Hochzeit auf der Palliativstation in Dinslaken „Schließlich habe ich 27 Jahre gewartet“

Dinslaken · Bettina Deitzer und Michael Thomann haben sich auf der Palliativ-Station des Evangelischen Krankenhauses Dinslaken das Ja-Wort gegeben. Kennengelernt haben sie sich vor 32 Jahren. Heute ist Bettina schwer krank.

 Ein seltener Moment des Glücks: Hochzeitspaar Bettina und Michael Thomann mit ihren Trauzeuginnen auf der Palliativstation im Evangelischen Krankenhaus Dinslaken.

Ein seltener Moment des Glücks: Hochzeitspaar Bettina und Michael Thomann mit ihren Trauzeuginnen auf der Palliativstation im Evangelischen Krankenhaus Dinslaken.

Foto: EKD

Als sich Bettina Deitzer und Michael Thomann kennenlernten, war sie 18 Jahre alt und er 25. Liebe auf den ersten Blick war es nicht, erinnern sich beide rückblickend. Aber „sie war die, mit der man sich am besten unterhalten konnte“, sagt Michael. Daraus entstand eine Beziehung, die die Jahrzehnte überdauerte. 1995 verlobten sich Bettina und Michael. Aber den nächsten Schritt, hin zu Hochzeit und Ehe, gingen sie nicht. Vielleicht, weil sie auch ohne Trauschein immer glücklich miteinander waren.

Jetzt, 32 Jahre später, ist Bettina Deitzer schwer krank und Patientin auf der Palliativstation am Evangelischen Krankenhaus Dinslaken. Dort fasste sie gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Michael den Plan, endlich die lange überfällige Hochzeit nachzuholen. Eine Idee, die das Team der Palliativstation nur zu gerne unterstützte und begleitete.

Am Tag der Trauung hat sich das Gesicht der Station verändert: Im Flur steht ein großer Tisch mit einer Hochzeitstorte, mit Essen und Getränken für die Gäste. Eines der Zimmer ist mit Luftballons und Girlanden festlich geschmückt – hier soll gleich die Trauungszeremonie stattfinden. Und alle sind aufgeregt – nur die Braut nicht, die sich vor der Trauung noch ein wenig ausruht: „Warum soll ich nervös sein? Schließlich habe ich 27 Jahre gewartet…“.

Als es so weit ist, wird sie im Brautkleid in ihrem Bett ins Trauzimmer gefahren, wo neben dem Bräutigam bereits die Trauzeuginnen, darunter ihre langjährige beste Freundin, warten. Und die gesamte Station steht Spalier und applaudiert. Die entscheidende Frage der Standesbeamtin beantwortet Bettina mit einem kräftigen „Ja, klar!“. Und wenige Minuten später unterschreibt sie zum ersten Mal mit ihrem neuen Namen Bettina Thomann, der ihr überraschend leicht von der Hand geht.

Auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Palliativstation ist dieser Tag etwas ganz Besonderes. Oberärztin Heike Sczeppek: „Viele Menschen glauben, dass bei uns hier immer nur eine Atmosphäre der Trauer herrscht. Das heute ist ein tolles Beispiel dafür, dass es auch immer wieder schöne und positive Momente bei uns gibt.“ Gemeinsam mit ihrem Team aus dem ärztlichen, pflegerischen und psychosozialen Bereich versucht sie täglich, ihren Patientinnen und Patienten die bestmögliche Lebensqualität zu bieten und ihre Krankheitssymptome und Schmerzen so gut es geht zu lindern.

Das hat auch Bettina Deitzer erfahren, die jetzt nach 27 Jahren Warten Bettina Thomann heißt: „Als ich hierhin gekommen bin, habe ich mich sofort sehr wohlgefühlt. Und gut aufgehoben“, sagt sie. „Es ist unglaublich, wie sich alle hier um einen kümmern. Jetzt bin ich glücklich, dass ich diesen Tag hier erleben darf.“

(fbl)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort