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Im März soll das ertse Gas durch die Zeelink-Pipeline strömen

Rekultivierung in Voerde und Hünxe : Ab März strömt Gas durch die Pipeline

Die Arbeiten an der Zeelink-Erdgasfernleitung in Voerde und Hünxe sind abgeschlossen. In gut zwei Monaten soll das erste Gas strömen. Als nächstes wird die Trasse rekultiviert.

Es ist noch kein Dreivierteljahr her, dass die Arbeiten zur Verlegung der umstrittenen Erdgasfernleitung „Zeelink“ in Voerde und Hünxe im vollen Gange und gut sichtbar waren. Eine Stelle, die von der Pipeline unterquert wird, ist die Kreuzung B8/Hammweg in Voerde. Dort, wo täglich Tausende Fahrzeuge vorbeikommen, hatten noch im Mai 2020 dies- und jenseits der Bundesstraße riesige, auf Holzpflöcken liegende Rohrstücke dokumentiert, dass die Gasleitung einen Verkehrsknotenpunkt wird passieren müssen. Die Verlegung ist längst geschehen. Über die Rohre ist im wahrsten Wortsinn Gras gewachsen. In Voerde und Hünxe seien alle technischen Bestandteile der Baumaßnahme fertiggestellt.

Darunter fallen die Verlegung der Rohre auf einer Länge von insgesamt etwa 26 Kilometern und die Errichtung einer Schieberstation in Bucholtwelmen, die der abschnittsweisen Absperrung der Pipeline diene, erklärt Andreas Lehmann, Sprecher der Open Grid Europe (OGE), auf Anfrage. Der in Essen ansässige Fernleitungsnetzbetreiber ist für die Planung und den Bau der Gaspipeline verantwortlich, Vorhabenträgerin ist die Zeelink GmbH & Co. KG. Es würden nun im Jahr 2021 noch die Rekultivierung der Trasse und naturschutzfachliche Ausgleichsmaßnahmen vorgenommen.

Das Gleiche gilt für die etwa 215 Kilometer lange Gesamttrasse, die sich von Lichtenbusch bei Aachen bis nach Legden erstreckt. Sämtliche Arbeiten am technischen Bauwerk seien beendet. Es erfolge noch die Trocknung der Leitung, bevor gegen „Mitte März dieses Jahres das erste Gas“ durch die Pipeline ströme, kündigt OGE-Sprecher Lehmann an. Damit würde der angedachte Termin für die technische Zeelink-Inbetriebnahme gehalten. Die offizielle Einweihung ist, Stand jetzt, für Ende Mai angesetzt – unter dem Vorbehalt, dass die dann aktuelle Pandemielage eine solche Veranstaltung zulässt.

Derweil sind vor dem Oberverwaltungsgericht Münster aus Hünxe zwei Klagen gegen den Bau der Erdgasfernleitung anhängig, über die noch nicht entschieden wurde: Die Gemeinde Hünxe und die Initiative „Zeelink – nein danke!“ haben gegen den im Januar 2019 von der Bezirksregierung Düsseldorf getroffenen Planfeststellungsbeschluss, ergo die Baugenehmigung, den Rechtsweg beschritten. Bislang sind nach Auskunft des Hünxer Bürgermeisters Dirk Buschmann nicht einmal Gerichtstermine anberaumt, „coronabedingt könnte eine Entscheidung erst im Mai oder Juni fallen“. Dann wäre die Pipeline schon etliche Wochen in Betrieb.

Ein zentraler Kritikpunkt ist der aus Sicht der Kläger nicht ausreichend gewährleistete Schutz der Bevölkerung durch die Nähe der Leitung zu besiedelten Gebieten. Die Initiative „Zeelink – nein danke!“ hatte im Planfeststellungsverfahren mit Blick auf die Sicherheit und mit Hinweis auf den möglichen Havariefall einen Mindestabstand von 300 Metern zu Wohnsiedlungen gefordert. Die Trasse verläuft teils weit unter 100 Meter von Häusern entfernt. Die Zeelink-Gegner argumentieren, dass es schon „reihenweise Katastrophen“ an Gaspipelines gegeben habe und Korrosion, Materialfehler und Beschädigungen von außen die häufigsten Fehler seien. Die Bezirksregierung ließ die Forderung im Planfeststellungsbeschluss unberücksichtigt.

Der Betreiber beantworte den größten Kritikpunkt, die zu große Nähe der Leitung zur Wohnbebauung, stets „mit dem ausgereiften Sicherheitskonzept und dem gewährleisteten Sicherheitsabstand“, erklärt Hünxes Bürgermeister Dirk Buschmann und zitiert weiter aus der Begründung: Es sei nicht erforderlich, „Schadensszenarien in Havariefällen zu betrachten und mit Blick darauf weitere Schutzmaßnahmen festzusetzen. Die Pipeline verläuft nur im örtlichen Randgebiet“. Das Gericht müsse das Gefahrenpotenzial für die Bevölkerung gegenüber der Notwendigkeit zur Sicherstellung der Gasversorgung abwägen, sagt Buschmann. Dass die Klagen das Projekt noch stoppen können, hält er jedoch für sehr fraglich.

Zum Thema Sicherheit erklärt OGE-Sprecher Andreas Lehmann, dass die Leitung vor der in etwa acht Wochen angedachten technischen Inbetriebnahme unter anderem einer Wasserdruckprüfung unterzogen werde: Der Druck, der im Zuge dieser Prüfung aufgebracht werde, sei „etwa doppelt so hoch wie der spätere Betriebsdruck“ der Pipeline. Nur wenn auch diese Prüfung erfolgreich durch einen „unabhängigen TÜV-Sachverständigen abgenommen und bescheinigt wird, darf die Leitung in Betrieb gehen“, betont Lehmann.

Auch nach dem Bau würden die Fernleitungen während des Betriebes ständig überwacht: „Eine zentrale Leitwarte steuert und kontrolliert den Gasfluss kontinuierlich.“ Betriebspersonal überwache die Fernleitungen vor Ort. Außerdem finden dem OGE-Sprecher zufolge regelmäßige Befliegungen, Begehungen und Befahrungen statt.

(P.K.)