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Hünxe: Entsetzen nach Auszug des Gnadenhofs - Rattenplage und Gestank

Gestank und Rattenplage : Entsetzen nach Auszug von Gnadenhof in Hünxe

Gestank, Abfall und eine Rattenplage: Die Eigentümer der Immobilie, in der zuletzt ein Gnadenhof für Tiere in Hünxe ansässig war, sind erschüttert über den Zustand von Haus und Grundstück. Die Betreiberin weist Vorwürfe zurück.

Ratten sind am hellen Tage überall auf dem Gelände unterwegs. Es wäre falsch, zu beschreiben, dass sie „huschen“ oder „flitzen“: Die Nager sitzen ungerührt durch sich nähernde Menschen im Kellereingang oder unter Gartensträuchern, sie laufen kreuz und quer durch die Tierkäfige und über Freiflächen auf dem Außenareal, sie hocken zwischen dem Gerümpel in den Ecken und queren die Gartenwege. Auf dem Grundstück am Opschlagweg in Hünxe, das früher das Zuhause des Gnadenhofs für rund 70 heimatlose Tiere war – Hunde, Katzen, Geflügel, Nager und mehr – gibt es völlig offensichtlich eine Rattenplage.

Haus und Grundstück sind zugerümpelt und verschmutzt. Ein intensiver, durchdringend übler Geruch nach Unrat klebt überall, besonders in vollgestopften Ecken oder Räumen. Da häufen sich kaputte Geräte, Abfallsäcke, alte Möbel und augenscheinlich Teile davon. Auf dem Außengelände liegt Tierkot, im Inneren des Wohnhauses finden sich verschmutzte Möbel, Böden, Wände, Abfälle, es gibt viele Fliegen.

Die Eigentümer der Immobilie zeigten sich am Montag nach der Räumung des Gnadenhofs fassungslos über das Bild, das sich ihnen bot. „Wir sehen das heute zum ersten Mal“, sagte Hausbesitzerin Marion B.*. Sie und ihre Familie hätten geahnt, dass die Immobilie in keinem idealen Zustand wäre. „Aber nicht, dass es so drastisch ist. Das kann man gar nicht in Worte fassen. Dass die Wohnungen so dermaßen verdreckt, vermüllt, zerstört sind, das sprengt jegliche Vorstellungskraft.“

 Eine tote Ratte zwischen leeren Tier-Transportboxen im Garten.
Eine tote Ratte zwischen leeren Tier-Transportboxen im Garten. Foto: Zehrfeld

Der Gnadenhof in Hünxe war lange von Zwangsräumung und Obdachlosigkeit bedroht.  Das Haus am Opschlagweg war vor Jahren zwangsversteigert und der Mietvertrag gekündigt worden. Es fand sich aber kein neues Zuhause für Menschen und Tiere. Die RP berichtet mehrfach darüber. Ende März 2020 kam schließlich die Nachricht, dass der Hof nach Xanten umziehen könne, was nun auch geschehen ist.

Eine Tierschützerin hat dort eigens dafür einen ehemaligen Bauernhof gekauft. Sie betont heute: „Ich weiß, ich habe eine gute Sache gerettet.“

 Einige Ecken waren am Montag zugerümpelt.
Einige Ecken waren am Montag zugerümpelt. Foto: Zehrfeld

Die Familie von Marion B. hatte das Gebäude in Hünxe im Frühjahr 2018 ersteigert, „weil wir als Großfamilie hier leben wollten“, so die 48-Jährige. Sie, ihr Ehemann, drei erwachsene Kinder im Alter von 21, 25 und 28 Jahren und zwei sechs und elf Jahre alte Pflegekinder. Sie wollten aufs Land umziehen, „aus unserem Stadthaus im Duisburger Süden“. Das Gutachten zum erworbenen Objekt habe seinerzeit gut ausgesehen. Jetzt hat sie keine Vorstellung davon, was es kosten wird, das Haus zu einem Heim zu machen: „Der ganze Boden muss raus. Die Wände müssen abgeklopft werden. Alles muss raus. Das wird eine Kernsanierung.“

 Eine Ratte im Kellereingang.
Eine Ratte im Kellereingang. Foto: Zehrfeld

Die Betreiberin des Gnadenhofs, Nicole Schädel, weist Vorwürfe über den Zustand der Immobilie zurück. „Meinen Sie, mir gefällt das, dass ich so was hinterlasse?“, fragt sie. „Wissen Sie, wie unglücklich wir waren, und wir konnten nichts dagegen tun?“

Die Zeit, die ihr bis zur Räumung gesetzt worden sei, habe einfach nicht gereicht, um alles zu entrümpeln und ordentlich zu hinterlassen. Sie habe in gerade mal drei Wochen mit den Tieren draußen sein müssen. „Ich habe mir wirklich Mühe gegeben“, versichert sie. Den generell heruntergekommenen Zustand des Gebäudes lastet sie den Eigentümern an – derlei Streitfragen sind bereits juristisch behandelt worden.

Von dem Rattenproblem hätten die Hauseigentümer gewusst. Von den Ratten rühre auch der üble Geruch: „Rattenurin und Rattenkot – das stinkt bestialisch“, sagt Nicole Schädel. „Wir haben zwischendurch schon was dagegen gemacht. Aber es ist schwierig, Rattengift auszulegen, wo so viele Tiere sind.“

Für Hauseigentümerin Marion B. ist klar, dass sie mit ihrer Familie nicht so bald in Hünxe wohnen wird. „Wir hatten gehofft, bis August fertig zu sein, aber ich glaube, das wird dieses Jahr nichts.“

*Name geändert Marion B. heißt in Wirklichkeit anders. Sie möchte ihren Namen und den ihrer Familie nicht in Medien verbreitet wissen, um die Privatsphäre ihrer Pflegekinder zu schützen. Deshalb will sie sich auch nicht fotografieren lassen.