Gedenkfeier am jüdischen Mahnmal in Dinslaken

Berufskolleg gestaltete Gedenkfeier: Wo Sprache verroht, verroht der Mensch

Zum 80. Mal jährte sich gestern der Jahrestag des Pogroms gegen die jüdische Bevölkerung. Eine Gedenkfeier fand am Leiterwagen-Mahnmal im Dinslakener Stadtpark statt, die von Jugendlichen des Berufsskollegs gestaltet wurde.

80 Jahre ist es her, dass in Deutschland die schlimmste Vernichtungsaktion begann, der Millionen Juden zum Opfer fielen. „Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung“, sagte Lehrer Jörg Götte zu Beginn der Gedenkfeier an das Pogrom vom 9. November 1938. Viele Menschen hatten sich im Stadtpark am Leiterwagen-Mahnmal des Künstlers Alfred Grimm versammelt, um sich gemeinsam an das Schreckliche zu erinnern, das damals auch in Dinslaken von hier lebenden Menschen begangen worden war. Gestaltet wurde die Gedenkfeier von angehenden Erzieherinnen und Erziehern des Berufskollegs.

Die Jugendlichen hatten sich im Vorfeld bereits mit der Dinslakener Geschichte befasst, besonders mit der Person von Leopold Strauß, einem damaligen Berufsschullehrer, und den Kinder des jüdischen Waisenhauses, die Opfer des Pogroms wurden. Auch gingen die Schüler des Berufskollegs der Frage nach, welchen Stellenwert das Erinnern und das Gedenken in der heutigen Zeit haben. Intensiv hat Jörg Götte sich mit den Akten zur Pogromnacht beschäftigt und dabei ist ihm die verrohte und menschenverachtende Sprache der Nationalsozialisten aufgefallen. „Lassen Sie uns alle wachsam sein und widerstehen, wo heute in der Politik und auch sonst wo die Sprache wieder verroht“, appellierte er an die Zuhörer.

Schüler des Berufskollegs gestalten die Gedenkfeier am Leiterwagen-Mahnmal im Dinslakener Stadtpark.⇥Fotos (2): Heinz Schild Foto: Heinz Schild

In der Gedenkfeier erinnerten die Schüler an das Schicksal des Lehrers Leopold Strauß, der während des Pogroms überfallen und misshandelt wurde und an den Spätfolgen gestorben ist; sie gedachten der Kinder des jüdischen Waisenhauses, die auf einen Leiterwagen gepfercht und so durch die Stadt transportiert wurden; und sie erinnerten an die brennende Synagoge.

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Bei der Vorbereitung der Veranstaltung fragten die Jugendliche sich, was für sie ein Gedenktag bedeutet: Ein Bedürfnis zur Erinnerung oder eher ein lästiger Anlass? „Erinnerung ist konkret, oftmals schmerzhaft. Sie macht uns fähig zu handeln und die Zukunft zu gestalten“, beantwortete ein Schüler die Frage. Um an Opfer wie Leopold Strauß zu erinnern, wurden in Dinslaken Stolpersteine verlegt. Viele Fragen beschäftigten die Jugendlichen. Warum müssen auch im Jahre 2018 Menschen immer noch Angst haben? Warum wiederholen sich Dinge aus der Geschichte, kann man denn nicht aus der Geschichte lernen? Ist Frieden im Kleinen und im Großen möglich? „Ich möchte am kleinen Frieden mitwirken, damit der große Frieden möglich wird“, sagte eine Schülerin

Gemeinschaftlich setzten die Schüler ein Bild zusammen, bestehend aus einen Judenstern, dem Dinslakener Stadtwappen, einer alten Ansicht des jüdischen Waisenhauses, einem Bild, das Grabmale auf dem jüdischen Friedhof zeigt, und einem Foto von einem Stolperstein. Fast schon eine kurze Aufführung stellte der „Weg der guten Vorsätze“ dar. Erzählt wurde die Geschichte von der Schülerin Nelly, die als Außenseiterin von ihren Mitschülern gehänselt und geärgert wird. In einem Traum begegnen ihr bekannte Menschen aus ihrem Umfeld, die ihr Ratschläge geben, wie: Hoffe, wo andere verzweifeln. Helfe, wo Hilfe nötig ist. Sprich die Wahrheit, wo sonst Lüge herrscht. Liebe, wo man hasst. Lache, wo man weint. Nelly kommt zu der Erkenntnis, dass man gemeinsam versuchen muss, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen.

Zum Abschluss der Gedenkfeier wurde mit einem Lied der Wunsch nach „Frieden für alle“ vorgetragen.

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