Gregor Meyle beim Fantastival

Dinslaken: Beste Stimmung im Burgtheater : Gregor Meyle eröffnet Fantastival mit Wohlfühlsongs

Gefühlvolle Balladen und Ausflüge in Samba, Reggae und Folk: 2300 Besucher sangen die Hits des Sing meinen Song-Stars mit.

Dinslaken (bes) Schon auf der Wiese vor dem Ententeich war kein Platz mehr frei. Wer für das Konzert keine Karten mehr ergattert hat – oder auch nicht wollte – breitete seine Picknickdecke auf den Gratis-Plätzen mit 100-prozentiger Sichtbehinderung aus. Der Freilicht AG als Veranstalterin konnte das in diesem Fall egal sein. Die Kapazität des Burgtheaters ist in diesem Jahr auf 2300 Plätze erhöht worden und die Veranstaltungen sind bis auf eine ausverkauft. „Wenn ihr so weiter macht, kommen wir in zwei Jahren nochmal“, freute sich Gregor Meyle zum Fantastival-Start am Freitagabend über seine Beliebtheit beim Dinslakener Publikum.

Wobei das mit den Plätzen bei Gregor Meyle eine Sache für sich war. „Hach, jetzt auch noch Sitzpublikum“, seufzte der Mann mit dem Hut, der Brille, aber ohne Schuhe gleich als er die Bühne betrat. Das bedeutet nämlich noch mehr Animation für den Songpoeten, der so gerne in den Refrains seiner Lieder das Tempo herausnimmt, um diesen besonderen und bei den Fans so beliebten, tröstlichen Meyle-Wohlfühl-Touch zu erzeugen. „Aufstehen!“ und zu gegebener Zeit „Ihr könnt euch jetzt wieder setzen“ standen für den Rest des Abends gleichberechtigt neben der Animation zum Mitsingen. Gleich der erste Titel bot nicht nur die Möglichkeit zum lokalen Bezug, „in Dinslaken bin ich zu Haus’“, sondern auch einen „La-la-la“-Refrain zum Einsingen. Und es wurde gesungen. Selbst als Gregor Meyle drei neue Songs in Folge spielte, die erst auf dem im Oktober erscheinenden Album veröffentlicht werden, gelang es ihm mühelos, das Publikum im Burgtheater zum Chor zu machen. Um so bemerkenswerter, weil es neue Titel in der Regel bei Live-Konzerten schwerer haben.

Aber Gregor Meyle erwies sich insgesamt einmal mehr als Idealkandidat fürs Fantastival. Es gibt nämlich ein Erfolgsrezept, das hat sich in den letzten 20 Jahren klar herauskristallisiert. Sommerabend-kompatibel, musikalisch handgemacht und aus Funk und Fernsehen so vertraut, dass man sich den Künstler oder die Künstlerin hier vor Ort in Dinslaken auf jeden Fall mal anschauen möchte. Wenn die Kriterien erfüllt sind, ist der perfekte Abend vor vollem Haus garantiert. Und Meyle – „Hand aufs Herz“ erfüllt dies alles. Da brauchte das Team vom Meyles Merchandize-Stand Lea Eickhoff nicht einmal das „Behalt’ dein Lächeln im Gesicht“-T-Shirt schenken - was es aber doch tat.

GREGOR MEYLE UND BAND geben am Freitag, den 20.07.2018 im Burgtheater Dinslaken das Auftakt Konzert des Fantastival s 2018. Organisiert wird diese Veranstaltung ehrenamtlich von der Freilicht AG.Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Services. Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi

Es ist unvollständig, nur über Meyle zu sprechen und er selbst wurde nicht müde, die Musiker seiner Band (der ursprünglichen „Sing meinen Song“-Formation) hervorzuheben. Christian Herzperger spielt auf seiner Violine alles zwischen Irish Folk und E-Gitarre-Solo, mit Klavier, zwei Violinen und einer Bläsersektion ist die Band für Ausflüge in alle Stilrichtungen ausgestattet. Zwei der drei neuen Songs verbreiten brasilianisches bzw. mexikanisches Temperament, gegen Ende des Konzertes halten Reggae und Country Einzug in Meyles Pop-Gefilde. Und nicht zu vergessen Laura Bellon, laut Meyles Einschätzung „Deutschlands beste Sängerin, die ihre Karriere dieser Band opfert. Sie sang das durch die Coverversion von Sarah Connor zum Hit gewordene „Keiner ist wie du“.

Meyle schreibt Liebeslieder, vor allem aber „Mut-Mach-Lieder“ für Erwachsene. Seine Glaubwürdigkeit untermauert er mit seinem sozialen Engagement, erst am Tag vor dem Fantastival-Konzert kam er aus Südafrika zurück, wohin er eine Hilfslieferung an Hörgeräten für gehörlose Kinder begleitete. Und 2015 trat er mit seinen Bandmitgliedern als Straßenmusikern in mazedonischen Flüchtlingscamps auf. Ganz zum Schluss fordert Meyle vom Publikum, das ausgelassen bei jedem Song wippte und tanzte, dazu auf, ganz, ganz still zu sein. Dann versammelten sich die Musiker auf der Vorbühne um nur ein Sprechmikrofon und spielten rein akustisch – das Burgtheater gibt dies als Freilichtbühne her. Auch der Applaus, der danach aufbrandete, brauchte keine Verstärkung, er erhob sich brausend in den nächtlichen Himmel.

(bes)