Dinslaken: Helfer der Tafel leiden unter Respektlosigkeit

Dinslaken : Helfer der Tafel leiden unter Respektlosigkeit

Nachdem sie beleidigt worden war, schaltete die Leiterin der Einrichtung die Polizei ein Eine Grenze sei überschritten worden, sagt sie.

Was sie leisten, ist schon enorm. Tag aus, tagein kümmern sich die Helfer der Tafel, damit die Ausgabe von Lebensmitteln an Bedürftige funktioniert. Das ist nicht immer ein Zuckerschlecken, die ehrenamtlichen Helfer müssen sich schon einiges anhören. Marion Muhic kennt das. Sie leitet seit Jahren die Dinslakener Tafel, hat schon einiges erlebt, doch nun ist eine Grenze überschritten worden. Von einem Kunden, der nicht warten wollte, wurde sie als Nazi beschimpft. Das, so berichtet sie, sei zu viel gewesen, sie schaltete die Polizei ein.

Es war an einem der Anmeldetage für neue Kunden. Ein Duo parkte mit einem Wagen auf den Parkplätzen des Hundevereins, was nicht erlaubt ist. Die beiden Männer wurden aufgefordert, den Wagen woanders abzustellen. In der Zwischenzeit sind andere Kunden der Tafel bedient worden.

Als die Männer zurückgekehrt waren, Asylbewerber wie Muhic sagt, wurde ihnen gesagt, dass man zunächst eine ältere Dame und eine Frau mit Kind bedienen werde. Darauf schimpfte einer der Männer in seiner Landessprache. Aufgrund der Art und Weise sowie der Lautstärke geht Muhic davon aus. Zudem habe der Mann wild gestikuliert, sei sehr laut und aufbrausend gewesen.

Auf einmal habe er ganz gut deutsch gesprochen, habe gesagt, er sei jetzt an der Reihe. Auf den Hinweis, er sei jung und müsse sich gedulden, fiel die Beleidigung, so Muhic. "Er hat mich als Nazi beschimpft." Das wollte sie sich nicht gefallen gelassen, sagte, sie rufe die Polizei. Als der junge Mann merkte, dass es keine leere Drohung sei, sondern sie es ernst meinte, habe er mit seinem Begleiter das Gelände der Tafel verlassen.

Es komme häufig vor, dass Kunden schimpfen, sagt Muhic. Gerade Männer aus bestimmten Ländern hätten ein Problem, wenn ihnen eine Frau sagt, an welche Regeln man sich zu halten habe. Es liege auch daran, dass nicht jedem klar sei, wie das Verfahren bei der Tafel sei. Sie erhalten die Adresse von den Behörden, gehen deshalb davon aus, dass es eine städtische oder staatliche Einrichtung sei. Sie meinen, dass sie Lebensmittel erhalten, wenn sie vorbeikommen.

"Ich habe auch mit deutschen Kunden Ärger, aber ihnen kann ich es erklären", sagt Muhic. Bei den Menschen mit Migrationshintergrund sei das nicht immer der Fall.

Solche Situationen wie an jenem Anmeldetag wirken fatal auf die ehrenamtlichen Helfer. Davon gibt es zurzeit 28, daneben helfen noch zwei im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes sowie drei Mitarbeiter, die über das Programm soziale Teilhabe zur Tafel gekommen sind. Es ist ein Problem, dass viele der älteren Helfer sagen, es mache keinen Spaß mehr, sie wollen auch freundlich von den Kunden behandelt werden, ein Dankeschön gebe es immer seltener.

"Ich weiß nicht, ob die Ehrenamtlichen weitermachen, wenn nicht, dann stehen wir vor einem ganz großen Problem", meint Muhic. Immer öfter höre sie von den Helfern, dass es traurig ist, dass unter den Tafelkunden die Menschen, die am meisten Verständnis erwarten, den Helfern gegenüber am wenigsten Respekt erweisen.

Zwar gehe die Zahl der Flüchtlinge zurück, so Muhic, die Zahl der Menschen, die auf Lebensmitteln von der Dinslakener Tafel angewiesen sind, aber nicht.

(mt)
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