilfe brauchen. Und hier kommen die Dinslakener Stadtwerke ins Spiel. Denn die haben was, an dem die Chinesen brennend interessiert sind. Sie wissen, wie's geht.

Um auszuloten, wie sich Dinslakener Know-how und chinesisches Interesse für beide Seiten gewinnbringend zusammenbringen lassen, hatte sich Ende Januar eine Delegation aus Dinslaken, bestehend aus den Aufsichtsratsvertretern Jürgen Buchmann (SPD), Heinz Wansing (CDU), Birgit Emmerich (Grüne), dem Stadtwerke-Betriebsratsvorsitzenden Volker Kobelt, angeführt vom Aufsichtsratsvorsitzenden Bürgermeister Michael Heidinger und Stadtwerke-Chef Josef Kremer auf den Weg nach Nanjing, Hauptstadt der chinesischen Provinz Jiangsu, in der 80 Millionen Menschen leben, gemacht. Die sechs sind, wie Kremer, Heidinger und ihre Reisebegleiter gestern in einem Pressegespräch berichteten, nicht mit leeren Händen zurückgekommen. Die Stadtwerke haben mit einem Partner vor Ort eine Absichtserklärung unterschrieben, die Energieversorgung durch umweltfreundliche Fernwärme voranzubringen. Die Vorarbeiten für ein erstes konkretes Projekt für ein neu entstehendes Viertel in der Millionenstadt Yangzhou sollen Ende des Monats in Angriff genommen werden. Bis zum Sommer, so Kremer, wird dann feststehen, ob es sich verwirklichen lässt. Dann könnte es bis 2020 realisiert werden. "Sollten sich die in der Absichtserklärung vereinbarten Ziele umsetzen lassen", sagte der Stadtwerkechef, könnten sich für das Dinslakener Unternehmen Mehreinnahmen von bis zu einer halben Million Euro pro Jahr ergeben. Dabei geht es zunächst einmal nicht um Investitionen der Stadtwerke, sondern nur um den Transfer des entsprechenden Know-hows. Kremer ließ allerdings keinen Zweifel daran, dass die China-Kontakte der Stadtwerke letztlich auch auf Investitionen und Beteiligungen abzielen.

Allerdings in aller Bescheidenheit. Obwohl sie so offensichtlich voller Optimismus aus China zurückgekehrt sind und bei allen geschäftlichen Perspektiven, die möglich scheinen, traten er und Heidinger auf die Euphoriebremse. Vor etwaigen Investitionsentscheidungen brauche es zunächst einmal die entsprechenden Genehmigungen, zudem die bei solchen Geschäften üblichen Ausfallbürgschaften des Bundes und auch starke Partner. Da bietet sich in erster Linie die Steag an. Schließlich sind die Dinslakener Stadtwerke Teil des Konsortiums kommunaler Versorgungsunternehmen, dem die Steag gehört. Entsprechende Gespräche hat Kremer bereits geführt. Im Übrigen seien die Chinesen nicht nur am Wissen der Stadtwerke in Energiefragen interessiert, auch mit anderen Geschäftsfeldern könnte das Unternehmen punkten. "Das Wasser, das dort aus den Hähnen fließt, ist ungenießbar", erklärte er. Insofern sei auch die Trinkwasseraufbereitung, wie sie in der Anlage in Löhnen praktiziert werde, für die Chinesen ein Thema.

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Dinslakens Bürgermeister hat in China nicht nur die Gelegenheit genutzt, für das Tochterunternehmen Stadtwerke zu werben, sondern auch für die Stadt insgesamt. "Unsere Nachhaltigkeitskonzepte sind bei den Gesprächspartnern auf großes Interesse gestoßen", erklärte er. So habe er beispielsweise über die Emscherumgestaltung berichtet und wolle nun auch Kontakte zur Emschergenossenschaft vermitteln. Auch sein Hinweis auf das mittelständische Dinslakener Unternehmen Ostra und seine Schneekluth-Düsen, die den Treibstoffverbrauch für Seeschiffe drosseln könnten, habe in China aufhorchen lassen.

Die Dinslakener sollen übrigens ganz direkt von den Auswirkungen des Chinaengagements der Stadtwerke profitieren: "Weil", so Heinz Wansing, "unsere Bürger natürlich auch danach fragen, was sie denn davon haben, haben wir uns während der Reise dazu schon Gedanken gemacht." So können sich die Politiker, wie Jürgen Buchmann erklärte, vorstellen, dass die zunächst angepeilten Mehreinnahmen der Stadtwerke zu einer Senkung der Parkgebühren und für den Ausbau des Radwegnetzes verwendet werden. Das müsse allerdings noch mit den Fraktionen besprochen werden.

(RP)
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