Dinslaken: Fußball und Pils machen das Maaß voll

Dinslaken: Fußball und Pils machen das Maaß voll

Die Gaststätte am Neutor gehört zu den festen Institutionen in Dinslaken. Lange wurde sie von der Familie Maaß geführt. Seit 2016 hat hier ein neues Trio das Sagen.

Bis ins 18. Jahrhundert lassen sich die Vorfahren der Familie Maaß zurückverfolgen. Aus der gleichen Zeit stammt wohl das Gebäude am Neutorplatz, in dem sich die Gaststätte Maaß befindet. Durch eine kaum kniehohe Mauer vom Rest der Umgebung ein wenig abgetrennt, liegt die Kneipe zentral in der Dinslakener Innenstadt. Wer im Sommer im Biergarten Platz nimmt, blickt über das Herz von Dinslaken mit Neutor-Platz, Neutor-Galerie und den Beginn der Einkaufsstraße.

Die Stammgäste "Dr. Franz" (links) und "Oskar" rechts kommen gerne zum Frühschoppen. Foto: Büttner Martin

"Eine bessere Lage kann man sich nicht vorstellen", erklärt Axel Wolff, einer der drei Betreiber der Gaststätte Maaß. Seit 2016 führt er sie gemeinsam mit Ludger Hullermann und Gerd Goch. "Wir haben die Gaststätte übernommen, weil wir sie erhalten wollten", erklärt Axel Wolff. Mehr als 130 Jahre leitete die Familie Maaß das Lokal, angefangen mit Gerhard Heinrich Maaß, der mit seinem Tod im Jahre 1880 in der Familienchronik auftaucht. Damals war noch der Viehmarkt vor der Kneipentür.

Mit Wilhelm Maaß, der die Kneipe ab 1971 führte, endet die Gastwirt-Dynastie in Dinslaken. "Es gab mehrere Bewerber für die Nachfolge", erklärt Axel Wolff. "Aber wir haben uns mit unserem Konzept durchgesetzt." Und das sah vor allem vor, die Gaststätte weitestgehend so zu erhalten, wie sie vor der Übernahme war. "Wir haben, bevor wir hier renoviert haben, Fotos von jedem Detail gemacht, damit alles später wieder an seinen Platz kommt", erklärt Axel Wolff. Im Schankraum herrscht eine urige Atmosphäre, alles hier atmet Geschichte. An den Wänden finden sich Memorabilien aus der Vergangenheit. Hier Andenken aus Bergmannszeiten, dort eine Sammlung alter Kameras, vor allem aber jede Menge Musikinstrumente - ein Kontrabass, eine Tuba, ein Skiffle-Brett, ein Akkordeon, eine Geige und vieles mehr. "Einige Musiker haben ihre Instrumente selbst aufgehängt. Der Kontrabass stammt von Werner, dem Bassisten von Funky Butt", sagt Gerd Goch. "Andere hat Wilhelm Maaß gesammelt." Auch seltsame Dinge gibt es zu entdecken, etwa die Polizeimarke eines Londoner Polizisten, der diese bei einem Besuch in Dinslaken in der Gaststätte zurückließ. "Der kommt heute noch einmal im Jahr vorbei, um zu schauen, ob hier noch alles in Ordnung ist", erzählt Axel Wolff.

Geschichten können auch die Stammgäste erzählen. "Ich komme schon seit gut 55 Jahren regelmäßig her", erzählt einer, den alle nur als "Dr. Franz" kennen. "Da war von Wilhelm Maaß noch keine Rede." Regelmäßig trifft sich der Senior zum Frühshoppen mit "Oskar", einem anderen Stammgast.

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Auch eine alte Kneipe kann mit der Zeit gehen. Als eine der wenigen Gastwirtschaften bietet Maaß noch Bundesliga-Liveübertragungen über den Bezahlsender "Sky" an. Mit der Talkrunde "Das Maaß ist voll", zu der regionale und überregionale Prominenz eingeladen wird, und dem Format "Maaßflanke", bei dem Größen aus dem Bereich Fußball in die Gastwirtschaft kommen, haben die drei neuen Betreiber zwei neue Formate etabliert, die auch junge Gäste in die Kneipe locken. "Zwischendurch gibt es hier auch Live-Musik", ergänzt Ludger Hullermann. Und natürlich lockt bei warmen Temperaturen auch der Außenbereich der Gaststätte Menschen an. Dann wird es richtig voll vor der Tür. "Dann hat man hier ein bisschen Düsseldorfer Flair", erklärt Axel Wolff.

Bei Maaß geht es familiär zu. Gerade zu besonderen Anlässen wie Heiligabend, zu dem auch viele Stammgäste in die Kneipe kommen. "Es tut uns dann immer leid, wenn wir schließen müssen, weil dann meistens noch sehr viele Leute hier sitzen und die Zeit hier verbringen", sagt Axel Wolff. Er und seine beiden Geschäftspartner Ludger Hullermann und Gerd Goch sind jeweils mindestens einen Tag in der Woche in der Kneipe und kümmern sich selbst um Betrieb und Gäste. "Wir machen das mit Herzblut und sehr gerne, und es macht uns auch einfach Spaß", sagt Ludger Hullermann.

Und so wird die kultige Kneipe im Herzen der Stadt wohl auch noch länger weiterbestehen.

(RP)
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