Gemeinsam feiern, Inklusion ganz nebenbei im ND-Jugendheim Dinslaken

Das Miteinander feiern : Gemeinsam feiern – Inklusion nebenbei

Das ND-Jugendzentrum und die Lebenshilfe Dinslaken hatten zum Tag der Begegnung eingeladen. Menschen mit und ohne Behinderung kamen, um gemeinsam zu feiern. Die Idee war „inklusiv“, und das klappt auch in der Praxis.

Das ND-Jugendzentrum nahe der Dinslakener Innenstadt ist gut gefüllt. Zum „Tag der Begegnung“ sind zahlreiche Besucher sind gekommen. An diesem Tag sollen Menschen mit und ohne Behinderung sich in und um das Jugendzentrum treffen, um gemeinsam zu feiern. Ein Stück gelebte Integration im Herzen der Stadt. Aber gelingt diese auch?

Auf den ersten Blick ist das nicht einfach zu beantworten. Denn man sieht vielen Menschen mit Behinderung diese nicht an. Außerdem findet gerade eine Tanzdarbietung im großen Saal des Jugendzentrums statt, und im Publikum sitzen die Menschen dicht an dicht – Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam. Im Fokus steht allerdings das Programm auf der Bühne. Im Publikum schauen alle gebannt auf die Darbietung, spenden am Ende Applaus.

Auch Ergün Aslan und Kira Denkewitz sind begeistert. Beide haben eine geistige Behinderung und kommen jedes Mal zum Tag der Begegnung ins ND-Jugendzentrum. „Der Tag der Begegnung gefällt mit immer ganz gut“, sagt Ergün. „Da ist es immer schön hier.“ Zusammen mit Kira hat er bereits Boote gebastelt, die gleich auf dem Rotbach, der direkt vor der Tür des Jugendzentrums liegt, schwimmen sollen. Für die beiden gibt es allerdings einen anderen Höhepunkt im Programm: „Wir freuen uns besonders auf die Fudies!“, sagt Ergün begeistert. Die integrative Rockband ist vermutlich das prominenteste Beispiel für gelungene Integration in der Stadt.

Auf der Wiese hinter dem ND-Jugendzentrum ziehen gerade Hunde der Hundeschule alle Blicke auf sich. Besonders die Kinder sind begeistert davon, den Tieren ganz nahe kommen zu können. Ob sie eine Behinderung haben oder nicht ist dabei vollkommen egal – es scheint auch niemand darauf zu achten. Angela Süselbeck ist mit ihrer neunjährigen Tochter Sina zum Tag der Begegnung gekommen. Sie weiß, dass Integration im ND-Jugendzentrum zum Alltag gehört und auch beim Tag der Begegnungen gelebt wird. „Meine Tochter ist regelmäßig hier, und sie geht mit dem Thema Behinderung ganz offen um. Hier wird auch niemand ausgegrenzt, weil er eine Behinderung hat“, sagt sie.

Das gleiche berichtet auch Susanne Onck, die mit ihren siebenjährigen Zwillingstöchtern Nele und Mila zum Tag der Begegnung gekommen ist. „Die beiden sind in eine integrative Kindertagesstätte gegangen und haben dort schon Kinder mit Behinderung kennengelernt“, erzählt Susanne Onck. Die beiden Mädchen haben da keine Berührungsängste.

Das Motto des Tags der Begegnung lautete „Alle in einem Boot“. Ergün Aslan und Kira Denkewitz haben dazu passend Boote gebastelt. Foto: Martin Büttner

 „Integration ist bei uns mittlerweile Alltag geworden“, sagt Martin Baumann, der pädagogische Leiter des ND-Jugendzentrums. „Es ist selbstverständlich, dass Menschen mit Behinderung zu uns kommen. Und da guckt auch keiner groß oder fragt, was sie haben.“ Der Tag der Begegnung ist für ihn eine Erfolgsgeschichte. Doch ein Problem hat das ND-Jugendzentrum: Das Ende der 1950er-Jahre gebaute Gebäude ist nicht barrierefrei.  Ein Problem, das man hier ganz pragmatisch angeht. „Wenn jemand mit einem Rollstuhl zu uns kommt, dann wird er eben einfach reingetragen“, sagt Martin Baumann. Ausgeschlossen wird im ND-Jugendzentrum niemand.

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