Dinslaken: Gymnasiasten fragen, Politiker antworten

Dinslaken: Gymnasiasten fragen, Politiker antworten

Am Sonntag ist Bundestagswahl. Am Theodor-Heuss-Gymnasium (THG) wird diese heute schon simuliert. Gestern durften die Schüler den Bundestagskandidaten des Wahlkreises bei einer Podiumsdiskussion selbst Fragen stellen.

Im Forum des THG legten die Schüler des Sozialwissenschafts-Leistungskurses der Schule die Regeln für die Bundestagskandidaten des Wahlkreises Oberhausen/Dinslaken klar fest: Jeder von ihnen soll zwei Minuten Zeit haben, um auf eine Frage der Schüler zu antworten.

Die kommen zuerst von den Moderatoren der Diskussionsrunde, an der Marie-Luise Dött (CDU), Dorothea Dresenkamp (FDP), Dirk Vöpel (SPD), Tom Wagener (Grüne, als Ersatz für Bärbel Höhn), Niema Movassat (Die Linke) und Andreas Ronig (Piraten) teilnahmen. Bei einigen Themen wie der Frage nach einem Mindestlohn und den Perspektiven des Arbeitsmarktes herrschte zumindest zwischen SPD, Grünen, Linkspartei größtenteils Einigkeit — und auf der anderen Seite zwischen CDU und FDP ebenso. Lagerwahlkampf.

Wo die einen einen gesetzlichen Mindestlohn wollen, möchten die anderen das den Tarifparteien überlassen. Eine weitere Lösung hatte Andreas Ronig parat: "Wir fordern ein bedingungsloses Grundeinkommen, bei der Mehrleistung entsprechend belohnt wird", erklärte der Kandidat der Piraten-Partei. Und kam mehrfach auf dieses Thema zurück — auch an eher unpassenden Stellen. Das Publikum aus Schülern reagierte auf einige Aussagen der Politiker durchaus kritisch.

Als Marie-Luise Dött Bildungskredite für Studenten anpries, kam es zu Zwischenrufen. Unglücklich ebenfalls, dass die CDU-Kandidatin versuchte, die Aussage von Niema Movassat, andere Länder gäben gemessen an ihrer Bevölkerung wesentlich mehr Geld für Bildung aus, mit einem Verweis auf die absoluten Ausgaben in Deutschland zu kontern. Unruhe, Kopfschütteln und hier und da Gelächter von den Schülern.

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Auch Dorothea Dresenkamp tat sich schwer, beim jungen Publikum zu punkten. Zum einen, weil sie — wie Andreas Ronig — vergleichsweise wenig redete. Zum anderen, weil sie einen zumindest fragwürdigen Vergleich zwischen Leiharbeit und Unternehmensberatung zog: "In beiden Fällen holen sich Unternehmen Fähigkeit und Wissen von außen, die sie nur für eine begrenzte Zeit brauchen."

Dirk Vöpel und Niema Movassat schafften es, besonders mit ihren Aussagen zur Lage der Studenten in Deutschland, die Gymnasiasten zu begeistern. Beide sprachen sich für eine Förderung für alle Studenten und gegen eine Verschuldung fürs Studium aus. "Es gibt allerdings durchaus noch Unterschiede zwischen der SPD und der Linkspartei", betonte Vöpel. Tom Wagner brachte zwar Umweltschutz und Energiepolitik in die Diskussion ein, punktete aber vor allem beim Thema Datenschutz. "Wenn die Kanzlerin sagt, das Internet ist Neuland, dann frage ich mich, wo sie lebt. Da fühle ich mich veräppelt", sagte der Kandidat der Grünen für den Wahlkreis 113. Lacher und Applaus von den Schülern.

Ansonsten entsprachen die Aussagen der Kandidaten zum Großteil den Programmen ihrer jeweiligen Parteien. Applaus gab es am Ende für alle sechs Politiker.

(fla)
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