1. NRW
  2. Städte
  3. Dinslaken

Dinslaken: Goldfische auf dem Altar

Dinslaken : Goldfische auf dem Altar

Bellen, Schnurren und munteres Kindergeschnatter erklang am Sonntagmorgen im Pfarrgarten von Sankt Vincentius. Zu Ehren von Franz von Assisi feierte die Gemeinde einen Kindergottesdienst mit Haustieren.

Rocky guckt noch etwas ängstlich. Der kleine Jack Russel-Münsteraner-Mischling fühlt sich offensichtlich etwas bedrängt vom stürmischen Labrador Napoleon, der unter den Bierbänken hinweg erste Kontakte zu knüpfen versucht. „In der Kirche ist heute nichts los, wir sind alle im Garten“, ruft Pastor Kösters unterdessen zwei Passanten entgegen. Zu Ehren des heiligen Franz von Assisi, der ein ausgesprochener Tierfreund war und dessen Namenstag die Gemeinde am 4. Oktober gefeiert hatte, lud die Pfarrgemeinde Sankt Vincentius gestern zu einem Kindergottesdienst mit Haustieren ein. Schon am frühen Morgen hatten der Pastor und seine fleißigen Helfer Bänke und Stühle in den Pfarrgarten getragen, einen provisorischen Altartisch aufgebaut und diesen statt mit dem üblichen Blumenstrauß, mit einem großen Goldfischglas inklusive Sauerstoffpumpe verziert.

Rocky gegen Napoleon

„Wir haben Rocky seit Tagen auf seinen großen Tag vorbereitet“, lacht seine zehnjährige Besitzerin Joelina. Und ihre achtjährige Schwester Charline fügt hinzu: „So ein Gottesdienst mit Tieren macht einfach viel mehr Spaß!“ Ob der drahtige Rocky das ebenso sieht, bleibt dahingestellt. Pastor Kösters ist sein unsicherer Blick jedenfalls nicht entgangen und so veranlasst er kurzerhand einen Sitzplatzwechsel. So thront Rocky schon wenige Minuten später selig und zufrieden auf dem Schoß seiner jungen Besitzerin am anderen Ende der Bank.

  • Dinslaken : Weihnachten in der Gemeinde Sankt Vincentius
  • Goch-Kessel : Denkmal für Hubert Kösters vom Heimatverein
  • Die Welle der Arbeitsaufträge für die
    Arbeitsbelastung muss erträglich sein : Die Verwaltung nicht überfordert werden

Etwas unkomplizierter ergeht es dem zehnjährigen Christian mit seiner Katze Gina. Die ist mit ihren 17 Jahren nämlich schon „eine alte Oma“ und weiß sich während einer Messe angemessen zu verhalten. Auf dem Arm von Christians Mutter gemütlich zusammen gerollt, schaut sie dem bunten Treiben von Kaninchen, Meerschweinchen und anderen Vierbeinern eher unbeeindruckt zu.

Oma Gina und der Sittich

„Sie hat sich richtig gefreut, als wir ihr heute Morgen das Geschirr und die Leine angelegt haben“, erklärt Christian. Ganz so gezähmt, wie es in dieser Beschreibung klingt, ist Gina dann aber doch nicht. Plötzlich, zwischen dem Gesang von „Komm, bau ein Haus“ und den Fürbitten, entdeckt sie einige Bankreihen weiter vorne einen hellblauen Wellensittich. Dumm nur, dass sich das bunte Federvieh auf den zweiten Blick Plastikattrappe enttarnt. „Ich habe zuhause einen echten Sittich. Aber der macht viel zuviel Krach, deshalb habe ich ihn nicht mitgebracht“, erklärt die achtjährige Anna der zehnjährigen Maximiliane, deren Zwergkaninchen „Wuschelchen“ schon zum zweiten Mal mit dabei ist, und „sozusagen Gottesdienst-erfahren“ daher kommt.

Stoffsau an der Leine

Ganz frisch unter den Kirchengängern ist dagegen die pinke Stoff-Sau „Schweinchen“, die der fünfjährige Andreas an einer Leine hinter sich herzieht und damit für belustigte Blicke sorgt. Für so viel Albernheit hat Rocky keine Zeit. Er wirft dem ungestümen Napoleon nach dem Gottesdienst warnende Blicke zu. Von Joelinas Arm aus, natürlich.

(RP)