Voerde: Hindenburgstraße: Voerder entscheiden

Voerde: Hindenburgstraße: Voerder entscheiden

Das Bürgerbegehren gegen die Umbenennung der B 8 in Willy-Brandt-Straße war erfolgreich. Dennoch stimmte die Mehrheit des Voerder Rates dafür, den neuen Namen beizubehalten – damit kommt nun der Bürgerentscheid.

Die Verwaltung präsentierte zur gestrigen Sitzung die aktuellen Zahlen. Danach hat die Initiative gegen die Umbenennung der Hindenburgstraße 8476 Eintragungen in ihre Listen vorgelegt. Gültig sind 7432 Unterschriften, ungültig 1044. Für ein erfolgreiches Bürgerbegehren hätten schon 2142 Unterschriften ausgereicht. Dennoch entschieden die Ratsmitglieder mehrheitlich in geheimer Abstimmung (22 zu 19), es beim neuen Namen zu belassen. Damit kommt es zum Bürgerentscheid. SPD, Grüne, WGV und Linke hatten sich für den neuen Namen ausgesprochen, CDU und FDP waren gegen die Umbenennung.

Michael Nühlen, einer der Verfechter des Bürgerbegehrens, durfte im Rat sprechen und berichtete, dass sich die Aktion schnell zu einem Selbstläufer entwickelt habe. "Denn nicht nur die Anwohner der Hindenburgstraße fühlen sich übergangen von den Lenkern unserer Stadt", hielt er den Politikern vor. Er forderte sie auf, den Willen der Bürger endlich wieder ernst zu nehmen und sie zu beteiligen.

  • Voerde : Bürgerbegehren zur Hindenburgstraße

Als einen "großen Erfolg" für die Initiatoren des Bürgerbegehrens wertete SPD-Fraktionschef Wolfgang Scholten die enorme Anzahl der Unterschriften. Er bedauerte, dass bei den Bürgern offensichtlich keine geschichtliche Aufarbeitung der mit Paul von Hindenburg verbundenen Problematik stattgefunden habe. Der Sozialdemokrat gestand ein, "diesen Punkt völlig unterschätzt zu haben". Mit dem gewollten Bürgerentscheid kommt nun "die Befragung aller Bürger". Uwe Goemann (SPD) bekräftigte das Ja zur Umbenennung, denn "wir wollen keinen Reaktionär und Militaristen in unserer Stadt ehren". Zudem kündigte er an, dass seine Fraktion künftig öfter den Bürger anhören und ihn dann auch entscheiden lassen werde. Seinen Glückwunsch sprach der neue CDU-Fraktionsvorsitzende Georg Schneider den Vertretern des Bürgerbegehrens aus. Denn die hohe Zahl der Unterschriften belege, dass viele Voerder Interesse hätten mitzumachen und die Geschicke ihrer Stadt mitzubestimmen. Er appellierte an den Rat, auf die Menschen zu hören, auf den Bürgerentscheid zu verzichten und damit Kosten von 45 000 Euro zu vermeiden. Das sah auch Bernhard Benninghoff (FDP) so, der sich überzeugt zeigte, dass der Bürgerentscheid erfolgreich sein wird.

In seinem historischen Exkurs bezeichnete Christian Garden (WGV) Hindenburg als den "Steigbügelhalter Hitlers", nach dem man keine Straße benennen dürfe. Holger Mrosek (Grüne) sah in der gestrigen Sitzung, die von vielen Voerdern interessiert verfolgt und auch kommentiert wurde (so sorgte es für Unmut, dass Ratsmitglieder Zeitung lasen), nur Verlierer. Er plädierte für einen Bürgerentscheid, um die Diskussion um die Person Hindenburgs nochmals aufzunehmen. Joachim Kinder (Linke) wertete die gesammelten Unterschriften als Ausdruck des Unmutes der Bürger über die Missstände in Voerde. Die Entscheidung pro Hindenburg, so seine Befürchtung, könnte für die Stadt einen Imageschaden bedeuten.

(RP/ac)
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