Für die Zukunft der Pflege

Gründung einer Kammer : Interessen der Pflege vertreten

Heike Lütfring vom Evangelischen Krankenhaus spricht sich für die Gründung einer speziellen Kammer aus. „Ein längst überfälliger Schritt“, ist dies aus ihrer Sicht.

Bedingt durch den demografischen Wandel steigt die Zahl der pflegebedürftigen Menschen an, derzeit aber ist der personelle Stand in den Kranken- und Altenpflegeberufen auf einen Niedrigstand gesunken. Krankenhäuser klagen, sie könnten die vom Bundes-Gesundheitsminister Jens Spahn geforderten Untergrenzen für manche medizinische Fachbereiche zum 1. Januar 2019 nicht erfüllen – es fehle Personal. Häuser, die es sich leisten können, zahlten inzwischen „Kopfgelder“ für neues Pflegepersonal.

Das alles müsste nicht sein, so Heike Lütfring, Pflegedirektorin am Evangelischen Krankenhaus, wenn es denn bereits die Pflegekammer gebe. Denn die Gesetzgebung sei nicht gut durchdacht, eine rechtzeitige Einbindung von Vertretern der Pflegeberufe hätte hier die Politik beraten können. Doch bislang gebe es weder bundesweit noch in NRW eine derartige Kammer, obwohl die Pflege der Berufsstand mit den meisten Mitarbeitern in der Gesundheitsbranche sei.

„Wir haben einige Informationsabende zur Bildung einer solchen Pflegekammer im Bereich des Klinikverbundes abgehalten“, so Lütfring. Sie seien dabei auf Zustimmung, aber auch auf Ablehnung gestoßen. Dabei sieht die Pflegedirektorin in der Bildung einer Pflegekammer Vorteile für die Pflegeberufe. „Die Pflege kann sich dadurch öffentlich vorstellen, ihre Interessen gegenüber der Politik besser zu vertreten, wir könnten endlich die inhaltliche Arbeit maßgeblich beeinflussen, dazu pflegewissenschaftliche Erkenntnisse besser nutzen“, so Lütfring. Eine Pflegekammer diene den Pflegern und Pflegerinnen, aber auch den Patienten käme sie zugute.

Auch die Verteilung der Gelder spricht sie an. „Dem Gesundheitssystem gehen Milliarden Gelder verloren.“ Ein Krankenhaus sei auch ein Wirtschaftsunternehmen, es müsse mit seinem Geld haushalten, reinvestieren. Das täten auch die gemeinnützigen Häuser, andere aber zahlten hingegen hohe Dividenden an ihre Aktionäre. Gelder, die der Pflege und den Patienten fehlten. „Auch hier könne eine Pflegekammer gegensteuern“, so ihre Meinung.

Auch Sylvia Schager, Stationsleiterin auf der Palliativstation des Evangelischen Krankenhauses, spricht sich für eine Pflegekammer aus. „Der Pflegeberuf findet dann endlich die Anerkennung, die er verdient.“

Derzeit würden Pflegerinnen und Pfleger repräsentativ landesweit zu ihrer Einstellung gefragt, ein Förderverein auf Landesebene sei gegründet worden, doch bis zur Bildung einer Pflegekammer sei es noch ein weiter Weg.

(big)
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