Dinslaken „Ich spiele gern krumme Typen

Dinslaken · Der Mörder wartet hinterm Vorhang. Kommissar Henzi ist schon da. Er inspiziert das Bühnenbild. Es ist so düster, wie es sich für einen Krimi, in dem kleine Mädchen getötet werden, gehört. Leif Scheele gefällt’s. Der 28-jährige spielt in „Das Versprechen“ eine Schlüsselrolle. Premiere ist am Freitag.

Scheele trägt Leder. Es ist eine von diesen kurzen schwarzen Jacken, mit denen Polizisten in den 60er Jahren durch bundesdeutsche Fernsehserien tapsten. Das mit Gel in Form gebrachte Blondhaar des Schauspielers passt eher ins Hier und Heute. Das sieht auch der Regisseur. „An der Frisur müssen wir noch was machen“, sagt Thorsten Weckherlin, als Scheele zur Bühnenprobe die Kathrin-Türks-Halle betritt. Vielleicht ein Seitenscheitel. Auf jeden Fall irgendetwas Braves. Schließlich spielt Dürrenmatts abgründiges „Requiem auf einen Kriminalroman“ in der Schweiz. Geschrieben hat es der Dichter vor 50 Jahren. Lars Helmer hat die Geschichte des Kriminalisten, der geschworen hat, einen Kindernmörder zur Strecke zu bringen und dabei selbst zum Outlaw wird, für die Burghofbühne in eine Bühnenfassung gegossen.

„Die Realität ist grausam“

Es ist ein deprimierendes Stück. Weckherlins Inszenierung nennt Leif Scheele spannend. „Die Realität ist grausam“, sagt er. Und das Thema, um das es hier geht, ist bittere Realität. Scheele gibt den Gegenspieler von Kommissar Matthäi (Anton Schieffer), er spielt einen jungen aufstrebenden Kommissar mit zweifelhaften Verhörmethoden. Die Rolle passt zu ihm. „Ich spiele gern krumme Typen“, sagt er. „Mal komische, mal böse Figuren.“ Das Einfache, Glatte liegt dem in Winsen an der Luhe geborenen und bei Lüneburg aufgewachsen Schauspieler weniger. Das Kantige, Sperrige reizt ihn. Es birgt mehr Möglichkeiten. „Man hat mehr Freiräume und kann mehr ausprobieren“, weiß Scheele. Vor einem halben Jahr hat die Burghofbühne den 28-Jährigen als festes Ensemblemitglied nach Dinslaken geholt. Der Intendant des Landestheaters ist selbst ein Nordlicht und verfügt über gute Kontakte zum Hamburger Schauspielstudio Frese. Dort hat Leif Scheele seine Schauspielausbildung absolviert. Für Weckherlin war der Neue ein guter Griff, für Scheele ist die Burghofbühne die richtige Entscheidung. Ein kleines Team garantiert kurze Wege, sagt er. Man arbeitet enger zusammen als an einem großen Haus. Gibt es Kritik, kommt sie direkt. Gibt es Ärger, ist der schnell wieder vom Tisch. „Ich kann hier meinen Traumberuf leben“, sagt der Schauspieler. „Und ich konnte die Bühne sehr schnell von meinen Fähigkeiten überzeugen.“

Dass er über schauspielerisches Talent verfügt, spürte Leif Scheele schon in der Grundschule. Die Lehrer bescheinigten ihm „ein Gespür für Sprache“. Am Gymnasium in Lüneburg wurde daraus Leidenschaft. Die Idee, nach Abitur und Zivildienst eine medizinische Laufbahn einzuschlagen, verwarf Scheele schnell. Ihn zog’s zum Theater. Zunächst arbeitete er als Tonassistent am Schauspielhaus Hamburg. Das war interessant, aber nicht das, wovon der junge Mann träumte. „Ich wollte spielen, nicht mit Kabeln schmeißen.“

Es folgten erfolgreiche Gehvesuche im Musiktheater. Leif Scheele spielte tragende Rollen in Musicals wie „Der kleine Horrorladen“, „Linie 1“ oder „Hair“, entschied sich dann aber für das Sprechtheater. Noch während der Ausbildung tobte und spielte er sich über zahlreiche renommierte Bühnen Hamburgs, wie zum Beispiel die des Thalia Theaters, der Komödie Winterhuder Fährhaus oder des Deutsches Schauspielhauses Hamburg.

Von der Vielseitigkeit des Schauspielers mit den blonden Stachelhaaren konnte sich das Dinslakener Publikum schon mehrfach überzeugen. Scheele ist komisch. In der „Feuerzangenbowle“ gibt er den Streber von der ersten Bank, in „Herren“ einen Kaufhauschef am Rande des Nervenzusammenbruchs. Scheele ist auch verträumt und voller Poesie. Als Arbeitsloser in „Kleine Engel“ trifft er mühelos die leisesten Töne. Er kann aber auch beinhart, ehrgeizig und skrupellos sein: In Dürrenmatts „Versprechen“ ist er der Polizist, der einen Mörder fängt, der gar keiner ist.

„Romeo und Julia“

Danach kommt Shakespeare. Thorsten Weckherlin hat das Geheimnis um den Romeo an Julias Seite noch immer nicht gelüftet. Deshalb hofft Scheele weiterhin auf die Traumrolle. Andere Ensemblemitglieder tun das auch, während Iris Kunz weiter rätselt, wen sie im im November küssen darf.

(RP)