Hünxe: Sechs Schafe gerissen. Schäfer geht von Wolfsangriff aus

Trotz 1,06 Meter hoher Zäune : Sechs Schafe gerissen – Halter hilflos

Sechs seiner Tiere wurden getötet, vier weitere sind verletzt. Schäfer Kurt Opriel geht davon aus, dass es ein Wolf war. Seine Zäune waren neu und besonders sicher.

Schäfer Kurt Opriel aus Hünxe ist am Montag traurig, ärgerlich und hilflos. Er sei im Zweifel, was er jetzt tun solle, sagt er: „Ganz ehrlich, wir wissen wirklich nicht, wie es weitergeht.“ Im vergangenen Jahr habe er noch einen Stall errichtet, um den Betrieb für seinen Sohn auszubauen. Aber jetzt: „Wir verlieren die Lust, und seelisch kriegt man einen Knacks.“ Ruhig schlafen könne man nach so etwas jedenfalls nicht.

Am Sonntag fand Opriel sechs seiner Schwarzkopf-Schafe gerissen, vier weitere verletzt. Eine Freundin hatte das Unglück am Morgen entdeckt und ihn informiert. Die Weide liegt am Hoher Wardweg, 165 Meter vom Hof entfernt und in der Nähe des Waldes. Die Schafe wurden mit Kehlbissen getötet, eines wurde teilweise gefressen.

Opriel bezweifelt nicht, dass das die Spuren eines Wolfs sind. Dieser habe offenbar tagelang die Gegend ausgekundschaftet, er habe Kot gefunden. Und das Raubtier müsse es trotz erhöhter Zäune auf die Weide geschafft haben. „Das war ganz neues Equipment, die Zäune sind 1,06 Meter hoch und stehen unter Strom“, sagt er. Sie seien nicht untergraben worden, der Wolf müsse also darüber gesprungen sein.

Erfahrungsgemäß dauert es nach mutmaßlichen Wolfsangriffen auf Nutztiere eine Weile, bis das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) seine Untersuchungen beendet hat und mitteilt, ob wirklich Wolf oder doch ein Hund für einen Vorfall verantwortlich war.

Für Kurt Opriel wäre es, sofern sich sein Verdacht bestätigt, nach zwei weiteren im vergangenen Jahr nun der insgesamt dritte Wolfsangriff auf seine Herden. 2018 waren bei einem ersten Angriff ein Schaf und bei einem weiteren zwei Schafe getötet worden.

Er könnte nun die Sicherheit mit Herden-Schutzhunden weiter aufstocken. „Aber da muss man auch die Wirtschaftlichkeit sehen“, gibt er zu bedenken. Für seine drei Herden bräuchte er sechs Hunde, und wenn auch die Anschaffung gefördert werde, so wäre der Unterhalt doch so teuer, dass sich die Schafhaltung unterm Strich nicht mehr lohnen würde, rechnet er vor.

Die vier Tiere, die in der Nacht zu Sonntag verletzt überlebt haben, haben derzeit gute Überlebenschancen. Genaueres könne man aber erst nach ein paar Tagen sagen, eingeschläfert wurde bisher keines.

Kurt Opriel hofft, dass diesmal die Emotionen nicht so hoch kochen, es habe beim letzten Mal gar Morddrohungen gegen Schäfer gegeben. „Schafe werden artgerecht gehalten, nicht in der viel kritisierten Stallhaltung mit Spaltboden“, sagt er. Sie sollten ein gutes Leben haben, bis es zum Schlachter geht. Mit Wolf sei das nicht möglich. Gegenüber dem Land NRW ist er misstrauisch. „Es sind doch eigens Leute eingestellt worden, die sich um das Thema kümmern. Die werden den Teufel tun und an ihren eigenen Stühlen sägen“, sagt er.

(szf/sz)
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