Gisela Barking: 50 Jahre im Autohaus Elspass

Dinslaken: Gisela Barking: 50 Jahre im Autohaus

Im August 1968 begann die heute 64-Jährige ihrer Ausbildung zur Bürokauffrau im Autohaus Elspass. Jetzt verabschiedet sich die Tochter des Firmengründers Wilhelm Elspass Senior nach fünf Jahrzehnten in den Ruhestand.

An ihr erstes Gehalt kann sich Gisela Barking noch genau erinnern. „Ich habe im ersten Lehrjahr ein Bruttogehalt von 80 Mark im Monat bekommen“, erzählt die 64-Jährige. „Heute kann man sich das gar nicht mehr vorstellen.“ Wenn sie heute, 50 Jahre später, durch die Räumlichkeiten des Autoland Elspass läuft, dann macht sie das mit gemischten Gefühlen. „Ich gehe hier mit einem lachenden und einem weinenden Auge durch die Ausstellung“, sagt Gisela Barking mit Blick auf ihren bevorstehenden Abschied in den Ruhestand. Denn das Autohaus war fünf Jahrzehnte lang das Zentrum ihres Lebens.

Als Tochter der Firmengründers Wilhelm Elspass kam sie 1968 in den Betrieb. „Eine Extrawurst gab es für mich in der Ausbildung allerdings nicht. Ich habe alle Stationen und Abteilungen hier im Betrieb durchlaufen, abgesehen von der Werkstatt“, erzählt sie. Aber das war schließlich auch nicht ihre Aufgabe. Die bestand vor allem darin, Autos zu verkaufen. „Das Autohaus war damals eine reine Männerwelt“, berichtet Gisela Barking. Sie selbst war die einzige Frau im Verkauf, wurde aber von ihren männlichen Kollegen akzeptiert - und das nicht nur im eigenen Unternehmen. Was wohl auch auf ihren Erfolg zurückzuführen sein dürfte. „Ich war über Jahre die einzige Frau, die als Verkaufsleiterin von Opel zu Tagungen eingeladen wurde“, berichtet sie. Eine Frau allein in einer Männerwelt.

Das hat sich mit der Zeit geändert. Im Autohaus Elspass gab es schon früh immer wieder weibliche Auszubildende – auch beim Verkaufspersonal. „Mittlerweile haben wir auch viele Autohändlerinnen hier im Betrieb“, sagt Gisela Barking. Aber das ist natürlich nicht das Einzige, was sich in den fünf Jahrzehnten, die sie in der Firma ist, geändert hat. Früher gab es noch keine Computer. „Man bestellte die Autos über Lochkarten, die dann beim Hersteller eingelesen wurden“, erzählt Gisela Barking. „Außerdem hat man damals noch viel übers Telefon geregelt und hatte da ganz andere Kontakte zu den Herstellern. Heute läuft das alles über E-Mail.“ Was nicht unbedingt besser ist, wie ihr Bruder, Karl-Heinz Elspass, Geschäftsführer des Autohauses erläutert. „Früher konnte man noch mal eben schnell Dinge wie die Wagenfarbe ändern, nachdem ein Kunde sein Auto bestellt hatte. Heute ist so etwas fast unmöglich“, erklärt er.

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Und die Bestellung von Neuwagen fiel ganz in Gisela Barkings Aufgabenbereich. Als leitende Disponentin des Autohauses kaufte sie die Neuwagen ein, war ab 1977 als Prokuristin die direkte Stellvertreterin ihres Vaters. „Sie war schon lange hier, bevor wir alle kamen“, erklärt Karl-Heinz Elspass. Ihre Stellung als Prokuristin hat sie bis heute behalten. Doch jetzt geht sie nach fünf Jahrzehnten im Unternehmen in den Ruhestand. Am 1. August wird sie im Kreise aller Mitarbeiter des Autohauses verabschiedet. „Ich habe mir vorgenommen, mir mehr Zeit für die Familie zu nehmen und mich um meine drei Enkelkinder zu kümmern“, sagt Gisela Barking.

So ganz wird sie dem Unternehmen aber nicht abhandenkommen, denn das Autohaus ist noch immer ein Familienbetrieb. „Ich werde zwar nicht mehr jeden Morgen um 7 Uhr hier auftauchen, aber sicherlich noch mal hin und wieder vorbeischauen, einen Kaffee trinken und sehen, ob alles gut läuft“, sagt Gisela Barking. So startete die 64-Jährige früher auch immer ihre Urlaube: Am ersten Urlaubstag war sie morgens noch immer im Betrieb, um nach dem Rechten zu sehen.

„Und vielleicht hat ja jemand noch hin und wieder eine Frage an mich“, sagt Gisela Barking. Auf ihre 50-jährige Erfahrung in der Branche werden die jüngeren Mitarbeiter im Autohaus also auch in Zukunft noch immer mal wieder zurückgreifen können.

(fla)
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