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Gentests zeigen: Wölfin Gloria steckt hinter zehn Angriffen

Serie von Attacken auf Weidetiere im August : Gentests zeigen: Wölfin Gloria steckt hinter zehn Angriffen

Eine Serie von Angriffen auf Weidetiere im August ist „aufgeklärt“. Die Niederrhein-Wölfin Gloria wurde durch Gentests identifiziert, zehn von insgesamt elf Fällen im Wolfsgebiet Schermbeck gehen demnach sicher auf ihr Konto.

Niederrheinwölfin Gloria ist für die Reihe von Angriffen auf Weidetiere im August verantwortlich. Binnen vier Wochen hatte es im Wolfsgebiet Schermbeck elf solcher Vorfälle gegeben, die aufgrund der Spuren überprüft werden konnten. Nach Untersuchungen von Genmaterial ist Gloria nun für zehn dieser Fälle zweifelsfrei „überführt“. Das teilt das Umweltministerium des Landes NRW mit.

„In neun Fällen gab es jedoch keinen ausreichenden Schutz gegen Wolfsübergriffe, in zwei Fällen entsprach der Schutzzaun nach einer ersten Bewertung dem empfohlenen Standard“, erläutert das Ministerium. „Eine abschließende Beurteilung der Herdenschutzmaßnahmen durch die Landwirtschaftskammer steht noch aus.“ Herdenschutzhunde gab es nirgends.

Nach dieser „Phase intensiver Rissereignisse“ habe es seit dem 27. August bis jetzt auch keine registrierten Attacken mehr gegeben. „Offenbar ernährt sich die Wölfin über weite Strecken von ihrer natürlichen Beute, wie Wildschweinen, Rehen oder Rothirschen.“ Nicht zuletzt unterscheide sich die Zahl der Wolfsangriffe in der Region in diesem Jahr nicht signifikant von den Zahlen der Vorjahre. 2018 habe es 18 Vorfälle gegeben, 2019 waren es 19, „und bislang sind es 14 Übergriffe im Jahr 2020“.

Landesumweltministerin Ursula Heinen-Esser wird in den Ausführungen des Ministeriums mit besorgten Worten zitiert: „Eine solche Häufung wie im August hatten wir in Nordrhein-Westfalen bis jetzt noch nicht, wir nehmen das sehr ernst.“ Sie warb für Herdenschutzmaßnahmen. Es sei das Ziel der Landesregierung, dass die Weiden durch solche Vorkehrungen geschützt würden.

Der Präsident des Landesumweltamtes, Thomas Delschen, nannte es „ein auffälliges Verhalten im Bezug auf Weidetiere“, wenn die Wölfin „in einzelnen Fällen, aber wiederholt auch in offenbar geschützte Weiden eindringt“. Man prüfe, ein Gutachten dazu kurzfristig in Auftrag zu geben.

Einen Wolf zu erschießen, gilt von Gesetzes wegen als „Ultima Ratio“, als letzte Lösung. Zuvor muss geprüft werden, ob es „mildere Mittel“ gebe, wie zum Beispiel den Einsatz von Herdenschutzhunden oder das nächtliche Aufstallen.

(RP)