Dinslaken: Führerschein: Anforderungen steigen

Dinslaken : Führerschein: Anforderungen steigen

Immer mehr junge Menschen fallen durch die theoretische und praktische Fahrprüfung. Dafür gibt es Gründe.

"Langsam die Kupplung kommen lassen, beschleunigen und jetzt etwas mit dem Lenkrad nach rechts einlenken", gibt Fahrlehrer Michael Rothenhöfer an seine Schülerin Aleksandra Bensberg weiter. Sie befolgt die Anweisungen und biegt in den Kreisverkehr am Platz d'Agen ein. Für die 18-Jährige ist es die vierte Fahrstunde.

Die Theorieprüfung hat sie schon bestanden. "Da ich in diesem Jahr Abitur gemacht habe, war ich so im Lernfluss, dass das kein großes Problem war", erzählt Bensberg. Doch nicht bei jedem klappt es so reibungslos wie bei der 18-Jährigen. Nach Angaben des Kraftfahrzeugbundesamtes scheitern in Norrhein-Westfalen immer mehr Menschen an der theoretischen und praktischen Führerscheinprüfung. Beim Auto fielen 2017 bundesweit 44 Prozent (2016: 42,7 Prozent) der Schüler durch die theoretische und fast 40 Prozent (Vorjahr: 37,6 Prozent) durch die praktische Fahrprüfung. "Es wäre Blödsinn, wenn ich behaupten würde, dass wir von diesem Trend nichts mitbekommen", sagt Rotenhöfer von der Fahrschule Janssen. Während unter anderem der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände, Gerhard von Bressensdorf, die Steigerung in erster Linie auf den größeren Anteil nicht-deutschsprachiger Bewerber zurückführt, sieht Rotenhöfer das Hauptproblem woanders: "Die Ansprüche an die Fahrschüler sind in den vergangenen Jahren klar gestiegen. Früher gingen Personen sehr gerne in die Fahrschule, heute haben die 16- bis 18-Jährigen gar nicht mehr viel Zeit dafür. Sie sitzen bis spät nachmittags in der Schule, sind oft in einem Sportverein und haben dann noch einen hohen Freizeitbedarf." Zudem habe der Verkehr in den vergangenen Jahren stark zugenommen, das führe bei den Schülern zu erhöhtem Druck, gerade bei den praktischen Prüfungen. "Da gibt es einen Satz: Der Fahrlehrer kennt seinen Schüler, aber als Prüfling ist er ihm manchmal vollkommen unbekannt. Da passieren manchmal Dinge, die sich keiner erklären kann", so der Inhaber der Fahrschule Janssen. Bei einigen Prüfungen seien aber auch schon Dinge passiert, auf die man die Schüler nicht vorbereiten könne. "Es kann immer vorkommen, dass ein Passant plötzlich über die Straße rennt oder andere Verkehrsteilnehmer über rote Ampeln brettern. Ein wenig Glück ist bei den Prüfungen immer von Nöten", so der Fahrlehrer. In Vorgesprächen würden die Lehrer versuchen, Schülern den Druck zu nehmen. "Dafür müssen wir unter anderem auch pädagogische Lehrgänge besuchen", sagt Rothenhöfer.

Bei Fahrschülern mit Migrationshintergrund sieht er derweil noch andere Gründe für das Nichtbestehen von Prüfungen: "Der Verkehr in ihren Heimatländer ist oftmals nicht so streng geregelt wie bei uns." Er habe beispielsweise einen syrischen Arzt als Fahrschüler gehabt, der in Syrien bereits 16 Jahre Auto gefahren war. Bei der Prüfung in Deutschland habe er trotzdem zwei Anläufe gebraucht.

Dieter Mende von der Fahrschule Mende spricht dabei auch über Probleme, die bei der Sprachverständigung auftreten können: "Davon hatten wir schon ein paar Fälle." Allgemein liege die Quote derer, die bei ihm in der Fahrschule durch die Prüfungen fallen viel niedriger als im Bundesdurchschnitt.

"Wir legen sehr großen Wert auf eine fundierte Ausbildung und melden die Schüler auch nur zu den Prüfungen an, wenn wir uns sicher sind, das sie das gut meistern werden", sagt Mende.

Erik Grosser von der FAN-Fahrschule sieht die angestiegene Durchfall-Quote hingegen überhaupt nicht: "Bei uns hat sich seit Jahren nichts verändert. Es ist alles gleich geblieben. Die elektronischen Unterstützungen heutzutage helfen auch bei der Umsetzung."

(lb)