Hans Martin Seydel aus Voerde hat mit dem Segelboot Großbritannien umrundet

Zwei Monate auf See : Ein Voerder umsegelt Großbritannien

Hans Martin Seydel, Ex-Stadtplaner in Voerde, hat mit  Eintritt in den Ruhestand eine Segeltour unternommen. Er hat die britischen Insel umrundet. Von seinen Elebnissen berichtet er nun im Rathaus.

Endlich, gegen Mitternacht dreht der Wind und bläst nicht mehr von vorn. Schon als Hans Martin Seydel und seine Crew viele Stunden vorher Milford Haven mit dem Segelboot in Richtung der Scilly Islands verlassen, zeigt sich das Wetter von seiner rauen Seite: Gegenwind, hohe Wellen und Regen begleiten sie auf diesem Abschnitt ihrer Tour. „Das war eine harte Sache“, erinnert sich Hans Martin Seydel, „aber man wird wieder entschädigt.“ Und so ist es: Am anderen Morgen reißt der Himmel auf, die Sonne scheint, als hätte es all die Widrigkeiten vorher nicht gegeben. Am Ende der zweimonatigen Reise, über die Hans Martin Seydel in einigen Tagen bei einem Filmvortrag berichtet, wird er sagen, dass dies der „anstrengendste Teil“ war. Ganz kurz nach seinem letzten Arbeitstag bei der Stadt – Hans Martin Seydel war lange Jahre Leiter des Planungsamtes und zuletzt, bis zu seinem Ausscheiden in den Ruhestand, Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung und Baurecht – beginnt an jenem 2. Juli 2017 die große Segeltour, die ihn einmal um England herum führen soll.

Mit dem Eintritt in den Ruhestand hat er die Zeit für eine solch lange Tour. „Das war ein schöner Wendepunkt zwischen Beruf und etwas Neues machen“, sagt Seydel. Und – wie passend – der Voerder kann seinen Sohn Leon mitnehmen. Der 18-Jährige hat gerade sein Abitur gebaut und bis das Studium beginnt, vergehen noch etliche Wochen. Von Warns im Ijsselmeer aus – dort liegt das Segelboot der Seydels – machen sich Vater und Sohn in den Nordwesten Europas auf. Beide bilden die Stammcrew, der andere Teil der insgesamt vierköpfigen Besatzung wechselt. Freunde von Hans Martin Seydel kommen an und gehen von Bord. „Ich bin kein Alleinsegler“, berichtet der frühere Voerder Stadtplaner. Auf dem Meer möchte er mindestens zu zweit sein.

Nach zweieinhalb Tagen erreicht das Segelboot Whitby. Auf dem Weg dorthin muss der Motor viel Hilfe leisten – es ist nicht das erste und einzige Mal, dass die Segler auf ihrer Reise eine lange Flaute erleben. Die Ostküste Englands entlang in Richtung Norden erwartet die Reisenden dann der landschaftlich „schönste“ Part ihrer langen Route: Die Reise führt durch den Kaledonischen Kanal (Caledonian Canal), der die Ost- und Westküste Schottlands verbindet. Hans Martin Seydel gerät ins Schwärmen: „Das ist wie Bergwandern mit dem Boot – hohe Berge rechts und links und Seen, die es sonst nur in den Alpen gibt.“ Allerdings gilt es dort, eine Vielzahl von Schleusen zu passieren.

Eine „gefährliche Stelle“ liegt an der 15 Meilen langen Menai-Strait, eine die Insel Anglesey vom walisischen Festland trennende Meerenge. Auf einem Teilstück (zwei Meilen) herrschen „extreme Gezeitenströmen“, das Segelboot muss zwischen Felsen und Ecken manövriert werden. Die ideale Zeit, diesen Teil zu passieren, weil es dann etwa 20 Minuten keine Strömung gibt, ist an jenem Tag um 21.33 Uhr. Es ist schon dunkel, als die Seydels und ihre Crew, die vorher dort geankert haben, die Herausforderung annehmen. „Das war schon ein bisschen mit Herzklopfen“, sagt Hans Martin Seydel. Angst habe er selten, vielmehr packt ihn schon mal die Ungeduld, etwa wenn der scharfe Gegenwind so gar nicht nachgeben will.

Das Segelboot schippert unter anderem auf schottischen Gewässern, den Inneren Hybriden, auf der irischen See, steuert die Isle of Man und von Milford Haven in Süd-Wales aus die Scilly Islands an. Durch den Ärmelkanal, an der Küste Südenglands entlang geht es zurück in die Nordsee weiter zum Liegeplatz im Norden der Niederlande. Auf der Route viele Landgänge zu machen, war schwierig, schließlich war der Zeitraum während der Reise wegen der Wechsel der Besatzung genau festgelegt.

Das Segelboot schipperte unter anderem auf schottischen Gewässern, den Inneren Hybriden oder auf der irischen See. Foto: Privat

Was ihm das Segeln gibt? Hans Martin Seydel überlegt nicht lange. Es ist die Mischung aus Naturwissenschaften, Wetter und Natur bis hin zu der Herausforderung, Situationen überwinden, Lösungen finden zu müssen – und das auch „unter schwierigen Umständen“. Es soll nicht das letzte Mal gewesen sein, dass sich Hans Martin Seydel diesen „komplexen Anforderungen“ stellt. Er würde gern eine Segeltour durch die Bretagne unternehmen.

(P.K.)
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