Dinslaken: „Geben kann man überall“

Dinslaken: „Geben kann man überall“

Peter Amendt, Ordensbruder des Franziskanerklosters Düsseldorf, sprach gestern im Johannahaus über selbst gewählte Armut. Ein Beitrag zur Ökumenischen Woche.

Die selbst gewählte Armut; ein Thema, das bei vielen Menschen Skepsis hervorruft. Oder wenigstens eine Menge Fragen aufwirft. Um jene zu beantworten, hatte Pfarrer Armin von Eynern den Franziskanerbruder Peter Amendt zum Gespräch geladen. RP-Mitarbeiterin Lena Steeg befragte den Geistlichen vorab zu diesem Thema.

Herr Amendt, beschreiben Sie doch bitte in einigen Sätzen den Inhalt ihres Vortrags.

Amendt Ich möchte mich in der heutigen Gesprächsrunde mit der Frage beschäftigen, welche Funktion die freiwillige Armut in einer Gesellschaft übernehmen kann, die sich immer stärker einer Spaltung von Arm und Reich ausgeliefert sieht. Nach dem Vorbild Franz von Assisis spreche ich damit nicht nur die materielle Dimension an, sondern gehe auch auf die geistige Basis dieses Weges ein. Heutzutage wird die materielle Armut ja vor allem als Reduzierung der eigenen Möglichkeiten gesehen. In der Armut kann ich allerdings auch eine Freiheit entdecken, eine Unabhängigkeit von dem, was mich festhält, was ich schützen muss, was mich von Gott entfremdet.

An wen richtet sich Ihr Ansatz?

Amendt Mein Vortrag richtet sich natürlich an die Frauengemeinschaft, die sich gemeinsam mit mir heute Nachmittag diesem Thema widmen möchte. Allgemein kann die freiwillige Armut allerdings jeden ansprechen. Gerade im aktuellen politisch-sozialen und ökonomischen Rahmen unserer Gesellschaft, in der immer mehr Arbeitsplätze wegfallen, wie zum Beispiel bei der Schließung der Zechen, stellt sich doch die Frage: Wie kann ich damit umgehen? Rein negativ? Oder kann ich auch den Blickwinkeln ändern und die neue Situation als Ausgangspunkt einer neuen Chance begreifen?

Wie definiert sich für Sie die „freiwillige Armut“?

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Amendt Es geht nicht darum, die Menschen zu entwürdigen. Die grundlegenden materiellen Mittel sind in unserer Gesellschaft ja ohnehin vorhanden und eine Einschränkung wird deshalb auch nicht im Extrem spürbar. Viel wichtiger ist, seinen Blickwinkel zu ändern. Es geht dann darum, nicht mehr so sehr auf sich selber zu gucken, nicht nur zu fragen: Was brauche ich?

Sondern denen etwas zu geben, die es dringender benötigen?

Amendt Genau. Unter dem Namen „Vision: teilen“ engagiere ich mich beispielsweise mit einem anderen Ordensbruder gemeinsam für Hilfsbedürftige in anderen Ländern. Im Januar war ich deshalb in Ostafrika. Dort gibt es so viele Kinder, die nicht zur Schule gehen können. Oder die Aids-Waisen sind. Da stellt sich irgendwann die Frage: Auf welcher Seite stehe ich? Schöne Worte reichen nicht mehr, dort ist Hilfe notwendig. Und für die können wir sammeln. Es geht um eine Umverteilung der Lebenschancen.

Aber nicht zwangsläufig in anderen Ländern, oder?

Amendt. Nein, natürlich auch vor Ort. Unsere Hilfe ist unabhängig von irgendwelchen Landesgrenzen. Geben kann man überall.

(RP)
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