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Gedichte von Erich Fried in der Stadtkirche Dinslaken

Rendezvous nach Ladenschluss : Wer Fried war und was die Liebe ist

Mirko Schombert stellte im „Rendezvous nach Ladenschluss“ den vor allem für sein Gedicht „Was es ist“ populären Lyriker in dessen eigenen Worten vor. Eddi Arndt macht dazu Musik.

„Was es ist“, dazu haben alle ihre Meinung gesagt: die Vorsicht, der Stolz, die Angst, die Vernunft und natürlich die Liebe, die allen anderen das berühmte „Es ist, was es ist“, entgegenhält. Mirko Schombert aber versuchte am Dienstag im „Rendezvous nach Ladenschluss“ eine andere Antwort auf eine andere Frage zu geben: „Wer es ist“. Wer war dieser Erich Fried, der ein gewichtiges Wort in der politischen Lyrik der Nachkriegszeit hatte, aber dessen eines Liebesgedicht von bleibender Popularität ist?

Schombert hätte biografische Fakten aneinander reihen können: Erich Fried, geboren 1921 in Wien, als Jude nach London geflohen, nach dem Tod des Vaters durch Misshandlungen der Gestapo. Mehrmals verheiratet. Mitglied der Gruppe 47, sympathisierte mit der APO, ließ sich aber von niemanden vereinnahmen. Seine politischen Gegner nannten ihn einen „Stören-Fried“. Gestorben 1988.

Der Intendant der Burghofbühne  aber lässt in der Kooperationsveranstaltung der Burghofbühne und des Fördervereins Kultur und Evangelischen Kirche in Dinslaken Erich Fried sich selbst erklären. Von den frühesten Erinnerungen des hochbegabten Kindes bis zur Vorbereitung auf den Tod. Frieds Sprachgefühl, sein Talent, in Phrasen zu sprechen, um diese aufzubrechen und ihnen einen neuen Sinn zu geben, fällt in die Genie-Kategorie „es ist, was es ist“.

Aber Frieds Wachsamkeit beispielsweise gegenüber politischen Lügengebäuden ist nicht allein seinen Erfahrungen in der Nazi-Zeit geschuldet:

Als die Mutter eine Fehlgeburt erleidet, versuchte die Familie dem kleinen Erich einzureden, man habe ihn nie auf die Ankunft des „Klapperstorchs“ vorbereitet. Aber der Junge findet den Beweis, dass nicht seine Erinnerung ihn narrt, sondern er manipuliert werden soll. Ein Schlüsselerlebnis.

Frieds Werk ist gerade in der heutigen Zeit, wo die Rechte wieder zu erstarken droht, von Bedeutung. Aber so leidenschaftlich, wie Fried erklärte, dass das Leben erst dort begänne, wo das Handeln gegen Unrecht beginnt, so leidenschaftlich sind halt auch die Worte, die er für die Leidenschaft selbst fand. Erotik als die kleine, erlaubte Zuflucht in einer feindlichen Welt, Erich Fried suchte sie nur zu gerne. Warum auch nicht: „Sich lieben, ohne stumpf zu werden“, ist ja auch ein Appell gegen das Abstumpfen allgemein.

Liebeslieder und Protestsongs. Sie gibt es aber auch von anderen. Der Dortmunder Eddie Arndt sang in der Evangelischen Kirche mit seiner dunklen, rauen, starken Stimme Stücke von „Nothing can change this love“ bis Which side are you on, boy?“

Er war es aber auch, der die Liebe dann doch noch zum Schluss „es ist, was es ist“ sagen ließ: Er hat das Gedicht eigens für die Veranstaltung in der voll besetzten Stadtkirche neu vertont. Viel Applaus.

(bes)