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Reportage Am Montag: Gras und Getreide für eine leckere Gans

Reportage Am Montag : Gras und Getreide für eine leckere Gans

Das weiß gefiederte Geflügel von Stadtbauer Vahnenbruck kommt zum Martinsfest nicht auf den Teller.

Wenn von "Sonne, Mond und Sterne" gesungen wird und Kinder mit ihren selbst gebastelten Laternen durch die Straßen ziehen, dann ist Sankt Martin. Neben den traditionellen Liedern oder den Umzügen gehört auch das Martinsgansessen zu den beliebtesten Bräuchen zum Gedenktag für den Heiligen Martin von Tours.

In diesen Tagen ist die Nachfrage nach den Vögeln besonders groß. Dennoch scheint's, als ob das weiß gefiederte Geflügel beim Dinslakener Stadtbauern Vahnenbruck in diesen Tagen besonders fröhlich schnattert. Vielleicht ahnen die 24 Gänse ja, dass sie zum Martinsfest nicht auf dem Teller landen. Noch nicht, denn sie sind keine Martinsgänse, sondern allesamt Weihnachtsgänse.

Der Stadtbauer kaufte die Gänse zum Preis von neun Euro im Mai als Küken in Alpen. Rund vier Wochen waren sie damals alt, bevor mit der großen Wiese hinter dem Bauernhof an der Konrad-Adenauer-Straße ein neuer Platz für sie gefunden wurde, an dem sie mächtig an Gewicht zulegen können. "Das Gras ist neben unserem hofeigenen Getreide wie Weizen ihr einziges Futter und zu trinken bekommen sie Wasser", erklärt Johannes Vahnenbruck.

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Der 24-Jährige ist der Sohn von Heinrich Vahnenbruck und möchte den Betrieb nach seinem Agrarwissenschaftsstudium in Soest später einmal übernehmen. Ein Jahr vor seinem Uni-Abschluss ist er bereits mit der Arbeit auf dem Hof bestens vertraut und kennt sich auch mit den pflegeleichten Gänsen aus: "Eigentlich muss man auf sie nur ein bisschen aufpassen, wenn sie noch Küken sind. Dann sollten die Tiere nicht zu nass werden. Aber später macht ihnen der Regen nichts mehr aus, und sie bleiben die ganze Zeit draußen auf der Wiese, wo sie sich notfalls an einer Hütte unterstellen können."

Das Leben der Weihnachtsgänse von Vahnenbruck endet am 22. Dezember, wenn sie sich ein Gewicht von rund fünf Kilogramm angefuttert haben. Zu mager dürfen sie nicht sein, weil Fett ein guter Geschmacksträger ist. Einige Tiere schon zu Sankt Martin zum Schlachter zu bringen, macht für den Stadtbauern aus zweierlei Sicht keinen Sinn.

Zum einen, weil das Gewicht zu diesem Zeitpunkt noch nicht stimmt, zum anderen, weil das Gruppengefüge der Gänseschar zerstört werden würde. "Unter den Tieren herrscht ein großer Zusammenhalt und wenn dann ein paar Gänse nicht mehr zurückkommen würden, würde die Gruppe zunächst trauern.

Und weil man vermutlich die größten und schwersten Tiere als erstes schlachten würde, müsste die Gruppe untereinander wieder eine neue Rangordnung finden. Die Tiere dürfen aber nicht traurig in der Ecke sitzen, sondern sollen munter sein und dürfen auch einmal Lärm machen", weiß Johannes Vahnenbruck, der auf eine artgerechte Haltung großen Wert legt: "Wir wollen die Tiere vernünftig halten und nicht den maximalen Profit ermöglichen."

Nach der Schlachtung, sie findet wieder in dem Betrieb in Alpen statt, bewahrt Vahnenbruck die Gänse im Kühllager auf. Dann bleiben sie für die Kunden bis Weihnachten frisch. "Die Gänse einzufrieren, kommt für uns nicht in Frage. Bei den Gänsen aus Polen im Supermarkt ist das anders. Die werden ja teilweise schon im Oktober für Weihnachten eingefroren, sind aber dafür bedeutend billiger", meint der 24-Jährige, dessen Gänse rund zehn Euro pro Kilogramm kosten: "Sie sind aber alle schon vergeben. Meistens sind es Stammkunden, die gleich nach Weihnachten schon wieder für das nächste Jahr vorbestellen."

(RP)