Gaststätte Rühl: Singen, Spielen, Bierchen trinken

Eine Dorfkneipe zum Wohlfühlen : Auf ’n Pilsken nach Rühl

In der Gaststätte in Bruckhausen herrscht auch unter der Woche so manches Mal Hochbetrieb. Hier treffen sich Sänger zur Chorprobe, Kartenspieler zum „Doppelkopf“ und Einheimische zum Feierabend-Bier.

Wenn man an einem Dienstag um 20 Uhr den Schankraum einer Gaststätte betritt, rechnet man nicht unbedingt mit Hochbetrieb. Genau der herrscht allerdings in der Gaststätte Rühl in Bruckhausen. Am Stehtisch direkt an der Theke haben sich  ein halbes Dutzend Männer versammelt, an zwei Tischen im Schankraum sitzen  noch mal so viele Herren. Vier weitere nehmen gerade an einem Tisch in der Ecke des Schankraums Platz. „Es ist nicht jeden Abend so viel los hier“, sagt Dorothea Rühl, die man allgemein als „Doro“ kennt und die Inhaberin der Gaststätte ist. „Wir haben heute bei Biergartenwetter das erste Gänseessen im Haus gehabt, und außerdem sind heute einige Vereine da“, erklärt die Wirtin.

Vereine ist auch schon ein gutes Stichwort. Denn die Männerrunde, die am Stehtisch direkt an der Theke eine Runde Getränke genießt, besteht aus Mitgliedern des Männergesangvereins (MGV) Bruckhausen, angeführt von Chorleiter Hans Dieter Rohde. „Wir haben hier jeden Dienstag unsere Chorprobe“, erklärt er. Ob ein halbes Dutzend Stimmen nicht etwas wenig für einen Chor sind? „Die hier gehören auch noch zu uns“, sagt er und deutet auf die sechs Männer am Tisch neben der Theke. Schnell sind alle Sänger mit einem Getränk ausstaffiert und ziehen sich in einen der Nebenräume zur Chorprobe zurück. Die beginnt um 20.10 Uhr.

Die Probenpause nutzen die Sänger des MGV Bruckhausen gerne für ein gekühltes Getränk. Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Services/Heiko Kempken
Inhaberin Dorothea Rühl zapft Bier für ihre Gäste. Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Services/Heiko Kempken

Davon hört man im Schankraum selbst wenig. Hier klingt leise Musik aus den unter der Decke angebrachten, kleinen Lautsprechern, während Gesprächsfetzen von den einzelnen Tischen im Raum und aus dem Raum nebenan ans Ohr dringen. Am Tisch in der Ecke beginnt einer der vier Männer, die dort sitzen, Karten zu verteilen. Der Doppelkopfclub „Die wilden Vier“, bestehend aus Erwin, Wolfgang, Dieter und Manfred, spielt auf. Angelika Schmidt, die sich in der Gaststätte darum kümmert, dass die Besucher mit Pils und Wasser versorgt sind, kommt an den Tisch. „Die mogeln hier immer, und es hat auch noch keiner die Regeln verstanden“, kommentiert sie das Geschehen auf dem Tisch mit einem Augenzwinkern. „Sie ist unsere Doppelkopf-Königin“, antwortet Erwin nur.

„Die wilden Vier“, bestehend aus Erwin, Wolfgang, Dieter und Manfred, treffen sich in der Kneipe gerne zum Doppelkopfspielen. Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Services/Heiko Kempken
Jeden Dienstag proben die Männer des MGV Bruckhausen bei Rühl. Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Services/Heiko Kempken

Das Männerquartett spielt schon seit mehr als 20 Jahren gemeinsam Karten. „Unser regelmäßiger Abend besteht aus Sport und Doppelkopf“, erklärt Wolfgang. Vor dem Besuch der Gaststätte seien sie Rad gefahren und bei einer dieser Touren entdeckten die vier Männer auch die Gaststätte Rühl für sich. „Solche Dorfkneipen, im besten Sinne, findet man heute kaum noch. Für uns war das ein Glücksfall“, sagt Dieter. „Das Essen ist gut, die Bedienung ist freundlich und man hat hier eine schöne Atmosphäre“, ergänzt Manfred.

Jeldrik Haubelt und Angelika Schmidt haben offenbar Spaß bei der Arbeit. Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Services/Heiko Kempken

Um Letztere in sich aufzunehmen, empfiehlt sich ein Blick auf die Wände des Schankraums. Hier finden sich alte Kuchenformen aus Metall, ein altes Waffeleisen, das man noch mit dem Teig in den Ofen schob und hölzerne Spekulatiusformen. „Mein Vater war Bäckermeister und das ist alles noch original aus seiner Zeit – auch wenn nicht alles aus seiner Backstube stammt“, erzählt Dorothea Rühl. Ebenso finden sich hier alte Maße und Waagen aus dem Bäckerhandwerk wieder, dazu alte Glasflaschen die früher zum Transport von Bier genutzt wurden oder Abfüllungsmechanismen für Schnaps.

Eine kleine Sammlung von Gegenständen, die sich auch in einem Heimatmuseum gut machen würde. Traditionsbewahrung auf der einen Seite, auf der anderen lässt sich auf einer Tafel hinter der Theke das Passwort für das kabellose Netzwerk in der Gaststätte ablesen. „Wir haben ja auch Hausgäste und viele davon sind beruflich hier. Da muss man das anbieten“, erklärt Dorothea Rühl.

Langsam leert sich der Nebenraum ein wenig. Die Gäste, die zum Essen in der Gaststätte waren, gehen heim. Um 20.55 Uhr kommen die Sänger des MGV Bruckhausen aus ihrem Übungszimmer zurück in den Schankraum. Ist die Probe etwa schon beendet? „Nein. Halbzeit-Pause“, erklärt einer der Sänger. Die ist bei der Chorprobe Tradition und so servieren Angelika Schmidt und Aushilfe Jeldrik Haubelt schon die Getränke, kaum dass die Sänger Platz genommen haben. Es läuft alles rund in der Gaststätte Rühl - auch an einem Dienstagabend.

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