Fünf Jahre Repair-Café in Hünxe-Bruckhausen

Hünxe : Erstes Repair-Café im Kreis feiert Fünfjähriges

Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde reparieren seit 2013 in Bruckhausen alles, was sonst wohl auf dem Müll landen würde.

Ein großer, brauner Teddy wartet im Regal. „Brummt nicht mehr“ erklärt der Zettel, der auf seinem Bauch klebt. Alles, was hier angeliefert wird, hat einen Defekt. Die Kaffeemaschine läuft aus, der Staubsauger zieht nicht, die Wanduhr steht. Seit fünf Jahren nimmt sich das Repair-Café in der evangelischen Kirche in Bruckhausen kaputter Gegenstände an, die sonst vielleicht auf dem Müll landen würden, weil die Reparatur nicht lohnt. Ehrenamtlich und kostenlos – bis auf die Ersatzteile. Und das nette Gespräch, das es dazu gibt – das ist ohnehin unbezahlbar. Es war das erste Café einer Art im Kreis Wesel. In der kommenden Woche feiern die Helfer – 13 Männer und eine Frau – den Geburtstag.

Der Duft frischen Kaffees empfängt die Besucher an der Kirchentür. Wer etwas zu reparieren hat, kann bei der Reparatur zur Hand gehen oder zuschauen und dabei einen Kaffee genießen. So jedenfalls war es gedacht.

Die meisten Kunden aber, das hat sich in den fünf Jahren gezeigt, sind schon fortgeschrittenen Alters, so dass eine Beteiligung an der Reparatur bei vielen nicht in Frage kommt. Aber ein Kaffee geht immer. Und manchmal braucht die Reparatur sogar weniger Zeit, als eine Tasse zu trinken. Gestern zum Beispiel.

Diese Bügelstation bleibt kalt. Johannes Pütter versucht herauszufinden, woran das liegen könnte. Foto: FUNKE Foto Services/Markus Weissenfels

Ein Ehepaar bemängelt einen Staubsauger der Marke „Viel Lärm um nichts.“ Nach wenigen Minuten ist der Sauger wieder einsatzfähig. Wie ging denn das so schnell? „Handauflegen“, sagt Hermann Beeker und schmunzelt. Er sitzt gemeinsam mit Klaus Schneider in der Annahme – und leichte Fälle erledigen die beiden sofort. Zeitaufwändigeres muss eine Etage höher.

„Wir nehmen nur Sachen an, die man auch selber tragen kann“, beantwortet Johannes Pütter auf der Treppe die noch nicht gestellte Frage, wie man denn, bitteschön, mit einer Waschmaschine hier hinauf.

Wobei: Eine junge Dame sei tatsächlich einmal mit einem Einbauherd durch die Tür gekommen. Um die Fachkompetenz der Reparateure musste sie sich jedenfalls nicht sorgen: Elektromeister, Ingenieure, Nachrichtentechniker, Schreiner, eine Schneiderin, Kfz-Meister, Werkzeugmacher, allesamt in Rente, treffen sich zweimal wöchentlich in der Werkstatt, um gemeinsam zu schrauben. Um die 20 „Patienten“ werden beim Café-Termin jede Woche angeliefert, manches braucht einfach länger. „Wenn wir Ersatzteile bestellen müssen etwa, und manchmal dauert es auch länger, die Geräte zu öffnen“, weiß Pütter. Kaffeeautomaten etwa. Die seien innen einfach häufig verdreckt, ebenso wie die alte Standuhr, deren Innenleben gestern gereinigt wurde. Es ist laut im Raum, zwei Männer unterhalten sich, eine Ehefrau bringt Kaffee, einer saugt alte Kaffeebohnen aus dem Automaten. „Das ist eine nette Truppe“, findet Johannes Pütter und erzählt von den Anfängen.

2013, beim jährlichen Ehrenamtstreffen, überlegten die fünf Männer unter den 50 Teilnehmern, was sie künftig auf die Beine stellen könnten. Johannes Pütter brachte die Idee zum Repair-Café aus einem Urlaub in den Niederlanden mit. Aus den fünf Gründern wurden schnell mehr – „manche Ehefrauen sahen wohl auch die Notwendigkeit, ihre Männer unterzubringen“, sagt Pütter und lacht.

Denn das war gut so: Zum ersten Repair-Café-Termin vor fünf Jahren kamen 70 Menschen vom ganzen Niederrhein. „Der ganze Parkplatz war voll“, erinnert sich Beeker und weist auf den Danziger Platz vor der Kirche „Unsere Arche“.

Von den Spenden, die viele Kunden geben, wurden Werkzeuge bezahlt, so dass die Handwerker in Kooperation mit der Gemeinde Hünxe auch Fahrräder für die Flüchtlinge aufarbeiten konnten. Die Bevölkerung wurde um Rad-Spenden gebeten. „Und dann haben wir an drei Tagen die Räder eingesammelt“, erzählt Udo Wülbeck. Manche waren blankgeputzt und wie neu, andere lagen ganz hinten im Schweinestall. Insgesamt 255 Fahrräder wurden in der Werkstatt schon flottgemacht, rechnet Peter Wagner vor. Wenn die Reparaturen erledigt sind, werden die Bürger benachrichtigt.

Auch der kleine Besitzer des großen Teddys kann übrigens vorbei kommen: Das Kuscheltier hat neue Kontakte, neue Batterien – und wieder eine Stimme.

(aha)
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